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Dienstag, 17. Juni 2025

GASTBEITRAG VON EPHOROS:

16./17.06.2025 (ca.) 

Angela Merkel – Deutschlands schlechteste Bundeskanzlerin

Eine kritische Analyse von Angela Merkels Kanzlerschaft im historischen Vergleich



Kriegstreiberei: Merkels Haltung zum Irakkrieg 2003

Angela Merkel fiel bereits vor ihrer Kanzlerschaft durch außenpolitischen Opportunismus auf. Während Gerhard Schröder 2002/03 standhaft blieb und die Bundesrepublik aus dem völkerrechtswidrigen Irakkrieg herausgehalten hat, suchte Merkel den Schulterschluss mit Washington. Im Februar 2003 reiste sie als CDU-Oppositionsführerin nach Washington und stellte sich demonstrativ hinter George W. Bushs Kriegskurs, anstatt die Haltung der eigenen Regierung zu unterstützen.[1][2] In einem Gastbeitrag für die Washington Post erklärte sie zynisch, Schröder spreche „nicht für alle Deutschen“, womit sie indirekt deutsche Beteiligung am US-Feldzug in Aussicht stellte.[2] Dieser Krieg basierte erwiesenermaßen auf Lügen (Stichwort Massenvernichtungswaffen im Irak) und verstieß gegen das Völkerrecht – doch Merkel signalisierte früh ihre Bereitschaft, Deutschland dennoch hineinzuziehen.[2] Damit diskreditierte sie sich als verantwortungslose Kriegstreiberin, noch bevor sie überhaupt im Amt war. Schröder hingegen bewahrte Deutschland vor diesem Abenteuer – ein gravierender Unterschied, der Merkel schon an diesem Punkt als ungeeignet erscheinen lässt.

Merkels Haltung von 2003 zeigt einen grundlegenden Charakterzug ihrer Kanzlerschaft: Prinzipienlosigkeit zugunsten vermeintlicher Vorteile. Sie stellte parteipolitische und persönliche Kalküle („bei Bush Punkte sammeln“) über die Verantwortung, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Tatsächlich war Merkel nach Amtsantritt auch eng mit Bush befreundet und leistete Wiederaufbauhilfe im Irak, was Schröder verweigert hatte.[1][3] Dieser frühzeitige Eifer, sich an einem illegalen Angriffskrieg zu beteiligen, ist beispiellos unter deutschen Kanzlern der Nachkriegszeit. Selbst Kanzler wie Kohl oder Schmidt, die enge transatlantische Beziehungen pflegten, haben nie in vergleichbarer Weise deutsche Interessen einer fragwürdigen US-Kriegspolitik untergeordnet. Merkels voreilige Parteinahme für Bush gegen die Mehrheitsmeinung der Deutschen – die den Irakkrieg massiv ablehnten – offenbarte ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Wählerwillen. Ein so gravierendes Fehlurteil in einer Frage von Krieg und Frieden legt den Grundstein für ihr fragwürdiges Vermächtnis.

Soziale Kälte: Versagen in Renten- und Sozialpolitik

Während ihrer 16 Jahre an der Macht hat Merkel im Bereich Sozialpolitik keinerlei Verbesserungen für die Schwächsten erreicht – im Gegenteil, die Lage vieler Rentner und Geringverdiener hat sich verschlimmert. Dabei hätte eine so lange Amtszeit genügend Gelegenheit geboten, mutige Reformen anzugehen. Doch Merkel fehlte jeder Ehrgeiz in der Alterssicherung, obwohl sich die Warnsignale häuften. Rentnerarmut stieg in ihrer Ära drastisch an: Schon 2012 lebten rund 400.000 Rentnerinnen und Rentner auf Grundsicherung vom Staat, doppelt so viele wie 2005.[4] Heute müssen Hunderttausende Ältere zur Tafel und Pfandflaschen sammeln, um über die Runden zu kommen.[5] Dieses Bild – Rentnerinnen, die in Mülleimern nach Pfand suchen – ist zum Sinnbild von Merkels sozialer Kälte geworden.[6]

Statt gegenzusteuern, ignorierte Merkel das Problem jahrelang. Im internationalen Vergleich ist Deutschlands Rentenniveau blamabel: In kulturverwandten Nachbarländern wie den Niederlanden, Dänemark oder Österreich bekommen Senioren deutlich mehr. In den Niederlanden erhält jeder Bürger im Rentenalter eine steuerfinanzierte Grundrente von ~1200 €, unabhängig von früheren Einzahlungen. Dänemark zahlt mit der Folkepension sogar rund 2000 € pro Person aus.[7] Österreichs Rentner beziehen im Schnitt ca. 1480 € im Monat, während es in Deutschland nur etwa 1050 € sind – und in Österreich wird 14-mal jährlich ausgezahlt, wodurch der Vorsprung noch größer ist.[8] Deutschland als angebliche Wirtschaftsmacht lässt dagegen viele Menschen nach 45 Beitragsjahren mit 600–800 € Monatsrente abgespeist zurück. Das Ergebnis: Massenhafte Altersarmut in einem der reichsten Länder der Welt.[9][10] Merkel unternahm rein gar nichts, um diese Schieflage zu korrigieren – keine armutsfeste Mindestrente, keine größeren Rentenreformen. Im Gegenteil, sie verwaltete nur das von Schröders Agenda 2010 angerichtete Elend weiter und ließ den Sinkflug des Rentenniveaus ungebremst, trotz voller Kassen in den 2010er Jahren.

Charakteristisch ist auch, mit wem Merkel sich bevorzugt umgab: nicht mit den Tafeln, Sozialverbänden oder Armutsbetroffenen, sondern mit den Wirtschafts-Eliten. Legendär (und skandalös) ist ihr enger Draht zu Josef Ackermann, dem damaligen Deutsche-Bank-Chef. Statt mit Armutsrentnern zu sprechen, lud Merkel 2008 rund 30 Top-Manager zu einem exklusiven Dinner ins Kanzleramt – offiziell zu Ackermanns 60. Geburtstag.[11] Dieses „Geburtstagsessen“ auf Staatskosten wurde als Kungelei zwischen Regierung und Großbankern scharf kritisiert.[12] Merkel wies die Kritik arrogant zurück, was ihr völliges Unverständnis für die soziale Ungerechtigkeit zeigt. Während also die Kanzlerin mit Bankern Champagner trank, mussten immer mehr Rentner zur Suppenküche. Diese Abgehobenheit und Kaltherzigkeit Merkels gegenüber den einfachen Leuten macht sie in den Augen vieler zum Inbegriff einer unsozialen Kanzlerin. Frühere Kanzler – etwa Helmut Schmidt mit seiner bodenständigen Art oder Willy Brandt mit „mehr Demokratie wagen“ – zeigten zumindest Empathie für die kleine Leute. Merkel hingegen wird zur Symbolfigur eines Jahrzehnts, in dem Reiche reicher und Arme ärmer wurden,[13] ohne dass sie politisch gegengesteuert hätte.

Zickzack-Kurs in der Energiepolitik: Atomkraft

Merkels fehlende Prinzipienfestigkeit zeigte sich drastisch in der Atompolitik, wo sie einen beispiellosen Zickzack-Kurs fuhr. Anfangs verlängerte sie die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke – 2010 kassierte ihre schwarz-gelbe Koalition den rot-grünen Atomausstiegsplan und gab den AKWs etliche zusätzliche Betriebsjahre. Merkel galt als Verfechterin der Atomenergie und wollte die Reaktoren noch bis in die 2030er laufen lassen. Doch dann kam im März 2011 die Fukushima-Katastrophe in Japan – und Merkel vollzog binnen weniger Tage die 180-Grad-Wende. Panisch ordnete sie ein sofortiges „Moratorium“ für die ältesten Meiler an und verkündete kurz darauf den vollständigen Atomausstieg bis 2022.[14] Dieser radikale Schwenk wurde selbst von CDU-Parteifreunden als „kopflos“ und rein wahltaktisch kritisiert.[15] Tatsächlich hatte Merkel wenige Monate zuvor das genaue Gegenteil beschlossen[16] – eine „bemerkenswerte Kehrtwende“ nannte es der Guardian, die keinem inneren Erkenntnisprozess entsprang, sondern offenkundig dem öffentlichen Druck geschuldet war.[14] Massendemonstrationen und eine bevorstehende Landtagswahl im grün bewegten Baden-Württemberg (die ihre CDU prompt verlor) ließen Merkel kalte Füße bekommen. Anstatt jedoch geradlinig zur früheren rot-grünen Ausstiegsvereinbarung zu stehen, überholte sie plötzlich alle und setzte einen noch schnelleren Ausstieg durch, nur um das Heft des Handelns nicht zu verlieren.

Diese Populismus-getriebene Hektik hat dem Land enorm geschadet. Investorenvertrauen ging verloren, die Energieversorger klagten erfolgreich auf hohe Entschädigungen wegen der plötzlichen Kehrtwende. Die Bürger waren zu Recht verwirrt: Zuerst erklärte Merkel die Atomkraft zur unverzichtbaren „Brückentechnologie“, dann über Nacht zur Teufelstechnologie. Ein solches Zickzack ohne Linie hat es in diesem Ausmaß unter keinem Vorgänger gegeben. Helmut Kohl etwa hatte trotz wechselnder Umstände an seinem Atomausstieg nach 30 Jahren Laufzeit festgehalten; Schröder hat den Ausstieg planvoll eingeleitet. Merkel hingegen wirkte orientierungslos und nur auf den eigenen Machterhalt bedacht: Hauptsache, sie konnte dem momentanen Meinungswind folgen, um „smooth durch die nächste Wahl“ zu kommen – wie es spöttisch hieß. Diese Beliebigkeit untergrub das Vertrauen in die Verlässlichkeit deutscher Energiepolitik. Statt langfristiger Strategie gab es bei Merkel nur Aktionismus nach Kassenlage bzw. Umfragelage. In einem so kritischen Bereich wie der Energieversorgung ist diese Führungsschwäche besonders fatal. Merkels „Atommoratorium“ 2011 mag kurzfristig ihren Kopf gerettet haben; langfristig offenbarte es aber, dass sie keine Überzeugungen hatte, sondern nur Machttaktik.

