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Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik und Realienkunde hervorgegangen und hat sich in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt.
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Freitag, 29. Juli 2016

KURT TUCHOLSKY

Kurt Tucholsky in Paris, 1928


* 09.01.1890 in Berlin
+ 21.12.1935 in Göteborg

Kurt Tucholsky wurde 1890 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er zeigte früh Interesse für die Schriftstellerei.
Tucholskys Problem war, dass die Ehe seiner Eltern zerrüttet war und er dann den Launen seiner frustrierten Mutter ausgeliefert war. So war er hin- und hergerissen zwischen Pflichten und dem Nachgeben gegenüber seiner blühenden Phantasie. 
1909 beginnt Tucholsky ein Jurastudium in Berlin und Genf. Doch die Formalismen dieses Studiums machten ihn nicht glücklich.
Parallel dazu schrieb er nämlich verschiedene Texte, u. a. 1911 Beiträge und Gedichte für den "Vorwärts" (SPD-Parteizeitung) und engagierte sich für den Wahlkampf. 1912 erschien sein Kurzroman "Rheinsberg - Ein Bilderbuch für Verliebte".
1911 traf er in Prag Max Brod und Franz Kafka, der selber Jurist werden sollte, aber die schönen Künste viel mehr schätzte. 
1913 wird er Literatur- und Theaterkritiker für "Die Schaubühne" (später: "Die Weltbühne").
Tucholsky zeigte so an vielen Stellen seinen Sinn für das Kreative, aber auch für politisches Engagement. Schon früh sah man, dass er mit der Geisteshaltung des wilhelminischen Deutschlands nicht einverstanden war.

1914 erschien eine Sammlung von Grotesken in "Der Zeitsparer". Im selben Jahr brach der (Erste) Weltkrieg aus. Sein Jurastudium konnte Tucholsky erfolgreich abschließen. Seine Anfang 1914 eingereichte Dissertation wurde zunächst abgelehn, im November bestand er dann doch cum laude. Erst im Mai 1915 wurde ihm nach Erfüllung etlicher Formalitäten die Promotionsurkunde überreicht.
Danach entging Tucholsky der Einberufung zum Heer nicht mehr. Anders als viele Künstler ließ er sich aber von der anfänglichen Kriegsbegeisterung nicht anstecken. Er konnte aber ab November 1916 an der Feldzeitung "Der Flieger" mitarbeiten. Ansonsten hatte er in einer Artillerie-Fliegerschule zu tun und erledigte andere Verwaltungsarbeiten. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau Mary Gerold kennen.
Nach Kriegsende wird Tucholsky 1918 Chefredakteur der Zeitschrift "Ulk". Schon 1907 ist dort seine erste journalistische Arbeit entstanden (nämlich eine Kritik am Kunstgeschmack des Kaisers).

1920 heiratete Tucholsky Else Weil und wurde Mitglied der USPD. Er engagierte sich weiterhin gegen Militarismus und für die Arbeiterbewegung. Nach dem Weltkrieg musste er wie viele sehen, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Tucholsky fühlte sich wieder zerrissen zwischen dem Zwang, Geld zu verdienen und eine bürgerliche Existenz aufzubauen und dem Drang nach Kreativität.
1923 wurde er Volontär und Privatsekretär in einem Berliner Bankhaus.
Aber schon 1924 wurde er Korrespondent der "Weltbühne" und der "Vossischen Zeitung" und konnte in Paris leben. Über den Journalismus schien die Kombination zwischen Broterwerb und freigeistigem Leben am besten zu funktionieren. Tucholsky benutzte bei seiner Arbeit mehrere Pseudonyme, wie Kasper Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.
Das Privatleben von Tucholsky blieb aber weiterhin chaotisch: Er ließ sich 1924 von Else Weil scheiden und heiratete Mary Gerold.
1926 machte die journalistische Karriere von Tucholsky wieder einen Sprung - aber nur für kurze Zeit: Tucholsky wird Herausgeber der "Weltbühne", allerdings nur für einige Monate. Sein Nachfolger wird dann Carl von Ossietzky.
In der Folgezeit widmete sich Tucholsky dafür anderen publizistischen Arbeiten: 1927 erschien sein Reisebericht "Ein Pyrenäenbuch", 1928 der Sammelband "Mit 5 PS". 1929 erschien seine berühmte Satire "Deutschland, Deutschland über alles. Ein Bilderbuch von Kurt Tucholsky und vielen Fotographen. Montiert von John Heartfield".

