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Montag, 15. September 2014

RÖMISCHE KAISER IM 1. UND 2. JHD.

Die römischen Kaiser führten verschiedene Titel und Bezeichnungen, weshalb der Kaiserbegriff so schwer fassbar erscheint.
Das hängt damit zusammen, dass Rom für lange Zeit stolz war, eine Republik (Res publica) zu sein und man nicht von einem König (Rex) regiert werden wollte. Die Kaiser führten deshalb mehrere Titel und Beinamen wie Imperatores, Principes und Caesares, die alle einen etwas anderen Bedeutungsgehalt hatten. 
Außerdem liebten die Römer Titel an sich.

Den ersten Schritt hin zur neuen Ordnung machte Gaius Iulius Caesar, der auch bei Sueton als erster der "Caesaren" genannt wird. Als erster Kaiser nach gemeiner Ansicht gilt aber sein Großneffe Gaius Octavi(an)us, genannt Augustus.
Caesar hatte für sich bereits den Titel Dictator perpetuus (also auf Lebenszeit) erworben, obwohl das Diktatorenamt nur für Notzeiten und auf kurze Zeit gedacht war. Daneben trug er den Imperator-Titel, was eigentlich Feldherr, aber allgemein auch Befehlshaber bedeutete. Man warf ihm vor, auch nach dem Titel Rex zu streben.
Diese recht offen angestrebte Machtfülle brach Caesar nicht nur symbolisch das Genick: Er wurde an den Iden des März 44 v. Chr. erdolcht.
Sein Nachfolger Augustus ging deshalb geschickter vor und tat so, als ob er die Republik wiederhergestellt hätte, wobei er gleichzeitig Titel wie Imperator, Princeps und Caesar führte bzw. weiterführte. Der Senat wurde zwar nicht abgeschafft, erhielt aber nur die Kontrolle über einige Provinzen, während Augustus die der anderen innehatte. Augustus sorgte natürlich dafür, dass seine Provinzien die mit den stärkeren Militäreinheiten waren.    
Mit der Zeit änderte sich die Herrschaftsstruktur des Römischen Reiches (Imperium Romanum) mehrfach. Ein deutlicher Einschnitt war die Neuordnung gegen Ende des 3. Jhd.s durch Diokletian, die angesichts der gestiegenen äußeren Bedrohung - z. B. durch Germanen und Perser - und durch innere Streitigkeiten notwendig erschien. Forscher sprechen auch von einer Reichskrise des 3. Jhd.s. Diokletian wendete äußerste Zwangsmaßnahmen an, die politisch und ökonomisch wenigstens einige der Instabilitäten auf Zeit beheben konnten.
In der Folge wurde die Regierung des Reiches auf 2 bzw. 4 Machtzonen aufgeteilt. Die Forscher nennen dieses System heute Dominat (im Ggs. zum Principat seit Augustus).



AUGUSTUS (Gaius Octavius)



27 v. - 14 n. Chr.

  • 63 v. in Rom geboren
  • Mutter: Nichte Caesars, Vater: Ritter, Statthalter von Mazedonien
  • von Caesar als Haupterbe adoptiert 
  • verkündet nach langem Bürgerkrieg Frieden im Römischen Reich
  • erster Kaiser nach de facto Abschaffung der Republik (Princeps, Imperator);
    de iure will er die Republik wiederhergestellt haben



TIBERIUS (Tiberius Claudius Nero)



14-37

  • 42 v. in Rom geboren
  • Julisch-Claudisches Haus (wie Caligula, Claudius, Nero)
  • verheiratet mit Julia, der Tochter des Augustus (erzwungen)
  • Verbannung wegen umstrittener Lebensweise und wohl auch wegen Intrigen
  • stand unter starkem Einfluss des Prätorianerpräfekten Sejan
  • trotzdem ein relativ klarer Blick für das innen- wie aussenpolitisch Erreichbare
  • gegen Ende seines Lebens liess Tiberius dissidente römische Aristokraten hinrichten und zog sich aus Rom zurück
  • laut Sueton schwere sexuelle Perversionen



CALIGULA (Gaius Iulius Caesar [Germanicus])



37 - 41

  • 12 n. Chr. vermutlich in Antium (Anzio) geboren 
  • als Kind Liebling der Soldaten (Spitzname "Caligula" von caliga, dem Soldatenschuh/-stiefel)
  • wurde nach langer Krankheit verrückt und grausam 
  • 39 kam es zur Niederschlagung einer Militärrevolte am Rhein 
  • 41 durch den Prätorianertribun Cassius Chaerea ermordet 



CLAUDIUS (Tiberius Claudius Drusus/T. C. Nero Germanicus)



41 - 54

  • 10 v. Chr. in Lugdunum (Lyon) geboren 
  • Onkel des Caligula
  • von Prätorianern zum Kaiser erhoben (einziger des Kaiserhauses) 
  • hässlich und schwach: hinkte, wackelte mit dem Kopf und stotterte 
  • Eroberung Mauretaniens, Thrakiens und teilweise Britanniens 
  • 54 von 3. Frau Agrippina vergiftet, Sohn Britannicus von Nachfolger Nero getötet 