Komiker-Nation: Beschneidungsdebatte 2012 und Kinderrechte

Ein weiteres dunkles Kapitel von Merkels Kanzlerschaft ist ihr Umgang mit der Beschneidungsdebatte 2012. Als ein deutsches Gericht (Landgericht Köln) im Juni 2012 urteilte, die rituelle Beschneidung minderjähriger Jungen ohne medizinische Indikation stelle eine Körperverletzung dar, entbrannte eine heftige Diskussion über Religionsfreiheit versus Kindeswohl. Eigentlich eine Gelegenheit für eine sachliche ethische Debatte, in der es um Grundrechte von wehrlosen Kindern ging. Doch Merkel reagierte erneut rein machtpolitisch: Sie stellte sich umgehend und ohne jedes Mitgefühl auf die Seite der religiösen Lobbygruppen (insbesondere Vertreter jüdischer und muslimischer Verbände), die lautstark protestierten. Ihr einziges öffentlich bekanntes Statement in dieser Debatte fiel dann auch bemerkenswert kaltschnäuzig aus: „Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land der Welt ist, in dem Juden ihre Riten nicht ausüben können. Wir machen uns ja sonst zur Komikernation.“.[17] Diese Äußerung, intern vor dem CDU-Bundesvorstand getätigt und an die Presse durchgestochen, ist beschämend. Merkel sorgte sich nicht um das körperliche und seelische Leid von Jungen, die ohne ihre Einwilligung einen schmerzhaften und lebenslang entstellenden Eingriff über sich ergehen lassen müssen. Nein – sie sorgte sich allen Ernstes darum, dass Deutschland international als „Komikernation“ (lächerliche Nation) dastehen könnte, falls es das Beschneidungsverbot bestätigen würde.[18] Mit anderen Worten: Das Ansehen bei religiösen Hardlinern war ihr wichtiger als die Unversehrtheit von Kindern.

Folgerichtig hat Merkel dann im Bundestag persönlich für das umstrittene Beschneidungsgesetz gestimmt, das im Dezember 2012 verabschiedet wurde. Dieses Gesetz – von ihrer Regierung eingebracht – erlaubte die religiös motivierte Jungenbeschneidung praktisch uneingeschränkt, sofern „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ vorgegangen wird.[19] Keine Altersgrenze, keine verpflichtende Aufklärung der Eltern über Risiken, nichts dergleichen. Ein alternativer fraktionsübergreifender Antrag, der zumindest eine Mindestaltersgrenze von 14 Jahren für nicht-medizinische Beschneidungen vorgesehen hätte, scheiterte deutlich (nur 91 Stimmen fanden sich dafür, 462 dagegen).[20] Ebenso lehnte die Merkel-Mehrheit mehrere Änderungsanträge ab, die etwa eine ausführlichere Beratung der Eltern oder andere Einschränkungen gefordert hatten.[21] Merkel persönlich drückte das maximal großzügige Gesetz durch, sehr zur Freude der konservativ-religiösen Lobby – und zum Entsetzen von Kinderschutzorganisationen weltweit. Die Botschaft war klar: Tradition vor Kinderrecht, Symbolpolitik vor Ethik.

Damit verpasste Deutschland unter Merkel die Chance, ein deutliches Zeichen gegen unnötige Gewalt an Schutzbefohlenen zu setzen. Andere liberale Demokratien (Schweden, Dänemark etc.) diskutieren längst Altersgrenzen oder Verbote der Kinderbeschneidung. Merkel jedoch wollte „Ruhe im Karton“ und handelte nach dem Prinzip: Nur keine konservative Minderheit vor den Kopf stoßen, egal wie berechtigt die Kritik an der Praxis ist. Ihr Spruch von der „Komikernation“ offenbart eine zynische Geringschätzung für humanitäre Prinzipien – aus Angst, ein Verbot könne als witzig oder skurril erscheinen, ließ sie lieber schwere körperliche Eingriffe an Babys weiterhin zu. Kein Kanzler vor ihr hat eine so armselige Figur gemacht in einer ethischen Grundsatzfrage. Helmut Schmidt etwa bewies in den 1970ern Mut, als er gegen starken Widerstand die Strafrechtsreform mittrug – er argumentierte sachlich und moralisch. Merkel hingegen feixte über die Möglichkeit, Deutschland könne als moralische Instanz belächelt werden, und knickte ein. Dies war charakterlich schwach und eines führenden Amtes unwürdig.

2015: Merkels Kontrollverlust in der Flüchtlingskrise und Aufstieg der AfD

Untrennbar mit Merkels Vermächtnis verbunden ist das Jahr 2015, als ihre Fehlentscheidungen in der Migrationspolitik tiefe Spuren hinterließen. Im Spätsommer jenes Jahres spitzte sich die Lage an der europäischen Südgrenze zu: Hunderttausende Kriegsflüchtlinge und Migranten, vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan, zogen Richtung Zentraleuropa. Merkel entschied am 4. September 2015, die deutschen Grenzen offen zu lassen, statt – wie andere EU-Staaten – die Dublin-Regeln strikt anzuwenden und die Menschen an der EU-Außengrenze registrieren zu lassen. Konkret bedeutete das: Tausende, die in Ungarn festsaßen, durften ohne Kontrolle über Österreich nach Deutschland einreisen. Merkel rief der Nation und der Welt ein optimistisches „Wir schaffen das!“ zu. Anfangs fand dieser Kurs viel Beifall – Deutschland erschien humanitär vorbildlich. Doch Merkel hatte keinen Plan, wie die langfristige Unterbringung, Integration und Sicherung der Grenzen organisiert werden sollte. Es kam, wie es kommen musste: Über eine Million Menschen strömten 2015/16 ins Land,[22] die Behörden waren heillos überfordert, in vielen Kommunen kippte die Stimmung. Merkel selbst musste einräumen, dass man zeitweise „nicht genügend Kontrolle“ an der Grenze gehabt habe[23] – ein erstaunliches Eingeständnis des Staatsversagens, das in dieser Form beispiellos für einen deutschen Nachkriegskanzler ist.

Merkel inszenierte sich zwar medienwirksam – man erinnere sich an die berühmten Selfies mit Neuankömmlingen –, doch diese Bilder wirkten wie ein Signal in die Welt: „Kommt nur, Deutschland heißt euch willkommen.“ Dass deutsche Kommunen, Schulen und Sozialsysteme vielerorts nicht auf einen derartigen Ansturm vorbereitet waren, kümmerte die Kanzlerin wenig. Ohne breite Abstimmung mit Nachbarstaaten oder den eigenen Bürgern traf sie die folgenreichste Entscheidung ihrer Amtszeit im Alleingang. Innenpolitisch hatte dies verheerende Konsequenzen: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung fühlte sich übergangen und verunsichert. Im Gefolge der unkontrollierten Zuwanderung schoss die rechtspopulistische AfD von unter 5 % auf über 20 % – bis heute zehrt sie von dem Anti-Merkel-Stimmungskapital, das damals entstanden ist.[24] Merkels Satz „Wir schaffen das“ wurde von ihren Gegnern sarkastisch umgewandelt in „Ihr schafft das Land ab“. Sie hat mit ihrer naiven Öffnungspolitik der extremen Rechten den größten Auftrieb seit den 1950er Jahren verschafft. Inzwischen ist die AfD in vielen Landtagen und im Bundestag die größte Oppositionspartei – ein Albtraum-Szenario, das ohne Merkels Fehler 2015 so nicht eingetreten wäre.

Man muss festhalten: Flüchtlingspolitik erfordert Augenmaß und Konsensbildung. Andere Länder wie Australien oder Kanada kombinieren Humanität mit konsequenter Kontrolle – spontane Masseneinreisen ohne Papiere erlauben sie nicht. Merkel hingegen verursachte einen Kontrollverlust, der Europa jahrelang entzweit hat. Selbst 2016/17, als klar wurde, dass „Wir schaffen das“ so nicht aufgeht, blieb Merkel stur und lehnte eine Kurskorrektur ab. Erst der Druck der EU-Partner (Türkei-Deal, Schließung der Balkanroute) beruhigte die Lage etwas – aber da war der politische Flurschaden längst angerichtet. Diese Episode zeigt Merkels Regierungsstil in Reinform: Aktionismus ohne Weitsicht, regieren per Bauchgefühl, Symbolpolitik statt Strategie. Kein Kanzler vor ihr hat innenpolitisch derart die Büchse der Pandora geöffnet. Konrad Adenauer bewahrte das Land in Krisenzeiten vor Radikalisierung; selbst Helmut Kohl hielt trotz Asylkompromiss und Einheitsstress den rechten Rand klein. Merkel hingegen hat es geschafft, die lange marginale extreme Rechte salonfähig zu machen – indirekt, aber vorhersehbar. Sollte in einigen Jahren tatsächlich einmal eine AfD-Kanzlerin (z.B. Alice Weidel) oder ein Rechtsextremer (Björn Höcke) ins höchste Amt gelangen, wird Merkels 2015er Entscheidung im historischen Rückblick als Auslöser ausgemacht werden. Dieser Kollateralschaden ihrer gutgemeinten, aber schlecht gemachten Flüchtlingspolitik trägt erheblich zu ihrem negativen Gesamturteil bei.