Tucholsky nahm die zunehmende Zuspitzung der politischen Verhältnisse in seiner Heimat mit großer Sorge wahr. So ging er schon 1929 - also vor der Machtübernahme der Nazis - nach Schweden ins Exil.
1933 ließ sich Kurt Tucholsky von Mary Gerold scheiden. In Deutschland wurden nach der Machtübernahme der Nazis seine Bücher verbrannt. Er wird aus Deutschland ausgebürgert.
Die Nazis sahen in der Bücherverbrennung eine notwendige Aktion, Deutschland vor "undeutschen" und bes. jüdischen Elementen zu "reinigen". Tucholsky sah das anders: Er sah die Gefahr nicht in der Verjudung Deutschlands, sondern in der Verdeutschung der Juden in Deutschland!
Die seien zu loyal gegenüber dem System eingestellt. Und die Weigerung vieler Juden in der Folgezeit, die drohende Gefahr anzuerkennen, schien ihm Recht zu geben.
Für Tucholsky selbst schien es aber keinen Ausweg mehr zu geben: Er war depressiv ob der Entwicklung in Deutschland und Europa, aber auch ob seines eigenen chaotischen Privatlebens. Am 21.12. starb er in Hindas in Schweden an einer Schlafmittelvergiftung. Es war aller Wahrscheinlich nach Selbstmord!













Montag, 18. Juli 2016

HERAKLIT

* ca. 550 in Ephesos
+ ca. 480

Heraklit war ein griechischer Philosoph. Er wird in die Vorsokratik eingeordnet.Wegen seines schwer verständlichen Denkgebäudes wurde er schon in der Antike "der Dunkle" (ὁ Σκοτεινός/ho Skoteinós) genannt.

Heraklit setzte der statischen Seinsauffassung der Eleaten (eleatische Philosophie) das dynamische (aber vernunftbegabte) Feuer als Prinzip des Seienden entgegen. Das Feuer galt für ihn als Inbegriff steter Wandelbarkeit. Diese Wandelbarkeit schließe aber eine vernunftgemäße Weltordnung nicht aus.
Für Heraklit formten diese Gegensätze ein (spannungsgeladenes) Ganzes.
Heraklit untersuchte solche Gegensätze wie Tag und Nacht, Wachsein und Schlafen und Eintracht und Zwietracht. 

Ebenso dunkel wie die Lehre des Heraklits sind seine biographischen Daten. Einige sind uns über Diogenes Laertius und diverse Fragmente bekannt.
Heraklit soll sein Werk im Artemistempel von Ephesus hinterlegt haben. Um diesen ranken sich auch einige Anekdoten aus Heraklits Leben. So soll er es während eines Spiels mit Jungen im Ephesustempel abgelehnt haben, zu einem anderen Treffen zu gehen, in dem es um die Gesetzgebung in der Stadt ging. Die Beschäftigung mit Kindern erschien ihm sinnvoller!


Von Heraklits Lehre sind nur kurze Sätze erhalten und auch diese nur als Zitate von späteren Autoren. Diese enthalten häufig Wortspiele und Aphorismen.
Neben seiner nicht klar ausgeformten Lehre, weswegen er schon in der Antike "der Dunkle" genannt wurde erschwert die lückenhafte Überlieferung seine Rezeption.
Seine Grundthese von der Veränderlichkeit der Dinge wurde in mehreren Sätzen ausgedrückt:

Alles fließt. - Panta rhei. (griech.) - Cuncta fluunt. [latinisiert]
→ Dieses berühmte Zitat ist mglw. falsch zugeschrieben (vgl. Aristoteles).
Der Krieg ist der Vater aller Dinge.
Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen.


QUELLEN/LITERATUR:

Diels, Hermann/Walther Kranz (Hgg.): Die Fragmente der Vorsokratiker. Bd. I; Hildesheim 2004 (vgl. Auflage 1951)
[Originaltext mit gelegentlicher Übersetzung]
Snell, Bruno (Hg.): Heraklit. Fragmente; Düsseldorf 2007
[Originaltext mit Übersetzung]


Freitag, 15. Juli 2016

MORD UND TOTSCHLAG IN HOLLYWOOD



Diese Seite beschäftigt sich mit Geschichte, aber davon abgeleitet auch mit historischer Kriminalistik. Da wir auch ein Faible für Hollywood und die Filmindustrie haben, stellten wir fest, dass die Fäden bei den Themen Hollywood und Verbrechen oft zusammenlaufen.
Warum ist das so?

Hollywood stellt Verbrechen nicht nur auf der Bühne bzw. dem Bildschirm dar, sondern begeht sie auch hinter selbigen. Das geschieht zwar überall, aber in Hollywood besonders intensiv, weil dort viele eskalierende Faktoren wirken: Geld, Ruhmsucht, massiver Drogenhandel, Konkurrenz vieler um wenige gute Plätze.