NERO

54 - 68

  • 37 n. Chr. in Antium geboren 
  • Sohn Agrippinas (der Frau des Claudius) 
  • nach vielversprechendem Anfang galt Nero als einer der schlimmsten Tyrannen Roms
  • ließ seinen Halbbruder, seine Mutter und seine Frau ermorden 
  • verfolgte Christen wegen des Brandes von Rom (64);
    danach ließ er Teile der Stadt neu aufbauen (z. B. Domus Aurea) 
  • beging nach Abfall der Prätorianer und der Ächtung durch den Senat 68 Selbstmord





GALBA

OTHO

VITELLIUS

VESPASIAN

TITUS

DOMITIAN

NERVA

TRAJAN

HADRIAN

ANTONINUS PIUS

MARK AUREL

LUCIUS VERUS

COMMODUS

PERTINAX

DIDIUS JULIANUS (JULIAN)

PESCENNIUS NIGER

SEPTIMIUS SEVERUS







Mittwoch, 3. September 2014

ARYAN BROTHERHOOD


 
Die Aryan Brotherhood ist eine weiße Gefängnisgang, die ihrem Selbstverständnis nach rassistische Ziele verfolgt, in der Praxis aber vor allem kriminellen Aktivitäten wie Drogenhandel, Diebstahl, Prostitution, Raub und Gewaltkriminalität nachgeht.
Die Aryan Brotherhood verwendet gerne germanische oder keltische Symbole und verwendet oft Abkürzungen oder Tarnnamen wie AB, 12/One-Two, The Brand, Alice Baker u. ä.
Oft werden FBI-Analysen zitiert, nach denen nur 0,1 % der Häftlinge AB-Mitglieder sind, von ihnen aber 18 % der Morde ausgehen. Diese Zahlen sind aber umstritten.


DIE GRÜNDUNG IN DEN 60er-JAHREN

Auf jeden Fall entstammt die Aryan Brotherhood einer Situation der 60er-Jahre und hat sich danach verselbständigt. In den 60er-Jahren kamen in den USA immer mehr nicht-Weiße in die Gefängnisse und waren immer besser organisiert, während gleichzeitig die Forderung erhoben und umgesetzt wurde, wie überall im Land die Rassentrennung aufzuheben.
Das hatte zur Folge, dass weiße Gefangene, die zuvor die Oberhoheit hatten und z. B. durch bestimmte Schübe wie in Wirtschaftskrisen und nach Kriegen die Gefängnisse stark popularisiert hatten, in die Minderheit zu geraten drohten. Das bedeutete, dass die AB am Anfang sogar defensiven Charakter hatte, danach aber schnell in die Offensive überging.
Entstanden sein soll die AB im Jahre 1967 im Staatsgefängnis St. Quentin in Kalifornien. Einige Quellen datieren sie auch noch früher (z. B. 1964).
An der Gründung waren aber nicht nur angelsächsische Weiße beteiligt, die einen "Germanenkult" betrieben, sondern auch Iren, die einen "Keltenkult" mitbrachten. So wurde auch das irische Kleeblatt und das Keltenkreuz neben Nazisymbolen wie Hakenkreuz (Swastika) und SS-Runen bzw. -Blitzen Erkennungszeichen der AB.
Namentlich ging die frühe AB auf die Blue Bird Gang zurück, die v. a. aus irischstämmigen Rockern bestand. Da das ganze damals noch nicht in geregelten Bahnen verlief, waren zunächst Namen wie Diamond Tooth Gang und Nazi Gang im Gebrauch.


DIE KONSOLIDIERUNG DER 70er-JAHRE

Die Aryan Brotherhood gewann durch ihre gute Organisation und ihre Härte in den Gefängnissen schnell an Einfluss. Durch erste Haftentlassungen fasste sie auch außerhalb der Gefängnisse schnell Fuß.

Weiterhin begann etwas, das man später nicht mehr so sah und was einen aufgrund der klassischen Links-Rechts-Verhältnisse wundert: In den frühen 70er Jahren gab es eine Zeit lang Verknüpfungen zwischen teilen der linken Gegenkultur und Gefangenengangs, die meist rechts standen und z. B. für den Vietnamkrieg waren.
Das kam daher, dass die politische (Neue) Linke damals immer frustrierter mit der Gesellschaft wurde und nicht mehr auf friedliche politische Veränderungen hoffte. Außerdem glaubte man, dass die Arbeiterklasse, wenigstens die weiße, zu systemfreundlich geworden sei, und dass man daher auf soziale Randgruppen setzen müsse. Eine Untermauerung dieser Vorstellungen lieferten die Theorien von Herbert Marcuse.
Umgekehrt standen die eigentlich rechten Brüder auf die rebellische Musik der linken Protestkultur dieser Tage. Und nicht zuletzt der Drogenhandel erreichte durch die "Couter Culture" ein ungeahntes Ausmaß. Neben dem allgemeinen Zeitgeist wirkten speziell Filme wie "Easy Rider" nachfragefördernd.

In der Praxis zeigte sich aber, dass Gefangenengangs wenig Interesse an sozial-progressiven Ideen haben. 
Einige AB-Veteranen, die diese Zeit noch erlebt haben, berichteten später wortreich über diese Zeit der bedingten Koalitionen.