Geopolitisches Fehlmanagement: Russische Gas-Abhängigkeit und China-Politik

Merkels Bilanz ist auch in der Außen- und Wirtschaftspolitik verheerend kurzsichtig. Zwei Beispiele stechen hervor: die Energieabhängigkeit von Russland und die China-Strategie.

1. Russland und Energie: Merkel hat Deutschland in eine gefährliche Abhängigkeit von Putins Russland manövriert. Trotz aller Warnungen (insbesondere osteuropäischer Nachbarn) hielt sie eisern an Pipeline-Projekten wie Nord Stream 2 fest und förderte den Import von immer mehr russischem Gas. Sogar nach der Krim-Annexion 2014 ließ ihre Regierung noch deutsche Gasspeicher an Gazprom verkaufen – ein strategischer Fehler ersten Ranges.[25] Grüne Politiker werfen Merkel zu Recht vor, sie habe die Risiken gekannt und bewusst ignoriert, entgegen ihrem Amtseid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.[26] Heute wissen wir: Diese Ignoranz hat Russland ermutigt und Deutschland erpressbar gemacht. Merkel wusste um die Gefahr, aber sie schwieg Kritik aus der CDU und der EU weg und wiegelte Bedenken ab („Wir machen uns unter keinen Umständen abhängig“, so ihre abwiegelnden Worte 2018). Faktisch hat sie aber genau das getan: Deutschland zunehmend abhängig von russischer Energie gemacht – was Putin als Werkzeug nutzte. Früheren Kanzlern wäre so ein sicherheitspolitisches Versagen kaum passiert. Helmut Schmidt diversifizierte die Energieversorgung nach den Ölkrisen, Kohl trieb den europäischen Energiebinnenmarkt voran. Merkel hingegen verließ sich blind auf einen Autokraten – ein verhängnisvoller Kurzschluss, dessen Folgen (Explosion der Gaspreise 2022, Versorgungsunsicherheit) nach ihrem Abgang die Bürger ausbaden mussten. Das Krisenmanagement der Ampel-Regierung 2022/23 (Notkäufe, LNG-Terminals) wurde dringend nötig, weil Merkel uns in diese Lage gebracht hatte.

2. China-Politik: Ähnlich kurzfristig-profitgetrieben gestaltete sich Merkels Umgang mit China. Sie setzte voll auf „Wandel durch Handel“ – die Idee, man müsse nur immer mehr Geschäfte mit der kommunistischen Diktatur machen, dann werde diese sich schon liberalisieren. Diese Strategie gilt heute als krachend gescheitert. Merkel und ihre Regierungen priorisierten über Jahre Exportsummen über Menschenrechte, sie hofierten Pekings Machthaber, um der deutschen Industrie Absatzmärkte zu sichern.[27] Tatsächlich wurden aber deutsche Schlüsselindustrien angreifbar: China kaufte unter Merkel etwa den Robotik-Weltmarktführer KUKA auf, eignete sich deutsches Know-how an und schwingt sich nun selbst zum High-Tech-Konkurrenten auf. Warnungen vor dieser Entwicklung schlug Merkel in den Wind. Deutsche Konzerne wie VW, BASF oder Siemens investierten massiv in China – Merkel applaudierte, obwohl z.B. VW in Xinjiang (wo Uiguren in Lagern interniert sind) ein Werk betreibt.[28] Ihr fehlte der Mut, Peking klare Grenzen zu setzen, etwa beim 5G-Ausbau (Stichwort Huawei-Beteiligung) oder bei Sanktionen wegen Hongkong und Xinjiang. Noch 2020 drängte Merkel im EU-Rahmen auf ein Investitionsabkommen mit China, das einseitig den deutschen Autokonzernen nützen sollte – während gleichzeitig Chinas Regierung Hongkonger Demokratiebewegte unterdrückte und Taiwan militärisch bedrohte.[29] Moralische Werte oder langfristige Strategien zählten bei Merkel in Bezug auf China wenig; kurzsichtige Geschäfte gingen vor.[30] Dieses „blinde Vertrauen ins freie Spiel der Märkte“ gegenüber einer Diktatur hat Deutschland und Europa in eine schwache Position manövriert. Heute ist klar: Peking hat sich nicht durch Handel gewandelt, sondern ist aggressiver denn je. Der deutsche „Wandel durch Handel“-Ansatz war naiv, ja zynisch, weil er vom Wandel gar nicht ernsthaft ausging.[30] Merkel hat wertvolle Jahre vertan, in denen man China hätte eindämmen können, und stattdessen Deutschlands Wirtschaft in riskante Abhängigkeiten verstrickt. Ihr Nachfolger Olaf Scholz musste die schmerzhafte Zeitenwende nachholen, die Merkel verschlafen hat.

In beiden Fällen – Russland und China – zeigt sich ein Muster: Merkel setzte auf kurzfristigen Vorteil (billiges Gas, Exportgewinne), ignorierte mahnende Stimmen und verzichtete auf eine wertebasierte, langfristig kluge Außenpolitik. Die Quittung folgte prompt: Russland führte Krieg und drehte den Gashahn zu; China zeigt sich als systemischer Rivale, der Europas Einheit gefährdet. Merkel hinterlässt hier ein außenpolitisches Trümmerfeld. Kanzler wie Adenauer oder Brandt kombinierten wirtschaftliche Interessen stets mit klarer Westbindung bzw. Entspannungspolitik – also einer übergeordneten Strategie. Merkel hingegen taumelte opportunistisch zwischen Moskau, Peking und Washington hin und her, ohne Kompass. Dass sie von US-Präsident Obama einst als „Leader of the Free World“ geadelt wurde, erscheint im Rückblick ironisch: In Wahrheit fehlte Merkel jegliche visionäre Führungsstärke auf der Weltbühne. Sie agierte zögerlich, reaktiv und oft falsch einschätzend. So hat sie Deutschlands internationale Position langfristig geschwächt.

Fazit: Schlechteste Kanzlerin aller Zeiten

Angela Merkel mag lange Zeit beliebt gewesen sein, doch die Bilanz ihrer 16-jährigen Kanzlerschaft fällt nüchtern betrachtet desaströs aus. Die oben genannten Beispiele – und es ließen sich noch mehr finden – zeigen ein Muster aus Zaudern, Fehlentscheidungen und Prinzipienlosigkeit, das kein anderer Bundeskanzler in dieser Dichte aufweist. Zum Abschluss lohnt ein kurzer Blick auf ihre Vorgänger, um das Urteil einzuordnen:

  • Konrad Adenauer (CDU, 1949–63) – Trotz umstrittener Aspekte legte er den Grundstein für Deutschlands Westbindung, NATO-Mitgliedschaft und Wirtschaftswunder. Er bewahrte das Land vor dem Abdriften in Ostblock-Abhängigkeit. Positive Vision: Westintegration, Versöhnung mit Frankreich. Merkel dagegen hinterließ ein zutiefst gespaltenes Europa (Eurokrise, Flüchtlingskrise) und erhöhte Abhängigkeiten von Autokraten.

  • Willy Brandt (SPD, 1969–74) – Leitete die Ostpolitik ein, entspannte den Kalten Krieg, bekam den Friedensnobelpreis. Innenpolitisch Reformen (mehr Demokratie, Sozialstaat-Ausbau). Moralisches Format: Kniefall von Warschau. Merkel hingegen erntete nie vergleichbare Achtung – sie fuhr keinen einzigen echten Reformkurs und vermied mutige Gesten.

  • Helmut Schmidt (SPD, 1974–82) – Bewältigte Ölkrise und Terrorismus der RAF mit kühlem Kopf. Genießt bis heute den Ruf eines tatkräftigen Krisenmanagers. Merkel zeigte in Krisen dagegen oft Zaudern oder Alleingänge ohne Plan. Schmidt stärkte zudem die Sozialsysteme moderat; Merkel ließ sie erodieren.

  • Helmut Kohl (CDU, 1982–98) – Längster Kanzler neben Merkel. Architekt der Deutschen Einheit und Mitgestalter der EU (Maastricht-Vertrag). Hatte historische Weitsicht, trotz Fehlern (Spendenaffäre). Merkel fehlen vergleichbare Verdienste völlig.

  • Gerhard Schröder (SPD, 1998–2005) – Umstritten wegen Hartz-IV-Reformen, aber immerhin modernisierte er Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Vor allem aber bewahrte Schröder Deutschland 2003 vor dem Irakkrieg – eine mutige Entscheidung gegen einen US-Präsidenten, die international Respekt einbrachte.[2] Merkel hätte hier das Land ins Chaos eines völkerrechtswidrigen Krieges geführt. Schröders Nähe zu Putin kann man kritisieren; doch Merkel setzte Putin politisch sogar weniger Grenzen (Nord Stream 2) als Schröder, der zumindest einen Gaskompromiss (Nord Stream 1) in friedlicheren Zeiten abschloss.

Die anderen schwachen Kanzler neben Merkel, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger, waren beide nicht lange im Amt (jeweils nur etwa drei Jahre). Erhard hat als Wirtschaftsminister sicher ein großes Vermächtnis, aber als Bundeskanzler blieben beide unbedeutend und konnten zumindest keinen so großen Schaden anrichten wie Angela Merkel in ihren 16 Jahren. Ihr Nachfolger Olaf Scholz war weitgehend damit beschäftigt, die hier erörterten, von Merkel begangenen Fehler auszubügeln und den Stillstand in wichtigen Politikfeldern zu überwinden.

Natürlich gab es auch unter den anderen Kanzlern Fehler und Skandale. Doch keiner vereint so viele verschiedene Felder des Misserfolgs auf sich wie Merkel: Außenpolitik (Iraq-Fehlgriff, Russland, China), Innenpolitik (Sozialabbau, Rentnerarmut), Gesellschaftspolitik (körperliche Unversehrtheit von Kindern, Spaltung durch Migrationskurs) und Energie/Umwelt (Atom- und Klimapolitik-Zickzack) – überall hinterlässt sie Scherben. Ihre Amtszeit wirkt im Rückblick wie eine Phase des politischen Stillstands in guten Zeiten und des Krisenmanagements per Kurzschluss in schlechten Zeiten. Visionen oder nachhaltige Verbesserungen blieben aus.