Einige "gute" Beispiele wären:

- Mord an Lana Clarkson (2003)
  [Phil-Spector-Fall]
- Mord an Phil Hartman durch seine Ehefrau (1998)
  [ein US-Komiker wird durch seine Ehefrau im Schlafzimmer ermordet]
- Mord an JohnBenét Ramsey (1996)
  [verdächtigt: Mutter oder Eltern]
- Mord an Nicole Simpson und Ron Goldman (1994)
  [verdächtigt: O. J. Simpson] 
- Mord an Pornoproduzent Artie Mitchell (1991)
  [Mord durch seinen eigenen Bruder nach Streit um Geld, Einfluss und Drogen]
- Mord an Roy Radin (1983)
  [in die Falle gelockt, im Auto entführt, getötet, von Coyoten zerfressen]
- Tod von Natalie Wood (Nov. 1981)
  [nach einem Streit mit Ehemann Robert Wagner; Ursachen unklar]
- Wonderland-Morde (1981)
  [Morde im Drogenmilieu]
- Mord an John Lennon (1980)
  [Mord durch ehem. Gegner und dann enttäuschten Anhänger Mark Chapman]
- Mord an Bob Crane (1978)
  [Mord wohl durch Schlag mit Kamerastativ, nach Streit um Frauen und Pornofilme]
- Morde der Manson Family. (ca. 1969)
  [Mordserie der Gang um Charles Manson, viele Opfer aus dem Hollywood-Milieu]
- Tod von William Stanciu (1960)
  [Freund von Beverly Aadland, der Ex-Freundin von Errol Flynn; Tod nach Streit]
- Mord an Elizabeth Short (1947)
  [sog. Black-Dahlia-Mord]

Es gibt noch viele andere Fälle. Nicht jedes Mal ist die Mordabsicht so sichtbar. In einigen verschwanden Leute, wurden angeblich mit einem Einbrecher verwechselt und getötet oder beim Waffenreinigen erschossen.


POKÉMON GO

Das Logo von Pokémon GO (TM).


Pokémon GO (japanisch: ポケモン ゴー) ist ein Mobiles Spiel ("Mobile Game") für tragbare Computer ("Handhelds").
Pokémon Go ist ein Location-based Game, das "reelle" und virtuelle Realität kombiniert. Pokémon Go handelt also nicht nur in der Spielrealität, sondern setzt auf der Realität der natürlichen (materiellen) Umgebung auf. Man spricht von Augmented Reality und einem Augmented Reality Game (gemeint ist eine erweiterte Realität im Gegensatz/Unterschied zur Virtual Reality).
Auf diese Weise kann der Spieler in Pokémon Go sich beim Spielen in seiner richtigen Welt bewegen, jagt aber virtuellen Monstern hinterher. Das Spiel ist vom Prinzip her quasi eine Weiterentwicklung des traditionellen Spieles Schnitzeljagd.
Funktionieren kann so eine Monsterjagd technisch, indem man durch Mobilfunkortung und GPS die Standortdaten des Spielers ermittelt und diese Positionierung mit dem Kartenmaterial von Google Maps kombiniert.
In dieses an die reelle Welt angepasste Kartenmaterial projiziert das Spiel dann seine virtuellen Spielfiguren.
Die genauere Gestaltung der Spielwelt erfolgt durch Nutzung von reellen (materiellen, natürlichen) Landmarken, Wahrzeichen und auffälligen Objekten. Als Hilfsmittel bei der Jagd dienen z. B. Poké Balls. 

Pokemon Go stammt von Nintendo und seinem Teilunternehmen The Pokémon Company, wurde aber in der konkreten Ausführung von Niantic Labs entwickelt. Das Spiel erschien im Juli 2016, zunächst für Android und dann für iOS.
Das Spiel ist free-to-play und finanzierte sich zum Anfang über In-App-Käufe.




Samstag, 9. Juli 2016

BROTHERHOOD OF ETERNAL LOVE (DROGENGANGS)

Crime-Pool

Die "Brotherhood of Eternal Love" (BEL; Bruderschaft der Ewigen Liebe) war eine Bezeichnung für eine Gruppe von Hippies und Kleinkriminellen, die im Namen der sozialen Bewegungen im Kalifornien der 60er-Jahre begannen, aus ihren Kommunen heraus einen Drogenhandel zu errichten, der sich dann in kurzer Zeit zu einem grossen Wirtschaftsimperium auswuchs. Man sprach auch von der "Hippie-Mafia".
Die Gang hatte ihren Schwerpunkt in Orange County in Kalifornien.