Ein besonderer Vertreter dieser rebellischen Zeit war Charles Manson mit seiner sog. Family. Manson selber (Jahrgang 1934) hatte schon vor seiner Politisierung Knasterfahrung gesammelt. Daher wusste er, dass mit den Black Panthers und ähnlichen Gruppen in den Zellen nicht zu scherzen war. Manson schloss also einen vorübergehenden Pakt mit der Aryan Brotherhood, der ihn im Gefängnis vor Schikanen schützen und die AB-Mitglieder außen mit Waren und Frauen versorgen sollte. Diese Allianz brachte der Family jedoch auch Probleme ein. Kenneth Como von der AB erwies sich als äußerst Machtbewusst und zog einige Anhänger der Family zu sich herüber (Spaltung in Comoites und Mansonites).
Schließlich kam der endgültige Bruch dadurch, dass Manson sich weigerte, einfach nur als Loyalitätsbeweis einen Schwarzen umzubringen (Quelle: Lynette Fromme).

Die Aryan Brotherhood kümmerte dieses Intermezzo wenig. Sie erhielt dadurch ein wenig Popularität, kümmerte sich an sonsten aber vor allem um die Drogengeschäfte, die inzwischen äußerst blutig ausgetragen wurden. Es kam bei Drogenkämpfen zu vielen Toten auf seiten verschiedener Gangs und der Polizei.
Aus taktischen Gründen konnte man aber auch mit ideologischen Feinden zusammenarbeiten, wie z. B. mit der mexikanischen Gang "La Eme".
Erbitterte Feinde über lange Zeit waren und sind aber die Kämpfer der "Black Guerilla Family". 


DIE NEUSTRUKTURIERUNG DER 80er-JAHRE

Die Konsolidierung der Machtstrukturen wirkte bis in die 80er-Jahre. Die Aryan Brotherhood hatte inzwischen ein Netz fast über die ganzen Vereinigten Staaten gespannt und war jetzt in Chapter aufgeteilt. Die Zusammenarbeit zwischen Untergruppen innerhalb und außerhalb der Gefängnisse funktionierte inzwischen auch prächtig. Neben dem Drogenhandel waren der Überfall auf Geldtransporte und Geldfälschungen "Highlights" der Verbrecherorganisation.
Die Organisation drängte auch zunehmend in den Waffen- und Sprengstoffhandel vor, was aber erst in den 90er-Jahren und später deutliche Auswirkungen hatte. 

Trotz der bisherigen Erfolge musste man aufgrund der gewonnenen Größe und aufgrund der neuen Herausforderungen seine innere Struktur anpassen. Die Aryan Brotherhood teilte sich intern in eine Gruppe für Bundesgefängnisse und eine Gruppe für Staatsgefängnisse (der Einzelstaaten). Die Aryan Brotherhood wurde jetzt von einem Dreiergremium gelenkt.
Nach außen hin versuchte die Aryan Brotherhood, Kontakte zu White-Supremacy-Gruppen wie der Aryan Nation herzustellen. In einigen Fällen gelang das und traf auf Gegenliebe, in anderen Fällen war die Reaktion ablehnend.


WEITERE ENTWICKLUNG: 90er-JAHRE, 00er-JAHRE


Die Aryan Brotherhood setzte im folgenden ihren Kurs fort und intensivierte ihn noch. In den 90er-Jahren kam es nicht nur zu einer langen Reihe von Straftaten, Machtkämpfen und Morden im illegalen Geschäftsleben, sondern auch zu ideologisch motivierten Morden an Nicht-Weißen. Berühmt wurde ein Fall in Jasper (Texas), in dem drei Ex-Häftlinge den Schwarzen James Byrd (Jr.) am Heck ihres Pick-Ups zu Tode schleiften.

Auch der Handel mit Waffen und Sprengstoff wurde intensiviert. Das FBI deckte 2000 auf, dass die AB nicht nur mit Sprengstoff handele, sondern sogar Anschläge auf Bundesbehörden in großem Stil plane.

Gleichzeitig gelangen den Behörden aber auch einige Erfolge gegen führende Mitglieder der AB. Sie konnten einige aus der Zelle (Isolationshaft!) geschmuggelte Kassiber entschlüsseln und so den Führern der AB Mordabsichten nachweisen. Damit waren viele der Anführer in Schwierigkeiten.
Im Jahre 2002 wurden in einer Großaktion viele AB-Köpfe abgegriffen und auf der Grundlage des RICO-Aktes angeklagt. 
In einer Reihe von Großprozessen ab 2006 konnte zwar die Todesstrafe abgewendet werden, aber viele der Gefangenen müssen nun für immer hinter Gittern bleiben. In einigen Fällen macht die Haftverlängerung aber nichts mehr aus, weil die Häftlinge sowieso schon lebenslänglich ohne Chance auf Bewährung haben.
Zum Leidwesen der AB sagten auch einige ihrer Bundesbrüder gegen die Führung aus. Motive mögen einerseits in Haftminderung gelegen haben, andererseits aber auch darin, dass die Führung der AB nicht nur einzelne Mordaufträge erteilt hat, sondern gleich ganze Familien ausrotten wollte.
Da bekamen selbst einige erfahrene Killer Gewissensbisse (z. B. Michael Thompson).
Die Verfolgungsmassnahmen des Staates trafen insbesondere Barry Byron Mills und Tyler "The Hulk" Bingham. 