Angela Merkel war sicherlich eine geschickte Taktiererin, die sich lange an der Macht halten konnte. Doch genau diese Taktiererei ohne Prinzipien ist ihr Vermächtnis: Sie hat 16 Jahre lang Probleme ausgesessen, Fehlentwicklungen zugelassen oder verschlimmert und dem Land am Ende einen hohen Preis hinterlassen – sei es in Form einer erstarkten extremen Rechten, eines angeknacksten Sozialsystems oder strategischer Abhängigkeiten. In der Summe der Versäumnisse ist Merkel daher – so hart es klingt – die schlechteste Kanzlerin, die die Bundesrepublik Deutschland je hatte. Ihre Regierungszeit wird künftig als Warnung dienen, wie eine Politikerin ohne klare Werteorientierung ein Land zwar durch ruhige Fahrwasser schippern kann, dabei aber die gefährlichen Riffe übersieht, an denen das Schiff letztlich leckschlägt. Merkel hat Deutschland politisch wie gesellschaftlich einen Bumerang mit auf den Weg gegeben, dessen volle Wucht erst nach ihrem Abgang spürbar wurde. Das macht ihr Erbe so negativ und einzigartig unter den Kanzlern der BRD.

Quellen: Die Argumente und Fakten stützen sich auf eine Vielzahl von Presseberichten, Analysen und zeitgenössischen Quellen. Beispielsweise dokumentiert Der Spiegel Merkels Unterstützung für Bushs Irakkrieg[1], und die World Socialist Web Site bezeichnet diesen als völkerrechtswidrig und von Merkel explizit gutgeheißen[2]. Zur Sozialpolitik liefern ZDF heute und RND Zahlen, die den eklatanten Rückstand deutscher Renten gegenüber Dänemark und Österreich belegen.[7][8] Die Süddeutsche Zeitung und Euronews berichten eindrücklich über steigende Altersarmut und Tafelnutzung im Merkeldeutschland.[4][5] Merkels umstrittenes Dinner mit Ackermann im Kanzleramt ist durch Spiegel und Tagesspiegel belegt.[11] Der panische Atomkurswechsel 2011 wird im Guardian als kopfloser U-Turn beschrieben.[14] Merkels „Komikernation“-Zitat zur Beschneidung verbreitete die Welt[18] und Focus[17]; der Gesetzgebungsverlauf ist im Bundestagsarchiv dokumentiert[20]. Ihre Flüchtlingspolitik rechtfertigte Merkel selbst in der Welt am Sonntag rückblickend, gestand aber Kontrollverlust und den AfD-Aufstieg ein.[31] Zur Russland- und Chinapolitik kritisieren u.a. ZDF und Foreign Policy ihr Versagen: Grüne Politiker attestieren ihr das bewusste Ignorieren von Gas-Abhängigkeitsrisiken[26], und Experten nennen China gar Merkels „größtes Scheitern“ – sie habe kurzfristige Profite über Werte gestellt[29][30]. All diese Quellen untermauern das Gesamtbild einer Kanzlerin, deren Mangel an strategischer Weitsicht und Mut zu echten Verbesserungen sie zur schlechtesten Amtsinhaberin der bundesdeutschen Geschichte machen.





[1] The World from Berlin: Merkel, Texas, and Beyond - DER SPIEGEL
https://www.spiegel.de/international/the-world-from-berlin-merkel-texas-and-beyond-a-394866.html

[2], [3] Merkel’s farewell visit to Washington - World Socialist Web Site
https://www.wsws.org/en/articles/2021/07/17/merk-j17.html

[4], [6], [13] Situation von Rentnern - Wie alt ist die Armut? - Wirtschaft - SZ.de
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gutachten-zur-finanziellen-situation-von-rentnern-wie-alt-ist-die-armut-1.1553433

[5] Deutschland: deutlicher Anstieg bei Tafel-Kunden | Euronews
https://de.euronews.com/2019/09/19/deutschland-deutlicher-anstieg-bei-tafel-kunden

[7] Rente ab 70: Dänemark setzt in Europa neues Hoch für Rentenalter
https://www.zdfheute.de/politik/ausland/rente-daenemark-renteneintrittsalter-siebzig-100.html

[8] Österreich: Rente im Durchschnitt 400 Euro höher als in Deutschland
https://www.rnd.de/politik/oesterreich-rente-im-durchschnitt-400-euro-hoeher-als-in-deutschland-MTFNS2G7MFESLNE7C6ZPFMN7G4.html

[9], [10] Increased risk of poverty for German retirees - World Socialist Web Site
https://www.wsws.org/en/articles/2012/01/germ-j03.html

[11], [12] Gerichtsentscheid: Merkel muss Gästeliste von Ackermann-Dinner offenlegen - DER SPIEGEL
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gerichtsentscheid-merkel-muss-gaesteliste-von-ackermann-dinner-offenlegen-a-755745.html

[14], [15], [16] Germany to shut all nuclear reactors | Germany | The Guardian
https://www.theguardian.com/world/2011/may/30/germany-to-shut-nuclear-reactors

[17] „Wir machen uns zur Komikernation“: Merkel will Beschneidungen billigen - FOCUS online
https://www.focus.de/politik/deutschland/merkel-will-beschneidungen-billigen-wir-machen-uns-zur-komikernation_id_2078691.html

[18] Beschneidung: Merkel – „Wir machen uns zur Komikernation“ - WELT
https://www.welt.de/politik/deutschland/article108304605/Merkel-Wir-machen-uns-zur-Komikernation.html

[19], [20], [21] Deutscher Bundestag - Beschneidung von Jungen jetzt gesetzlich geregelt
https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2012/42042381_kw50_de_beschneidung-210238

[22], [23], [24], [31] Angela Merkel defends open border migration policy – POLITICO
https://www.politico.eu/article/angela-merkel-defends-open-border-migration-refugee-policy-germany/

[25], [26] Grüne kritisieren Angela Merkel wegen Umgang mit russischem Gas
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/gruene-merkel-kritik-gas-russland-100.html

[27], [28], [30] Germany’s China Policy of ‘Change Through Trade’ Has Failed | Royal United Services Institute
https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/germanys-china-policy-change-through-trade-has-failed

[29] Merkel Picked Fictional Profits Over Real Values in China Deals
https://foreignpolicy.com/2020/09/15/china-merkel-trade-germany-failure-covid-19/

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Sonntag, 28. April 2024

EXKURSION 1994: BERLIN

Direkt nach den Sommerferien des Jahres 1994 fanden an unserer Schule Exkursionen statt. Die konnten nach Berlin, Rom oder Paris gehen.
Die Anhänger mediterraner Lebenskultur oder romanischer Sprachen waren klar gegen Berlin eingestellt. Die Anhänger der Politik des eigenen Landes für Berlin, denn Berlin sollte (aus damaliger Sicht) bald die Hauptstadt des vereinten Deutschlands werden.
Dementsprechend waren die Bauarbeiten in vollem Gange und die Stadt im Wandel.
(Trotz Berliner Schlendrian.)

Am Morgen des 12.09,94, um 5:52 Uhr, begann die Fahrt mit der Bahn.
Eine Zeit, in der "in anderen Staaten Hinrichtungen durchgeführt werden". Die Fahrtzeit dauerte gut 6 Stunden, weil der Zug noch in Saarbrücken, Dortmund, Brunsbüttel und Magdeburg Zwischenstops einlegte.

Die Herberge selber und ihre Zimmer waren nicht allzu luxuriös. Sie lag in Kreuzberg.
Schon am Eingang empfing uns eine seltsame Neonschrift, die einige vermuten ließ, ob wir nicht in Hamburg-St. Pauli gelandet seien.
Wenn man sich die mittelmäßig aufgeräumten Zimmer ansah und dann die Badezimmer betrachtete, so wirkten die Rohre doch etwas Margot-Honecker-mäßig.
An den Wänden hingen einige politische Plakate, z. B. das abwertende Zitat Albert Einsteins über Männer, die im Gleichschritt marschieren und nicht mehr als ein Stammhirn bräuchten.
Auch einige Jugendgruppen brachten seltsame Zitate. Eine Schülerin sagte: "Also, ich gehe mich duschen, Jungs!"
Verließ man einmal die Herberge, konnte es sein, dass man auf eine Schlägerei traf und jemand dem anderen einen Korkenzieher in den Arm rammte.

Panorama des Alexanderplatzes

Das Programm wurde von einem Geschichtslehrer arrangiert, sein Assistent war Student der Stadtplanung. Das Programm war relativ stramm.
Schon am ersten Tag (Mo) wurde der Alexanderplatz ("Alex") mit der Linie 100 besichtigt. Bald konnte man auch Kontakt mit Hütchenspielern aufnehmen.
Das berühmt-berüchtigte Olympiastadion konnten wir am Nachmittag aber nicht besichtigen, weil die Schließer schon um 15:45 Uhr dicht machten, obwohl das Stadion bis 16:00 Uhr geöffnet war.

Pergamonaltar

Am Dienstag waren wir im Nicolai-Viertel, im Reichstag und auf dem Prenzlauer Berg.
Danach waren wir im Pergamon-Museum und die Aufseher waren ähnlich gut gelaunt wie im Olympiastadion (Stasi?).

Kahnfahrt durch den Spreewald (Quelle: Pixabay; herbert2512)


Am Mittwoch stand eine Bootsfahrt durch den Spreewald auf dem Plan. Die Gegend war sehr schön, die Laune des Bootsführers ähnlich der im Olympiastadion und im Pergamon-Museum.