Die Bruderschaft begann als kleine Gruppe von Drogenkonsumenten, die nach Bewusstseinserweiterung trachteten. Viele waren auch in konventionelle kriminelle Aktivitäten wie Diebstahl oder Einbruch involviert.
Ab ca. 1969 (oder früher?) begann die Gruppe, auch Drogen zu produzieren. Unter ihrem charismatischen Anführer John Griggs spezialisierte sich die BEL auf die Produktion von LSD und den Import von Haschisch. Ihre "Spezialität" war die LSD-Sorte Orange Sunshine.
Die Gruppe gab anfangs vor, idealistische Motive zu verfolgen und eine psychedelische Gesellschaft zu schaffen, was ganz im Geist der Zeit war. Einer ihrer Gurus war Timothy Leary, der damals als Drogenpapst galt und sogar die Unterstützung einiger Geschäftsleute hatte. Die Gruppe zog dadurch allerdings die Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden auf sich.

Timothy Leary mit dem Anführer der BEL, John Griggs

Leary war in den 60er-Jahren schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, wurde 1969 aber aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichts wieder freigelassen. Einige Gesetze und Bestimmungen der Regierung wurden für verfassungswidrig erklärt. Leary, der sich glücklich schätzen konnte, einer langjährigen Freiheitsstrafe entkommen zu sein, wurde jedoch erneut mit Drogen aufgegriffen und im Juni 1970 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Bereits im September gelang ihm durch eine Aktion der Untergrundgruppe "Weathermen" die spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis. Die Brotherhood of Eternal Love leistete dabei Hilfestellung. Sie hat die Befreiungsaktion vor allem finanziell unterstützt, angeblich mit 25.000 $.
Leary floh nach Algerien, wo er weitere Radikale traf und dann in die Schweiz, wo er nicht ausgeliefert wurde. Später floh er über Wien nach Afghanistan, wo er 1973 schliesslich doch festgesetzt werden konnte und in die USA ausgeliefert wurde. Bis 1976 blieb er in Haft.
Die Brotherhood of Eternal Love existierte in ihrer alten Form da bereits nicht mehr. Im Jahre 1972 zog sich nach intensiver Fahndung des FBI die Schlinge zu: In einem Grosseinsatz der Sicherheitsbehörden wurde die Gruppe weitgehend zerschlagen. Mitglieder der Gruppe wurden in Kalifornien, Oregon und Maui verhaftet.
Die Presse berichtete damals ausführlich über diesen Coup. Die Los Angeles Times schrieb von einer "Multimillionen-Dollar-Untergrundorganisation".
Im Gefängnis zeigte sich, dass die Brüderlichkeit der BEL nicht grenzenlos war. Viele Mitglieder der Gruppe sagten gegen ihre Komplizen aus, um Hafterleichterungen zu bekommen. Auch ihr Guru Leary tat das.
Es konnte aber nie ganz geklärt werden, ob Fraktionen der Gruppe nicht weiter im Drogengeschäft arbeiteten. Ausserdem konnten die genauen Vertriebswege der Gruppe, die sich nach Art von Hippie Trails um die halbe Welt zogen, nie ganz aufgeklärt werden. Möglicherweise wurden damals Handelswege für den modernen Drogenhandel der kommenden Jahrzehnte errichtet.
Einige Mitglieder wurden erst in den 90er-Jahren und sogar 2009 verhaftet.

Stewart Tendler/David May: Brotherhood of Eternal Love.
From Flower Power to Hippie Mafia - the Story of the LSD Counter Culture (1984/2007)



Nicholas Schou: Orange Sunshine.
The Brotherhood of the Eternal Love and its Quest to Spread Peace Love and Acid to the World (2010)


QUELLEN/LITERATUR:

Wikipedia
Russisches Roulette (Timothy Leary, Geldgeber und die BEL)
Erowid.org: The Brotherhood of Eternal Love (Tendler/May)
Brian Flanagan: The Weather Underground; 2012
Rudd, Mark: Underground. My Life with SDS and the Weathermen; New York 2009 (S. 225-227)Schou, Nicholas: Orange Sunshine. The Brotherhood of Eternal Love and Its Quest to Spread Peace, Love and Acid to the World; 2010
Tendler, Stewart/David May: Brotherhood of Eternal Love. From Flower Power to Hippie Mafia - The Story of the LSD Counterculture; London 1984 (2007)
-
Der Spiegel: Russisches Roulette (Drogen); 23.09.1974
(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41674129.html)