Im Juni 2005 gingen die Fahnder auch gegen den verbündeten "Order of the Blood" vor, der besonders in Ohio Hauptquartiere unterhielt.

Ein weiteres Problem ist die Aryan Brotherhood of Texas (ABT). Dabei handelt es sich um eine Abspaltung von AB-Anhängern, die vom Führungsgremium der AB nicht in der Organisation geduldet wurde - aus welchen Gründen auch immer.
Neben ihren Bandenkriegen machte die Gruppe Anfang 2014 von sich reden, als sie aller Wahrscheinlichkeit nach für Morde an Staatsanwälten verantwortlich war.
Im Januar 2014 erschoss sie Mark Hasse (Leitender Oberstaatsanwalt) und im März Mike McLelland (Bezirksstaatsanwalt) und seine Frau Cynthia.
Unklar ist, ob auch ein Zusammenhang mit dem Mord am Gefängnisdirektor Tom Clement aus Colorado besteht. Der mutmassliche Täter Evan Ebel starb 2 Tage später in Dallas bei einer Schießerei mit Polizisten.



 

Samstag, 23. August 2014

LEGO STADT (TOWN/CITY) [Reg. Trade Mark]

Lego Stadt (Town) bezog sich als erste Baureihe komplett auf das Stadtleben. Im Jahre 1978 wurde sie neben Weltraum (Space) und Burg (Castle) ins Leben gerufen. Mit ihr erschienen die ersten Minifiguren.
Davor sind bereits Baukästen mit dem Thema Stadtleben sporadisch aufgetreten, z. B. in Legoland oder Town Plan.
In Lego Stadt entwickelten sich diverse Unterserien, z. B. Feuerwehr oder Rettungsteams. Ab dem Jahre 1985 wurden diese Unterserien stärker systematisiert.
1997 kam es zu einer Ablösung von Town durch Town Jr., das dann 1999 von City (Center) abgelöst wurde. 2003 kam World City auf den Markt und 2005 City. Daneben gab es mehrere kleine Baureihen, z. B. Jack Stone und Island Xtreme Stunts und einzelne Baukästen mit Stadthintergrund.
Die Bezeichnungen sind dabei nicht mehr so einheitlich. Während City gewissermaßen den Begriff Town als Überbegriff abgelöst hat, bezeichnet Town heute einzelne Themenwelten.
2009 erschien die Unterbaureihe Bauernhof, 2012 folgte das Thema Minenbau.
Um diese Zeit herum kämpfte City auch mit Star Wars um den Titel der am besten verkauften Baureihe.

Unterbaureihen im Überblick:

- Bauernhof
- Baustelle
- Feuerwehr & Rettungsteams
- Küstenwache
- Minenbau
- Polizei
- Transportwesen
- Eisenbahn
- Flughafen
- Zubehör 

(... to be continued)

QUELLEN:

- Wikipedia
- LegoPedia
- Kataloge


Montag, 18. August 2014

MITTELALTERMARKT: BEILSTEIN 2014 (HN)

Der diesjährige Mittelaltermarkt in Beilstein (Autokennzeichen: HN/Heilbronn) fiel am Samstag leider voll in den Regen. Wir haben uns trotzdem umgesehen und fuhren die Weinbergwege hoch. 
Bei Darbietungen auf der Bühne standen wenigstens nicht so viele Leute vor der Linse. 
Am Sonntag sah es schon besser aus, es waren mehr Menschen da und die Zufahrtswege durch die Weinberge waren wie gewohnt zugeparkt. So mussten wir länger laufen, denn das Auto war diesmal so hoch gepart wie noch nie. Wenigstens trafen wir so ein wanderndes Ehepaar, mit dem wir uns über den Unterschied zwischen Schwaben und (württembergischen) Franken unterhalten konnten.
Musikalisch waren wieder Cradem Aventure präsent und diesmal auch eine italienische Band, die Barbarian Pipe Band. Beim spätabendlichen Umtrunk benahmen sich die Bandmitglieder dann auch klischeehaft italienisch: Lautstark, mit heiserer Stimme, trinkfest und berlusconesk. ;-)

































Samstag, 16. August 2014

ATHEISMUS

16.08.2014 - 03.09.2025


Ein Symbol für Atheismus (von mehreren).




Der Begriff Atheismus bezeichnet die Überzeugung, dass es keine Gottheiten (z. B. einen Gott, mehrere Götter oder metaphysische/supernaturalistische Wesen wie Engel oder Geister) gibt.
Manche Definitionen weiten den Begriff noch in Richtung Agnostizismus aus (engl. auch "weak atheism") und machen so die Begriffstrennung schwierig. 
Der Agnostizismus geht davon aus, dass keine Aussage darüber gemacht werden kann, ob Gottheiten existieren. Einige radikal-agnostische Positionen halten Götter für unwahrscheinlich. 
Im Gegenzug werden militante oder missionarische Ansätze im Atheismus gerne als "Antitheismus" bezeichnet.