Bendlerblock (Südfassade am Landwehrkanal, Reichpietschufer; Wiki)


Am Donnerstag stand als Mammutpgrogramm "Berlin und der Nationalsozialismus" auf dem Plan.
Die Programmpunkte waren:
  • Plötzensee
  • Bendlerblock
  • Dauerausstellung "Topographie des Terrors" im Martin-Gropius-Bau
  • Haus der Wannseekonferenz
Leider gab es hier Theater. Der Lehrer war nicht einverstanden mit der Protesthaltung einiger Schüler gegen das straffe Programm.
So etwas ist schwer zu bewerten: Sicher darf man bei so etwas Kritik anbringen, aber man sollte sie klar artikulieren und nicht herumlaunen oder gar aus Trotz Seifenblasen blasen.
Das Hauptproblem war aber, dass der Lehrer willkürlich sich Opfer heraussuchte, um sie anzumachen. So traf es auch die, die sich gar nicht beschwert hatten.
Außerdem ließ er das Nachmittagsprogramm ausfallen, damit man stattdessen beraten kann, wie es weitergehen solle, war dann aber voller Anerkennung, als einige doch zum Wannsee kamen.
Fazit: Organisatoren müssen klar mitteilen, ob ein Termin ausfällg oder nicht!

Schloss Sanssouci im Jahre 2008, dem Jahr, in dem wir es wieder besuchen sollten
(die "Historische Mühle" ist links etwas separiert zu sehen)

Am Freitag wurde Schloss Sanssouci in Potsdam besucht. Die Laune war wieder etwas besser und man konnte einiges über das alte Preußen lernen. Auch viele bildungsaffina Japaner waren zu sehen.
Neben einheimischen Baustilen und der berühmten Windmühle, die ein Bauer angeblich nicht abreißen lassen wollte und wegen der er gegen Friedrich II. vor Gericht zog, sah man auch herrliche Chinoiserien.

Der Samstag stand dann schließlich zur freien Verfügung der Exkursionsteilnehmer.
Dann ging es nach Hause. Dort wartete erst das Wochenende und dann das beginnende Schuljahr auf einen. Und es war die Zeit, in der sich PCs in Privathaushalten langsam durchsetzten. Das waren v. a. 486er- und Pentium-I-Rechner, die pro Stück 4000 - 5000 DM kosteten. Aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar.




Montag, 12. Februar 2024

MAURO DE MAURO

Mauro De Mauro



* 06.09.1921 in Foggia
+ 16.09.1970 in Palermo (wahrscheinlich, nach Entführung)

Mauro De Mauro war ein italienischer investigativer Journalist. Anfangs sympathisierte er mit dem Faschismus und zwar auf besonders militante Weise. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied er sich dagegen für eine Laufbahn als Journalist bei linken oder linksliberalen Medien.
Dabei deckte er Verbindungen von Politik, Wirtschaft, Sicherheitsapparat und dem organisierten Verbrechen ("Mafia") auf. Dies wurde ihm zum Verhängnis.
Mauro De Mauro verschwand 1970 und wurde wahrscheinlich ermordet.


LEBEN UND BERUF

De Mauro stammte aus einer einflussreichen italienischen Familie und war lange Zeit ein Anhänger des italienischen Faschismus.
Sein Vater Oscar entstammte einer Familie von Ärzten und Pharmazeuten. Seine Mutter Clementina Rispoli war Mathelehrerin. Sein jüngerer Bruder Tullio war Sprachwissenschaftler und 2000/01 Erziehungsminister.

Auch nach der Landung der Alliierten in Italien im Jahre 1943, der vorübergehenden Absetzung Mussolinis im Juli und dem Waffenstillstand im September (Mussolini wurde später von einem deutschen Kommando befreit und in Norditalien wieder eingesetzt) hielt De Mauro am Faschismus fest. Er arbeitete für die radikalfaschistische norditalienische Italienische Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana, RSI) und wirkte dort aktiv bei der blutigen Unterdrückung von Widerständsgruppen mit.
Man vermutet auch, dass daher De Mauros verunstaltete Nase kam. Sie soll von einem politischen Gegner zertrümmert worden sein.
De Mauro wurde im April 1945 in Mailand festgenommen, konnte dann aber mit seiner Familie aus der Toscana nach Neapel fliehen, wo er später wieder festgenommen und vor ein Gericht gestellt wurde. Dort kam er relativ glimpflich davon.

Umso überraschender und irritierender war es für viele Antifaschisten nach 1945, dass De Mauro nun die Seiten wechselte und als linker oder linksliberaler Journalist  zu arbeiten begann.
De Mauro zog 1948 nach Palermo um und arbeitete für diverse Zeitungen wie "Il Tempo di Sicilia" oder "I Mattino di Sicilia". Ab 1959 war er für die überregionale "L'Ora" tätig. Hier konnte er - wenn auch jetzt für die andere Seite - seine Neugier und seine investigativen Fähigkeiten aus der Zeit des Faschismus anwenden. De Mauro entwickelte sich immer mehr zum Aufdecker.

De Mauro konzentrierte sich besonders auf die Aufklärung von Mafiastraftaten und um die Vernetzung der Mafia mit Politik, Wirtschaft und Sicherheitsapparat.


Enrico Mattei (1950)


Besonders zwei Ermittlungsstränge waren sehr heikel:


1. De Mauro untersuchte das Flugzeugunglück, dass den Energiemanager der "Eni", Enrico Mattei, getötet hatte. Mattei gehörte schon im späten Weltkrieg zur "katholischen Opposition" und kritisierte als Manager den starken Einfluss der USA in der Nachkriegszeit und die Rolle Frankreichs im Algerienkrieg. Mattei verhandelte auch mit der Sowjetunion und wollte die Ölländer stärker an den Profiten beteiligen.
Er warnte vor dem Oligopol der "Sieben Schwestern", also Anglo-Iranian Oil Company, Gulf Oil, Shell, Standard Oil of California, Standard Oil of New Jersey (Esso), Standard Oil of New York (Mobil) und Texaco.
Mattei war ein erfolgreicher und machtbewusster Manager, machte sich so aber auch viele Feinde. Er nutzte auch das Mittel der Bestechnung und glaube, Menschen für seine Zwecke instrumentalisieren zu können. Es gibt Aussagen, die auf eine gemeinsame Aktion der Mafia und "einiger Ausländer" hindeuten (Aussage von Gaetano Ianni), möglicherweise französischer Sicherheitsstrukturen. Auch ist es denkbar, dass ranghohe Mitarbeiter Matteis in das Komplott eingeweiht waren.
Wie Matteis Flugzeug verunglückte, ist nicht ganz klar. Es könnte entweder abgeschossen oder sein Höhenmesser manipuliert worden sein. Das Flugzeug flog im Oktober 1962 15 km vor dem Flugplatz Mailand-Linate in den Boden. Neben Mattei kamen der Pilot Irnerio Bertuzzi und der TIME-Journalist William McHale zu Tode.
Der italienische Filmemacher Francesco Rosi bat De Mauro 1970, noch einmal die letzten Tage Matteis für einen geplanten Film zu rekonstruieren. Dabei gelangte De Mauro an eine pikante Tonbandaufnahme, die er genauer auswerten wollte. Dann machte er den Kardinalfehler vieler Investigativen, dass er VOR der Veröffentlichung des Materials darüber sprach und verkündete, das Material würde Italien erschüttern.

2. De Mauro befasste sich in etwa zeitgleich mit dem faschistischen Politiker und ehemaligen Marineoffizier Junio Valerio Borghese. Er kannte Borghese noch aus seiner eigenen Faschistenzeit.
Junio Borghese entstammte einer hochangesehenen italienischen Adelsfamilie. Sein Vater war Diplomat. Er selbst machte Karriere bei der Marine, seit den frühen 1930er-Jahren auch auf U-Booten. Damals hatte das faschistische Italien den Anspruch, wie früher das Römische Reich den ganzen Mittelmeerraum zu beherrschen und stand damit beispielsweise im Gegensatz zu Mächten wie Großbritannien und Frankreich.
Auch in Libyen und Ostafrika hatte man Kolonialgebiete.
Es gibt klare Indizien, dass Borghese mit einflussreichen Gesinnungsgenossen für die Nacht vom 07. auf den 08.12.1970 einen Staatsstreich (Golpe Borghese) geplant hat, der aber aus ungeklärten Gründen kurz vor seiner Umsetzung abgeblasen wurde. Um das "Mindset" dieser Menschen zu verstehen, muss man nicht nur wissen, dass sie aus einer faschistischen Diktatur stammten und nach dem Weltkrieg in den Kategorien des Kalten Krieges dachten, sondern auch, dass damals um 1970 Portugal, Spanien und Griechenland alle Diktaturen waren. Aus Sicht der Putschisten war ihr Vorgehen daher konsequent.
An diesem Staatssteich sollen auch Politiker, Militärs, Geheimdienstler und Mafiosi beteiligt gewesen sein. Der spätere Ministerpräsident Giulio Andreotti war zumindest Mitwisser.
Borghese musste darauf ins franquistische Spanien fliehen und starb dort 1974 unter mysteriösen Umständen. Der ebenfalls nach Spanien geflohene und dann auch in Südamerika tätige Rechtsterrorist Stefano Delle Chiaie wurde von einigen Ermittlern mit Borgheses Tod in Verbindung gebracht. Die Beweislage ist aber dürftig.
Interessant ist auch der Fall der "cinque anarchici delle Baracca" von 1970:
Das waren 5 linke Studenten, die hochbrisantes Material über Verbindungen von staatlichen Stellen und organisierter Kriminalität erworben hatten und dann bei dessen Transport nach Rom von einem Lkw gerammt wurden und den Tod fanden.
Ihre Namen sind: Annelise Borth, Angelo Casile, Franco Scordo, Gianni Aricò und Luigi Lo Celso.
Der Lkw-Fahrer, der den Unfall verursacht hat, arbeitete für eine Firma, die mit Borghese in Verbindung gebracht wurde. Einige Familienmitglieder der 5 Getöteten waren vorher von politischen Polizisten gewarnt worden. Das Material verschwand.



Junio Valerio Borghese (1944, koloriert)


Der erste oder der zweite Punkt oder beide werden als Hauptursache dafür angesehen, dass De Mauro am 16.09.1970 in Sizilien verschwand.
Es gibt aber noch eine dritte Erklärung für sein Verschwinden: De Mauro soll auch noch einen Drogenschmuggel-Ring zwischen Sizilien und den USA aufgedeckt haben.
Seine Leiche wurde nie gefunden (Prinzip der "Lupara bianca", also der weißen Wölfin/Schrotflinte, nach dem die Tat heimlich verläuft und nicht zur Schau gestellt wird).
(Erst) im Jahre 2021 wurde aber eine Leiche in einer Felshöhle am Ätna gefunden, bei der es sich um die De Mauros handeln könnte.

Die Zeitung "L'Ora" bittet 5 Tage nach De Mauros Verschwinden um Hilfe.


Bei der Ermittlung von Motivlage und Tathergang brachten möglicherweise Aussagen des Pentito (reuigen Gangsters) Gaspare Mutolo im Jahre 1994 etwas Licht ins Dunkel.
Er sagte aus, dass De Mauro am besagten Tag (16.09.70) von der Mafia/Cosa Nostra entführt und erdrosselt wurde.
Ähnliche Aussagen machte auch der Pentito Rosario Naimo nach seiner Verhaftung und während einer Gerichtsverhandlung 2011.

Nach Naimos Aussage war der Mafiaboss Salvatore "Toto" Riina der Auftraggeber der Entführung und des Mordes. Das Motiv sei die Berichterstattung De Mauros gewesen. Diese sollte unterbunden und Mauros Quellen erforscht werden.
Die Tat konnte aber laut einem Gericht in Palermo nicht zweifelsfrei Riina zugeordnet werden (2011).
Ein anderer Pentito, Francesco Di Carlo, nannte als Motive De Mauros Ermittlungen und sein Wissen über den geplanten Staatsstreich durch Junio Valerio Borghese.


QUELLEN

Wiki
vivi
-
Ciurzi, Candida: Blood and Fear in Italy;
in: Nancy J. Woodhull/Robert W. Snyder (Hg.): Journalists in peril; New Brunswick (NJ), Transaction Publishers 1998
Popham, Peter: Revealed: how story of Mafia plot to launch coup cost reporter his life; The Independent, 19.06.2005



Samstag, 30. September 2023

DIE TERRORANSCHLÄGE AUF DAS WORLD TRADE CENTER AM 11.09.2001 (KURZ: "9/11")

Die brennenden Zwillingstürme (Twin Towers) des World Trade Centers.
Links steht die Freiheitsstatue.
Wikipedia/National Park Service



Als am 11. September 2001 Flugzeuge in die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers (WTC) und andernorts einschlugen und durch den Einsturz beider Türme fast 3.000 Menschen starben, war das für die Welt ein Schock.
Viele Menschen können sich noch heute erinnern, wo sie am 11.09.2001 waren - ähnlich wie beim Attentat auf John F. Kennedy am 22.11.1963. Wir waren damals auf der Rolltreppe in einem Mannheimer Hochhaus und wunderten uns, dass auf der Etage so viele Leute gebannt auf einen oben angebrachten Monitor starrten. Das Textlaufbahn berichtete, dass die Zwillingstürme des WTC von Flugzeugen getroffen worden waren. Etwas später wurde gemeldet, dass erst ein und dann beide Zwillingstürme eingestürzt sind. Damals gab es noch keine Smartphones. Ein Bekannter von uns war kurz vor dem Anschlag bei einem Außenpraktikum in den USA sogar im World Trade Center.
Erst erschien ein Unfall noch als möglich, aber dann wurde ein Terroranschlag wahrscheinlich. Bald war das sicher.

Früh bildeten sich auch Legenden um diesen Anschlag:
  • Der Anschlag auf das WTC 2001 war nicht der erste. Am 26.02.1993 erfolgte in der Tiefgarage ein Anschlag mit einer Harnstoffnitrat-Bombe mit 6 Toten und hunderten Verletzten.
    Mitglieder dieser Gruppe hatten bereits am 05.11.1990 Meir Kahane, einen rechtsgerichteten US-Israeli, in Manhattan/New York getötet.
  • Im Internet kursierten sogenannte Verschwörungstheorien, dass Regierungskreise der USA den Anschlag selbst inszeniert haben. Dies erscheint aufgrund der Faktenlage als sehr unwahrscheinlich. Was allerdings später ans Licht kam, ist, dass die Regierung verschwieg, dass viele Organisatoren in der Logistik der Anschläge aus Saudi-Arabien kamen, also von einem Verbündeten der USA.
  • Bis heute ist umstritten, wie das Gebäude WTC 7 zum Einsturz kam. Denkbar wäre, dass das Gebäude durch brennende Trümmer der Zwillingstürme in Brand geriet und dann die defekte hausinterne Löschanlage eine Erhitzung der tragenden Gebäudeteile nicht verhindern wollte.

09:03 Uhr: Flug UA 175 ist gerade in das WTC 2 (Südturm) eingeschlagen.
Wikipedia/Robert J. Fisch (CC BY-SA 2.0)

Der Anschlag

WTC-Gelände mit den Einschlagstellen.
Wikipedia/Fred the Oyster

Um 08:46 Uhr flog ein Flugzeug (Flug AA 11) in den Nordturm (WTC 1) des World Trade Centers. Es schlug zwischen dem 93. und dem 99. Stockwerk ein. Das Flugzeug war fast vollgetankt und explodierte laut hörbar. Daraufhin richteten viele Fernsehanstalten ihre Kameras auf das brennende Gebäude.

Diese filmten dann, wie 17 Minuten später um 09:03 Uhr ein zweites Flugzeug (Flug UA 175) in den Südturm (WTC 2) zwischen dem 77. und dem 85. Stockwerk einschlug.

Innerhalb der nächsten anderthalb Stunden stürzten beide Türme ("Twin Towers") ein. Viele Menschen rannten um ihr Leben und wurden von einer Staubwolke und herumfliegenden Trümmern verfolgt.

Dann wurde bekannt, dass zwei weitere Flugzeuge entführt worden waren. Eines (Flug AA 77) traf das Pentagon (Verteidigungsministerium), das andere (Flug UA 93) stürzte auf ein Feld im Bundesstaat Pennsylvania. Es war damit klar, dass es sich um einen Terroranschlag handelte und keinen Unfall.

Man schätzte die Anzahl der Toten zunächst auf über 3.000, später wurde sie auf unter 3.000 korrigiert (wahrscheinlich < 2.800).


Die Flugrouten der 4 entführten Flugzeuge.
Wikipedia/FBI


Die Folgen des Anschlags


Löscharbeiten am WTC 6.
Wikipedia/Mike Goad

Die Anschläge auf das World Trade Center versetzten die USA und die Welt in einen Schockzustand. Unter den knapp 3.000 Toten waren 343 Feuerwehrleute. Fast 200 Leute sind aus den Fenstern in den Tod gesprungen, weil es im Gebäude heiß wurde und die Fluchtwege zerstört waren.

Die Stahlkonstruktion der Zwillingstürme stand in Ruinen und drumherum befanden sich Trümmer und Staub. Die Aufräumarbeiten dauerten ca. 8 Monate.

Sozial ungerecht war, dass die Familien von Feuerwehrleuten viel weniger Schadensersatz erhielten als die Familien von Bankern. Außerdem entwickelten viele Betroffene der Anschäge Krankheiten, die z. B. die Atemwege betrafen. Hier zeigte sich wieder, dass das US-Gesundheitssystem solche Risiken völlig ungenügend abdeckt. Eine Frau, die im Gesicht und an ihrer Businesskleidung völlig verstaubt war und deren Photo als "Dust Lady" um die Erde ging, starb an den Folgekrankheiten aufgrund ihres mangelnden Versicherungsschutzes.
Besonders in Lower Manhattan lag viel giftiger Staub. Man rechnet mit fast 20.000 Kranken als indirekte Folge der Anschläge.



Die Drahtzieher des Anschlags



Sofort nach dem Anschlag schossen Spekulationen ins Kraut, wer hinter der Aktion gesteckt haben könnte. Einige Überlegungen gingen in Richtung Al-Qaida (die Basis). Deren damaliger Anführer, Osama Bin Laden hatte vorher Angriffe auf US-Einrichtungen befohlen. Darunter waren auch Sprengstoffanschläge auf US-Kriegsschiffe mit "harmlosen" zivilen Booten.

Dieses netzwerk wollte den US-Einfluss in islamischen Ländern zurückdrängen.
Ihr Anführer hatte zunächst in den 1980er-Jahren im Afghanistankrieg mit Billigung und Unterstützung der USA gegen die Sowjetunion gekämpft, störte sich aber nach dem Ende des Kalten Krieges und besonders durch den Golfkrieg 1991 an der Truppenpräsenz der USA in der Nahost-Region. Außerdem störte Bin Laden die israelfreundliche Haltung der USA.