Der Begriff Atheismus geht auf das griechische "atheos", also gottlos, zurück. Das zugehörige Substantiv war "atheótes".
Der Begriff wies aber noch nicht auf eine feste Ideologie hin, sondern bedeutete, dass ein Mensch die Götter und insbesondere die lokal verbindlichen Stadt- oder Staatsgötter ablehnte.
Eine solche "atheische" Haltung war nicht sehr weit verbreitet, galt als problematisch und konnte juristisch schwer geahndet werden. Auch die Todesstrafe war möglich.


Antike

Die griechische Philosophie war nicht an sich atheistisch. Es gab aber einige Denkrichtungen, die atheistische Positionen entwickelt haben. Von denen wiederum sind einige der Sophistik zuzurechnen, weil diese traditionelle Wertvorstellungen kritisch hinterfragte und beispielsweise die Natur (physis) gegen die menschlichen Regeln und Gesetze (nomoi) stellte.
Berühmte Atheisten der Antike waren z. B. Diagoras von Melos (Sophist) und Theodoros von Kyrene (Kyrenaiker). Cicero erwähnt beide in seiner philosophischen Schrift "De natura deorum" (Von der Natur der Götter). Protagoras sah er als religiösen Zweifler an.
 
Der Atheismus hat zwar unter den Griechen frühe Vordenker gehabt, was aber nicht heißt, dass die philosophischen Systeme anderer Kontinente keine atheistischen Gedanken entwickelt haben. Ein Beispiel sei die indische Philosophie.
Einige der indischen "Nastikas" (Nicht-Seiende/Verneiner), also der jenseits der Orthodoxie der Veden stehenden Denkschulen, waren atheistisch. Zu den Nastikas gehören aber nicht nur atheistische Schulen, sondern auch andere:
  • der Buddhismus (zwischen Philosophie und Religion angesiedelt)
  • der Jainismus
  • die atheistisch-materialistische Charvaka-Schule
In Asien haben sich in der Antike aus Indien stammende philosophische Systeme und insbesondere der Buddhismus weit verbreitet. Dies setzte sich dann im Mittelalter fort.
Bis heute streiten sich Forscher, ob man den Buddhismus als Philosophie oder Religion sehen soll oder als beides. Er ist vielleicht eine Philosophie mit religiösen Beimengungen. Viele Buddhisten glauben z. B. an Geister. Außerdem gibt es Klöster mit Mönchen und Nonnen.
In vielen Regionen - insbesondere in Tibet - haben sich einheimische religiöse Vorstellungen mit denen des Buddhismus' vermischt.
In China traf der Buddhismus dann auf einheimische Denkansätze wie den Daoismus (Taoismus) und den Konfuzianismus (wenn man von -ismen sprechen will). Man spricht davon, dass der Buddhismus "sinisiert" wurde. Zum Ende des Mittelalters gelangte er auch nach Japan.


Mittelalter

Im Mittelalter hatte es der Atheismus in Europa schwer. Das Christentum war in der Spätantike zur dominierenden Weltanschauung aufgestiegen und herrschte in Europa das ganze Mittelalter hindurch. Trotzdem mag es im Volk oder unter Intellektuellen hier und da antireligiöse Geisteshaltungen gegeben haben. Oft waren oppositionelle Haltungen aber eher gegen die als Unterdrückerin empfundene Kirche als gegen das Christentum selbst gerichtet. Das sieht man - bis zum Übergang zur Neuzeit - bei diversen Bauernaufständen.
Dagegen stand im arabischen Raum und später darüber hinaus der Islam. Obwohl Mohammed am Anfang bereits in seiner arabischen Heimat umstritten war und umgebracht werden sollte, konnte er sich in Arabien mit seiner islamischen Lehre durchsetzen und im 7. Jhd. n. Chr. Nordafrika erobern. Von dort aus breitete sich der Islam sogar über Spanien bis nach Südfrankreich aus, bis er von Karl Martell zurückgeschlagen werden konnte. Eine weitere islamische Expansion fand nach Persien und Zentralasien statt und später in weitere Gebiete.

Christentum und Islam standen sich beide feindlich gegenüber, obwohl es auch Handel und Kooperation gab. Keine von beiden kam aber auf die Idee, dass sich auch beide irren könnten!
Materialistische Geschichtswissenschaftler weisen darauf hin, dass es auch ökonomische Triebkräfte für solche ideologischen Ausprägungen gebe. Das ist sicher richtig, trotzdem stehen diese Ideologien mit einem Allmachtsanspruch auch für sich selbst.
Neben der Unterstützung für eine Ideologie zum Selbstzweck ist es aber in der Tat so, dass sozioökonomische Faktoren den Zulauf für bestimmte Ideologien stärken oder schwächen können.

In Asien sehen wir im Mittelalter (wenn man die europäische Epocheneinteilung übernehmen will) eine weitere Verbreitung des Buddismus'. Gleichzeitig dringt aber auch der Islam vor: Zum einen verbreitet sich der Islam in Zentralasien und beeinflusst von dort aus sogar Südasien (indischer Subkontinent), zum anderen gelangt er durch arabische Kaufleute seit dem 11. Jhd. bis nach Hinterindien/Indonesien. Dort sieht man in der Architektur heute buddhistische Gebäude in Gegenden, in denen kaum ein Buddhist mehr lebt.