Es ist davon auszugehen, dass ungefähr 19 Terroristen die vier Flugzeuge am Morgen des 11. September entführt haben. Vier davon haben sich vorher in US-Flugschulen ausbilden lassen. Den Fluglehrern ist nicht aufgefallen, dass die späteren Attentäter v. a. den Flug und kaum Starten und Landen üben wollten.
Neben diesen "Hauptterroristen" muss es aber ein noch größeres Netzwerk von Unterstützern gegeben haben - sozusagen die Logistik. Erst schrittweise kam durch Untersuchungsausschüsse heraus, dass darunter viele saudi-arabische Staatsbürger waren. Viele führen das darauf zurück, dass Saudi Arabien als Geschäftspartner und z. T. Verbündeter der USA gilt, während später die Länder Afghanistan (2001) und der Irak (2003) angegriffen wurden.

Es wurde auch bekannt, dass die Anschläge zu einem nicht unerheblichen Teil in Hamburg in Norddeutschland geplant worden waren.
Sogar drei der Todespiloten waren Mitglieder der so genannten "Hamburger Terrorzelle", eines deutschen Ablegers von Al-Kaida.
Für die Bundesregierung war dies äußerst peinlich.
Viele Attentäter waren in Hamburg als Studenten eingeschrieben und radikalisierten sich an einer dortigen Moschee. Sie lebten großteils in der Marienstraße 54. Trotz starker Geheimdienststrukturen in Hamburg ließ man das Geschehen offenbar einfach so laufen. Eigentlich war seit Jahren bekannt, dass es in Hamburg Treffpunkte von radikal-religiösen Aktivisten gab.
Sowohl der Verfassungsschutz, der die dortige religiöse Szene offenbar nur oberflächlich überwacht hatte, als auch der Bundesnachrichtendienst, der eine Arabistin mit der Übersetzung abgefangener Kommunikation beauftragt hatte, die aber die Bedeutung des Textinhaltes nicht verstand und ins Wochenende ging, bekamen es mit heftigen Verbalinjurien zu tun.


Das World Trade Center und seine Twin Towers als Wahrzeichen New Yorks

Bis zum Anschlag vom 11. September galten die Zwillingstürme (Twin Towers) als eines der Wahrzeichen New Yorks und prägten seine Skyline.
Sie standen an der Südspitze Manhattans (Stadtteil von NY) und waren das Aushängeschild des World Trade Centers. Das WTC und seine Türme galten jedoch nicht nur als Symbol New Yorks, sondern mithin auch des US-Kapitalismus. Es symbolisierte die wirtschaftliche und finanzielle Macht der USA. Damit war es aber auch auch Angriffsziel von deren Gegnern.

Das World Trade Center war bzw. ist ein riesiger Bürokomplex, der ursprünglich aus 7 Gebäuden bestand. Die Bauzeit betrug 1966 bis 1973. In dem Film "French Connection" (dt. "Brennpunkt Brooklyn") von 1971 ist das gerade im Bau befindliche WTC zu sehen.
Die Zwillingstürme hatten 110 Stockwerke und waren bei ihrer Eröffnung waren sie die höchsten Gebäude der Welt (Nordturm: 417 m; Südturm: 415 m). Die Antenne war noch einmal über 100 m lang.
Auch nach unten dehnte sich das WTC aus. Eine riesengroße Einkaufspassage erstreckte sich über 6 UGs.

Im Gesamtkomplex sollen an die 50.000 Menschen gearbeitet haben. Hier waren viele Unternehmen aus vielen Ländern der Welt vertreten. Dazu kamen noch riesige Ströme an Besuchern. Besonders in den Zwillingstürmen gab es Aussichtsplattformen und Restaurants.

Möglicherweise hat es aber auch Baumängel gegeben. Der Zeitdruck war enorm und die Hitzeschutzkacheln, die das tragende Stahlgerüst schützen sollten, waren möglicherweise nicht überall korrekt aufgesetzt oder haben sich mit der Zeit gelöst und sind nicht richtig gewartet worden.

Die Zwillingstürme waren oft Schauplatz spektakulärer Aktionen: 1974 wurde ein Seil zwischen beiden Türmen gespannt, damit ein Hochseilartist darüber balancieren konnte. 1975 sprang ein Bauarbeiter mit einem Fallschirm vom Nordturm. Auch Gebäudekletterer übten mehrfach an der Außenfassade. Einige kamen sogar bis zum Dach.

In Europa weniger bekannt ist, dass es bereits 1993 einen religiös motivierten Anschlag gegen das WTC gab.
Am 26.02.1993 erfolgte in der Tiefgarage ein Anschlag mit einer Harnstoffnitrat-Bombe mit 6 Toten und hunderten Verletzten. Mindestens einer der Attentäter war schon am 05.09.90 in ein Attentat auf Meir Kahane in Manhatten beteiligt.


Der "Krieg gegen den Terror"

Die USA wollten nach diesem für sie demütigen Angriff sofort zurückschlagen. Sie mussten aber erst die Täterstruktur noch genauer ermitteln.
George W. Bush verkündete einen weltweiten Kampf gegen den Terror ("War against terror").
Bereits am 07.10.2001 wurde Afghanistan von den USA und NATO-Verbündeten angegriffen. Man beschuldigte es, Osama bin Laden, den Chef von Al-Qaida, beherbergt zu haben. Die USA bombardierten das Land erst aus der Luft und griffen dann am Boden mit Hilfe der einheimischen "Nordallianz" an.
Hier gab es wieder moralische Kritik, weil die Nordallianz ein loser Verbund unterschiedlicher Interessengruppen war: Warlords, ehemalige Sozialisten (Dostum), Drogen- und Menschenhändler.

Im Jahre 2003 griffen die USA zusätzlich noch den Irak an. Dies wurde damit begründet, dass Saddam Hussein wahrscheinlich Massenvernichtungswaffen und Verbindungen zur Al Qaida hätte. Beides wurde früh angezweifelt und erwies sich tatsächlich später als falsch.
Es gab auch Streit mit dem NATO-Verbündeten Frankreich, weil französische Offiziere behauptet haben, die USA seien nicht wirklich an einem schnellen Ergreifen Bin Ladens interessiert und würden Hinweise auf seine Aufenthaltsorte liegen lassen, um stattdessen andere Missionen (Agenden) im Land auszuführen.

Erst knapp zehn Jahre nach den Anschlägen, am 02.05.2011 wurde Osama bin Laden bei dem Einsatz einer mit Hubschraubern herangeflogenen US-Spezialeinheit in einem Haus in Pakistan an der afghanischen Grenze getötet und danach im Meer "bestattet".
Seit 2008 war nicht mehr George W. Bush sondern Barack Obama Präsident der USA.

Neben diesen militärischen Maßnahmen wurden die Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten deutlich erhöht. In vielen Ländern traten Gesetze zur Terrorismusbekämpfung in Kraft. Die Rechte von Privatpersonen wurden stark eingeschränkt.
Bei Flügen wurden Körper- und Gepäckkontrollen intensiviert und die Regeln für mitgeführte Gegenstände verschärft (keine Messer, keine waffenähnlichen Gegenstände, keine großen Flüssigkeitsmengen).

Aus der Sicht von Kritikern gehen diese Maßnahmen zu weit. Die an sich gerechtfertigte Terrorabwehr werde immer mehr als Vorwand genutzt, um die Bürger auszuspionieren. Hinzu kommt, dass viele Gesetze am Anfang nur zeitlich begrenzt wirksam sein sollten, jetzt aber schon längst Normalzustand sind.
Gerade in den USA wurden unter Bush die Maßnahmen zum Ausbau des staatlichen Sicherheitsapparates und der Geheimdienste vorangetrieben. Dabei kam es auch zu schweren Menschenrechtsverletzungen bei der Behandlung von Gefangenen (z. B. Guantanamo). Inzwischen haben die USA so viele und so mächtige Geheimdienste, dass diese sich neben dem enormen Verbrauch an Steuergeldern bei ihrer Arbeit gegenseitig auf den Füßen stehen.


Gedenken an die Anschläge

Die Anschläge vom 11. September 2001 (kurz: "9/11") blieben über die Jahre in den Köpfen der Menschen präsent. Es ist klar, dass es viele Gedenkfeiern gab. An der Stelle der eingestürzten Zwillingstürme wurde z. B. das blaue Lichtdenkmal "Tribute in Light" installiert.

Knapp zehn Jahre nach den Anschlägen wurde auf "Ground Zero", dem Gebiet der zerstörten Twin Towers, das "9/11 Memorial" eröffnet. Es besteht aus einem Museum, einem Park und Wasserbassins. An den Rändern sind die Namen aller Opfer - auch der des Anschlags von 1993 - eingraviert.

Ab 2002 wurde an der Anschlagsstelle außer dem "9/11 Memorial" ein neuer Bürokomplex errichtet. Dessen berühmtestes Gebäude ist das "One World Trade Center", das mit 541,30 m zum Bauabschluss das höchste Gebäude der USA war und heute ähnlich wie einst die Zwillingstürme die Skyline von New York prägt.


QUELLEN UND LITERATUR:

Wikipedia
-
planet wissen: Die Terroranschläge vom 11. September 2001
https://www.planet-wissen.de/kultur/metropolen/new_york/new-york-11-september-100.html
-
Aust, Stefan: 11. September. Geschichte eines Terrorangriffs; München (dtv) 2011
(in verschiedenen Verlagen erschienen)

-
Die Anschläge vom 11. September 2001 werden auch in diversen Büchern von Daniele Ganser aufgearbeitet. Während Ganser über Stay-Behind-Strukturen der NATO ("Gladio") sehr gute Werke verfasst hat (z. B. "NATO Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung"), neigt er beim Thema 9/11 zum Spekulieren. Er deutet sogar an, dass er glaubt, dass Zirkel der USA die Türme selber gesprengt hätten, sagte es aber (auch) nicht klar.
Problematisch erscheint bei Ganser nicht nur, dass er sogenannte "Verschwörungstheorien" verbreitet (einige davon können durchaus wahr sein, z. B. beim Mord an John F. Kennedy), sondern dass er sich in seinen Schriften und Vorträgen ständig auf den "US-Imperialismus" stürzt und damit impliziert, dass fast alle krummen Touren der Imperien aus den USA kommen. Dirty Tricks anderer Imperien wie Russland oder China vernachlässigt er oder verschweigt sie sogar ganz.