Neuzeit

In der frühen Neuzeit begann durch eine Rückbesinnung auf antike Texte, auf das Individuum und auf die Naturwissenschaften wieder eine kritische Einstellung zu kirchlichen Lehren Fuß zu fassen. In Italien mag man von der Renaissance sprechen, in Deutschland vielleicht vom Humanismus. Verstärkt (wenn nicht ausgelöst) wurde dies durch die Eroberung des Byzantinischen Reiches durch das Osmanische Reich im 15. Jhd. Viele byzantinische mussten nach Italien und in andere Gebiete Europas fliehen.
(Hinweis: Das Byzantinische Reich ist aus der östlichen Hälfte des antiken Römischen Reiches entstanden. Die Bewohner sahen sich daher zumeist als Römer an, waren aber ethnisch oder zumindest kulturell gesehen eher Griechen. Religiös hingen sie seit dem Großen Schisma im 11. Jhd., also der Abspaltung der Orthodoxen von der Katholischen Kirche, dem orthodoxen Christentum an, das sich mit der Zeit auch unter vielen ostslawischen Stämmen verbreitete.
Vereinzelt gab es aber auch Gegenbewegungen wie unter Georgios Gemistos Plethon, der im 15. Jhd. eine Rückbesinnung auf die heidnische griechische Religion forderte, dafür aber wenig Unterstützer fand. Er wollte so die totale Niederlage von Byzanz noch abwenden, scheiterte aber bekanntermaßen.)

Die Renaissance förderte also eine Rückbesinnung auf die Antike, ein Siegeszug des Atheismus' war damit aber noch nicht möglich.
Seine Stärkung begann mit rationalistischen Ansätzen ("Rationalismen") und der Frühaufklärung im 17. Jhd. unter Descartes und Spinoza und dann mit der eigentlichen Aufklärung im 18. Jhd. Als eine der frühesten klar atheistischen Schriften der Neuzeit gilt der anonym erschienene Text "Theophrastus redivivus" von 1659. Der Titel deutet darauf hin, dass sich der Autor als den wiedererstandenen Theophrast von Eresos sieht. In dem Text werden Götter als frei erfunden dargestellt, der Religion aber eine gewisse soziale Nützlichkeit zugesprochen. 
Radikaler ging dagegen Abbé Jean Meslier vor, der zwar ein Kirchenmann war, aber offensichtlich eine immer größere Distanz zum Glauben aufgebaut hat. In seinen Schriften, die am Anfang (auch) nur anonym erscheinen konnten, griff er das System von Adel und Klerus offen an und brandmarkte es als Ausbeutungssystem. Die Religion war für Meslier eine Manipulation, um dieses System zu tarnen. Damit leitete er schon zur eigentlichen Aufklärung über. Die Schriften Mesliers zirkulierten zunächst nur in wenigen Abschriften und wurden erst 1761 durch Voltaire veröffentlicht, wobei dieser aber viele Passagen wegließ und so das Gesamtwerk abschwächte.

Die Aufklärer stellten tradierte Dogmen generell in Frage, besannen sich auf das Individuum und seine Freiheiten und wollten die Welt so betrachten, wie sie sei. Das führte nicht bei allen Denkern zum Atheismus, aber doch sehr oft zum Deismus. Es wurde sozusagen eine Verstandesreligion vertreten und man dachte, dass eine Art Gott zwar existiere, aber nicht in den Lauf der Welt eingreife. Voltaire gilt als ein Vertreter dieses Deismus', wobei er in einigen Schriften sehr antiklerikalistisch zu Felde zog.
Daneben gab es aber auch radikale Atheisten. In Übersichtsdarstellungen über die Aufklärungszeit wird manchmal behauptet, der Atheismus sei nur eine Randerscheinung gewesen. Das ist nicht richtig, auch wenn nur ein Teil der Philosophen atheistisch waren. Zu den berühmten Atheisten der Aufklärung gehören LaMettrie, d'Holbach (deutschstämmig) und Helvetius (eigentlich: Schweizer), bei Enzyklopädisten wie Diderot und d'Alembert und gewissermaßen auch bei de Sade. De Sade wird aber von einigen Philosophiehistorikern als "rechter Aufklärer" gedeutet, weil er das Schwinden religiöser Autorität als Stärkung der Natur im Sinne eines Rechts des Stärkeren deutete.
Besonders der Arzt LaMettrie galt als "Ur-Atheist" der Aufklärung. Besonders berühmt ist seine Schrift "L'homme machine" (Der Mensch als Maschine), in der er einen biologisch-materialistischen Atheismus entwickelte, aber es liegen von ihm viel mehr Schriften vor, die auch die Psychologie des Religiösen analysieren. LaMettrie sah sich durchaus als Epikureer und verstand dies im atomistisch-materialistischen Sinne wie im hedonistischen Sinne. Sichtbar wird dies besonders in seiner Schrift "Sur le Bonheur", die knackiger auch als "Anti-Seneca" bekannt ist.
LaMettrie legte sich aber nicht nur mit der Religion und Kirche an, sondern auch mit Vertretern seiner eigenen Ärztezunft.
Bei vielen Menschen, im Lager des Christentums wie auch im eigenen religionskritischen Lager war er verhasst. Sein Sinn für Meinungsfreiheit zwang ihn zu einem Leben im Exil, das ihn nach einer Zwischenstation in den Niederlanden an den Hof Friedrichs II. von Preußen führte. Doch selbst dort konnte er einige Schriften nicht oder nur heimlich (z. B. als Vorwort getarnt) veröffentlichen. Als LaMettrie dann bei Hofe den "Pastetentod" starb, sagten Lästerzungen, der Hedonist habe sich überfressen. Aber auch ein Giftmord ist denkbar.
Bei einigen Atheisten zeigten sich aber auch - ähnlich wie schon bei der griechischen Sophistik - negative Seiten atheistisch-aufgeklärter Denkansätze. Durch das Wegerklären der Götter wollen einige Philosophen den Weg freimachen für einen radikalen Naturalismus und das Recht des Stärkeren. 
Schon bei den antiken Sophisten, deren Denken ja auch aufklärerische Züge hatten, sah man diese Entwicklungen. Die von manchen heute so genannte "linke Sophistik" wollte den Menschen aufklären, von Vorurteilen befreien und Standesunterschiede einebnen.
Die "rechte Sophistik" sah dagegen das Schwinden der religiösen Tradition und menschlicher Konvention als Startschuss für ein rücksichtsloses Ausleben menschlichen Egoismus' und menschlicher Impulsivität, was dann als der Natur (physis) gemäßes Leben verklärt wurde.
Bei einigen Aufklärern kann man ähnlich negative Auswirkungen wie bei den antiken Sophisten sehen:
  • sexuellen Ausschweifungen, auch mit Minderjährigen: de Sade
  • Sozialdarwinismus: de Bonald - eigentlich ein Reaktionär, der aber die aufklärerischen Tendenzen als gegeben ansah und deshalb eine Machtphilosophie vertrat
  • Rassismus: z. B. Kant; auch Hegel, wenn man ihn aus Aufklärer sehen will (Idealist)
  • Kolonialismus: wenn sich Europäer oder europäischstämmige Siedler für geistig-kulturell überlegen halten, dann kann das zu gewaltsamen Eroberungen, Vertreibungen oder gar zum Völkermord führen
  • Ökonomismus: ein weiterer Kritikpunkt ist, dass eine ent-mythologisierte Welt einer fast totalen Dominanz des ökonomischen Denkens Tür und Tor öffnet, wie sie Horkheimer und Adorno in der "Dialektik der Aufklärung" noch zur Mitte des 20. Jhd. beschrieben haben.

Mit den Gedanken der Aufklärung war sozusagen "der Geist aus der Flasche gelassen", obwohl das Sprachbild auf den Atheismus nicht so ganz passt.

Als Gegenbewegung gegen die Französische Revolution, die auch auf die Philosophie der Aufklärung zurückgeführt wurde, kam es zu Restaurationsversuchen der alten Ordnung.
Dies gelang aber nur teilweise und oft nur auf Zeit.

Im frühen 19. Jahrhundert führte außerdem die kulturelle Epoche der Romantik zu einer Rückbesinnung auf das Mittelalter und auf das Mystische.

Doch der Damm war bereits gebrochen und es folgten viele offen atheistische Publikationen. Es gab allerdings nach wie vor auch Sanktionen gegen Atheisten.

Ludwig Feuerbach vertrat einen atheistischen Materialismus, der v. a. auf psychologischen Faktoren aufgebaut war, Karl Marx - in Anlehnung und Abgrenzung zu Feuerbach einen, der auf sozioökonomischen Faktoren beruhte.

Nietzsche ging die manipulativen Faktoren der Religion an und arbeitete sich dabei sowohl an Gottvorstellungen als auch an Moralvorstellungen ab. Letzteres galt besonders für das Christentum.
Die Vorstellung eines Gottes betrachtete Nietzsche nämlich schon instinktiv als "faustgrobe Antwort" (und als "viel zu extreme Hypothese").
Die Moralvorstellungen des Christentums betrachtete er aufgrund seiner oft zur Demut aufrufenden Grundsätze als Sklavenmoral.
Für ihn war klar, dass ein Herrschaftsmechanismus daraus bestünde, dass die Herrschenden den Beherrschten einredeten, dass schwache Faktoren wie Mitmenschlichkeit, Demut und Bescheidenheit ein hohes Gut seien, während sie selber nach entgegengesetzten Prinzipien lebten, nämlich der Herrenmoral. 

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich viele atheistische Vorstellungen entlang bereits vorherrschender Strömungen der Zeit. 

Sigmund Freud begründete die Psychoanalyse und deutete die Religion tiefenpsychologisch. Er sah in religiösen Vorstellungen die Umlenkung basaler menschlicher Triebe. Er wirkte im späten 19. und frühen 20. Jhd.
Die Tiefenpsychologie brachte somit teilweise atheistische Gedanken hervor, aber nicht ausschließlich. Der heterodoxe ehemalige Freud-Schüler C. G. Jung ließ sich in seiner Analytischen Psychologie stark von religiösen Vorstellungen leiten.
Später versuchten sich einige Anhänger der Frankfurter Schule in einer Synthese aus Psychoanalyse und Marxismus, dem sogenannten Freudomarxismus.