Dienstag, 5. September 2023

MEINUNG/KOMMENTAR: WAR PUTINS AGGRESSIVES VERHALTEN VORHERSEHBAR?

Krieg in der Ukraine


Wir haben jetzt seit gut eineinhalb Jahren Krieg in Osteuropa (der Ukraine).

Interessant ist, dass viele Menschen zunächst nicht glauben wollten, dass Putin angreift. Auch sogenannte Experten nicht. Auch dann nicht, als Putin über 100.000 Soldaten um die Ukraine herum versammelt hat (besonders im Norden und Osten) und bereits Blutbanken an die Front bringen ließ.

Interessant war Kommentare in Richtung: "Wir haben uns in Putin getäuscht." 
Wirklich?

Irgendwie schien es so, als ob viele Menschen die offensichtlichen Signale nicht lesen konnten:

  1. Der Anfang seiner Präsidentschaft:
    Als Putin als Präsident Russlands kandidierte, war er noch relativ unbekannt. Plötzlich flogen in und um Moskau herum Hochhäuser in die Luft. Ein Sprengsatz - Granulat im Keller eines Hochhauses von Ryazan - explodierte nicht, weil ein aufmerksamer Beobachter zwei Männer und eine Frau Säcke aus einem Auto mit gefälschtem Nummernschild heraustragen sah. Der Mann informierte die Polizei und diese nahm in einer Großfahndung die drei Personen fest: Es waren alles Agenten des Geheimdienstes FSB. Es gab noch weitere Vorkommnisse und Spuren, die auf eine "False-Flag-Operation" hinwiesen.
    Putin aber behauptete, die Anschläge in Moskau (und in Dagestan) stammten von Tschetschenien und nahm dies als Vorwand oder Grund für den Zweiten Tschetschenienkrieg. Die zerstörten Hochhäuser wurden schnell eingeebnet.
    Was bedeutet das? Putin war schon zu Beginn seiner Amtszeit fähig, rund 300 Menschen (viele davon Russen) zu opfern, um seine politischen Ziele umzusetzen.
  2. Kriege:
    Putin führte während seiner Amtszeit viele Kriege. Neben offiziellen Kriegen führte er auch viele kleine Interventionen durch, z. B. in Afrika. (Man muss allerdings sagen, dass auch die USA, GB, Frankreich, China und andere Ähnliches tun.)
    • 1999 - ca. 2009 : Zweiter Tschetschenienkrieg
      Die tschetschenischen Verteidiger ließen anfangs die russischen Bodentruppen in die Hauptstadt Grozny einmarschieren und nahmen die ungesicherte Kolonne dann von den Häusern aus unter Feuer. Dabei zerstörte man zuerst die ersten und die letzten Fahrzeuge, damit die Kolonne in der Falle saß. Putin rächte sich, indem er die Stadt durch seine Luftwaffe zerstören ließ. Mit der Zeit ermüdete der tschetschenische Widerstand und Putin suchte Kollaborateure, die er für ihre Zusammenarbeit belohnte.
      Es gab trotzdem immer wieder kleine Widerstandsnester, so dass sich der Krieg fast zehn Jahre hinzog.
    • 2008: Georgienkrieg
      Putin störte sich an der Expansion der NATO nach Georgien, auch wenn dieses nicht Mitglied wurde. Unter der Präsidentschaft Medwedews initiierte er einen Krieg gegen Georgien und begünstigte die Abspaltung aufständischer Provinzen.
    • 2014: Annexion der Krim und Förderungen von Aufständen in der Ostukraine
      Putin versuchte erfolgreich, den relativ pro-russischen ukrainischen Präsidenten dazu zu bringen, Verhandlungen mit der EU abzubrechen. Dies führte aber zu schweren Protesten auf dem Maidan, worauf dieser nach Russland floh. Russland seinerseits annektierte die Halbinsel Krim, auf der auch die russische Flotte in Sewastopol stationiert war, mit Einheiten, die zunächst nicht als russisch gekennzeichnet waren ("grüne Männchen"). Zusätzlich initiierte er in der Ostukraine "Gegen-Maidans", wobei es in Odessa zum Brand eines Gewerkschaftshauses mit vielen Toten kam. Es ist unklar, ob die Belagerer zuerst von oben mit Molotowcocktails angegriffen worden waren oder ob sie zuerst das Haus in Brand setzten.
    • 2015: Eingriff in den Syrischen Bürgerkrieg
      Im "Arabischen Frühling" entwickelten sich in vielen arabischsprechenden Ländern Aufstände gegen autoritäre Herrscher. Der syrische Präsident Assad glaubte zunächst nicht, dass diese Aufstände auch sein Land erfassen würden. Als dies dann doch geschah, zögerte er zunächst und ließ dann die Proteste - auch von Schülern - von seinen Familienmitgliedern gewaltsam ersticken. Daraus entstand dann ein Bürgerkrieg, der das Assad-Regime an den Rand eines Zusammenbruchs brachte. Putin griff 2015 militärisch ein, um die Waage doch wieder zu Assads Gunsten zu "kippen".
    • 2022: Angriff auf die Ukraine
      Nachdem das Minsker Abkommen nicht richtig vorankam, stationierte Putin russische Truppen entlang der ukrainischen Grenze. Der Aufmarsch bezog auch Weißrussland im Norden der Ukraine mit ein. Offiziell war das ganze als Übung deklariert.
      Im Februar 2022 griff Russland dann die Ukraine an. Der erste Blitzvorstoß mit Luftlandetruppen gegen den Kyiver/Kiewer Flughafen war fast erfolgreich. Hätten die russischen Truppen einen Brückenkopf errichten und halten können, wären sie mit Elitetruppen im Zentrum der Ukraine gewesen. Die Ukraine hat alle verfügbaren Einheiten einschließlich bewaffneter Zivilisten zum Flughafen beordert, um den Überraschungsangriff noch abschlagen zu können, was nach schweren Kämpfen schließlich gelang.
  3. Haltung zur Kriminalität:
    Putin trat auf als starker Mann, der mit der Kriminalität aufräumt und eigenmächtige Oligarchen "zurechtstutzt". Aber ist das wahr?
    Zunächst einmal begann Putins Aufstieg nach seiner Agententätigkeit in der DDR damit, dass ihn Sobtschak nach St. Petersburg holte. Hier war Putin wahrscheinlich in dunkle Machenschaften involviert. Die Stadt brauchte dringend Versorgungsgüter aus Zentraleuropa, bei denen er Waren umlenkte und sich bereicherte. Später als FSB-Vorsitzender ignorierte er Berichte von Litwinenko, dass Geheimdienstagenten mit der Organisierten Kriminalität als Bodyguards und als Killer zusammenarbeiten.
    Putin schützte also nicht Russland vor der OK oder vor Oligarchen, sondern nur vor den Oligarchen, die ihm nicht willfährig waren.
    Dieses Vorgehen setzte sich fort.
  4. Umgang mit Gegnern:
    Während Putins Amtszeit wurde nicht nur die Macht zentralisiert ("Vertikale der Macht"), indem die politische Verwaltung gestrafft, Militär und Geheimdienste gestärkt und eigenwillige Oligarchen entmachtet wurden, sondern es wurden viele Gegner eingesperrt oder gleich liquidiert. Mit der Zeit vergisst man, wie viele es waren, aber wenn man sich bewusst erinnert, wird die Liste lang:
    • Igor Domnikow (+ 2000)
    • Iskander Chatloni (+ 2000)
    • Sergej Juschenkow (+ 2003)
    • Jurij Schtschechotschichin (+ 2003)
    • Paul Klebnikow (+ 2004)
    • Anna Politowskaja (+ 2006)
    • Alexander Litwinenko (+ 2006)
    • Stanislaw Markelow (+ 2009): Menschenrechtsanwalt
    • Anastasia Baborowa (+ 2009): zusammen mit Markelow erschossen
    • Natalia Estamirowa (+ 2009)
    • Sergej Magni(t)zki (+ 2009)
    • Boris Beresowski (+ 2013)
    • Boris Nemzow (+ 2015)
    • gleich zu Beginn des Ukrainekrieges starben viele "kritische Geister" aus der russischen Elite durch seltsame Umfälle (Sturz vom Balkongeländer, Treppensturz, angebl. Suizid usw.)
    • Jewgenij Prigoschin und Dmitri Utkin (+ 2023): Der finanzielle und der militärische Anführer der Söldnergruppe (PMC) Wagner sterben in ihrem Flugzeug. Offiziell war dies ein Unfall, wahrscheinlich enthielt das Flugzeug aber eine Bombe oder wurde abgeschossen.
  5. Umgang mit Frauen:
    Putins Verhalten zu Frauen war auch nie ein Geheimnis.
    Es ist nicht nur bekannt, was er zu DDR-Zeiten über Frauen allgemein und über seine eigene Frau sagte.
    Man weiß auch, dass er bei einem Treffen mit Julia Timoschenko vor allen Menschen so tat, als ob er ihr an die Brüste fassen wolle.
    Man weiß auch, dass Putin dem israelischen Präsidenten Katzav, den er während der Untersuchungen wegen Vergewaltigung gegen ihn empfing, sagte, dass es ihn wundere, dass diese Vergewaltigungen in Israel negativ gesehen würden. In Russland würde man ihn als "starken Kerl" sehen. Die Wirtschaftszeitung Kommersant schrieb darüber und bekam deswegen Ärger.