Der Marxismus und später der Neomarxistisch setzten viele Stränge der atheistischen Theoriebildung fort. Trotzdem fanden auch einige Marxisten zurück zur Religion, z. B. die Theologie der Befreiung.
In staatssozialistischen Ländern wie der Sowjetunion wurde die Kirche anfangs massiv unterdrückt. Später brauchte man sie aber wieder, um die patriotischen "Abwehrkräfte" zu stärken. Dies sieht man z. B. an Stalins Politik im Zweiten Weltkrieg.
In der Volksrepublik China gab es immer wieder massive Verfolgungen religiöser Menschen. Dazwischen gab es aber auch Phasen relativer Liberalität.
In späteren Jahren der Sowjetunion förderte man zwar den Atheismus, ließ die (orthodoxe) Kirche aber am Leben. Oft wurden deren Oberhäupter unter Kontrolle des KGB eingesetzt.

Der Existenzialismus, der von Gedanken Kierkegaards, Heideggers und Jaspers ausgeht, aber kein einheitliches Lehrgebäude darstellt, brachte auch atheistische Strömungen hervor. 
Dazu sind die existenzialistischen Ausläufer der Prägung von Sartre und Camus zu rechnen. Bei diesen Autoren finden sich neben Existenzialismus auch wenigstens temporäre Flirts mit dem Marxismus.

Weitere Beiträge zur Religionskritik kommen von der analytischen Philosophie, speziell der Wiener Schule um Karl Popper, Rudolf Carnap und Hans Albert. 
Carnap ist besonders dadurch aufgefallen, dass er begonnen hat, die logischen "Vorarbeiten" von Gottlob Frege, Bertrand Russell und Alfred North Whitehead für erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fragestellungen aufzubereiten.
Allerdings ist hier umstritten, ob man sie zum Atheismus rechnen kann. Viele Vertreter betrachten metaphysische Aussagen nämlich nicht als falsch, sondern als sinnlos. Außerdem wandten sich einige analytische Philosophen im Alter wieder der Religion zu.

Nach 2000 erhielt der atheistische Diskurs neue Nahrung. Dafür sind mehrere Gründe ausschlaggebend. Einmal haben die Natur- und v. a. Biowissenschaften neue Erkenntnisse zu Tage gefördert, von denen sich viele Atheisten bestätigt fühlten. Zweitens haben die vielen "religiösen Revivals", besonders des Islam, zu einer atheistischen Gegenbewegung geführt. Drittens hat auch die bis dahin erfolgte weite Verbreitung digitaler Medien zu einem starken Auftreten der Atheisten geführt.
Man sprach bisweilen vom "Neuen Atheismus", obwohl die Bezeichnung "neu" immer relativ und nur bedingt aussagekräftig ist. Dieser Atheismus trat v. a. in angelsächsischen Ländern auf, aber nicht nur dort. Ein wichtiger Vertreter ist dort Richard Dawkins. In Frankreich wird Michel Onfray in diese Richtung eingeordnet, der als Kind unter religiösen Erziehern zu leiden hatte, seit ungefähr 2010 aber eine philosophische Rechtswende macht, bei der abzuwarten bleibt, wie diese seine Einstellung zur Religion beeinflussen wird. In Deutschland gilt Michael Schmidt-Salomon als führender Atheist.

Wie jede Bewegung zog auch diese entsprechend Kritik nach sich. Man warf ihren Vertretern Biologismus, Rigorismus, missionarischen Eifer und andere Dinge vor. 
 
Rückendeckung gibt dagegen Victor Stenger:  "Der US-amerikanische Physiker Victor Stenger ist der Auffassung, dass für die Gotteshypothese nicht nur empirische Belege fehlen, sondern dass sich auch die oftmals Göttern zugeschriebenen Eigenschaften anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse anfechten lassen. So seien die Schöpfung von Lebewesen durch die Evolutionstheorie, Körper-Seele-Dualismus und Unsterblichkeit durch Neurologie, die Wirkung von Gebeten durch Doppelblindstudien, die Schöpfung des Universums durch thermodynamische sowie quantenphysikalische Überlegungen und göttliche Offenbarungen durch die Geschichtswissenschaft widerlegt worden. Das Universum verhalte sich genau so, wie es in Abwesenheit eines Gottes zu erwarten sei." (zit. n. Wikipedia; 08.14).

Eine andere Richtung nimmt das Konzept "Atheismus 2.0" von Alain de Botton ein. Er hält zwar den Atheismus erkenntnistheoretisch für richtig, sieht aber einige religiöse Rituale als durchaus positiv an. Aus diesem grund verzichtet er auch auf einen missionarischen Radikal-Atheismus.


QUELLEN und LITERATUR:

Wikipedia
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Minois, George: Geschichte des Atheismus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart;
Weimar 2000 (Hermann Böhlaus Nachfahren)
Sandvoss, Ernst: Geschichte der Philosophie: 2001
Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie; 1999