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Freitag, 9. Januar 2026

PODCAST (MEINUNG|KOMMENTAR): WARUM GREIFEN DIE USA UNTER TRUMP VENEZUELA AN?

Venezuela (Quelle: pixabay.com; 
OpenClipart-Vectors)

Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump haben jetzt endgültig in Venezuela militärisch eingegriffen. Schon seit einigen Monaten (mindestens) hat sich eine Eskalation der Spannungen angedeutet.

Dabei wurden am 03.01.2026 Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefangengenommen.

Die Reaktionen sind international und in beiden Amerikas unterschiedlich.
Die Reaktionen in Europa sind wie gewohnt bürokratisch.


Otto Skorzeny an der Oder, Februar 1945 (Wikipedia)


Die Aktion zeigt, wie man mit Handstreich-Aktionen im Stile eines Otto Skorzeny (genannt "James Bond der Waffen-SS" oder "Hitlers James Bond") Fakten schaffen kann, während die anderen nur reden. Man denke nur an die Befreiung Mussolinis (Unternehmen Eiche) oder an den gescheiterten Versuch, Josip Broz Tito zu entführen oder zu töten (Unternehmen Rösselsprung).
Heute ist die Ortung von Zielpersonen mit Hilfe der digitalen Kommunikationsnetze für Groß- und Supermächte noch einfacher.



Die Welt in/auf den Händen (Quelle: pixabay.com; stokpic)

Aber warum tut Trump das?

Man könnte natürlich wieder eine idealistische Begründung bemühen und den Kampf für Freiheit und Menschenrechte anführen.
Maduro war in der Tat ein autoritärer Herrscher. Trotzdem glauben selbst naive Menschen nicht mehr an eine Argumentation mit Freedom, Democracy, Human Rights usw.

Man tut stattdessen gut daran, eine realistische Begründung (Macht generell) oder eine materialistische Begründung (wirtschaftliche Macht) zu finden.
Dazu sind einige Punkte anzuführen:

  1. Die USA greifen Venezuela an, weil sie Kontrolle über seine Ölvorkommen wollen.
    Venezuala verfügt über sehr viel Öl (ca. 17 % der weltweiten Reserven) und dazu noch über Ölsorten (z. B. schweres und extra-schweres Rohöl), die die USA haben wollen.
  2. Venezuela verfügt auch über große Erdgasvorkommen
  3. Es geht aber nicht nur um Öl und Erdgas. Das wäre zu einfach.
    Venezuela hat viele weitere Bodenschätze zu bieten, darunter Gold, Bauxit, Eisen, Coltan und Diamanten.
  4. Im Zuge der zunehmenden Elektromobilität geht es nicht mehr nur um Öl, sondern auch um Lithium. Dies findet sich zwar nicht oder kaum in Venezuala, aber durch das Land führen Routen zum weiter südlich liegenden "Lithium-Dreieck" zwischen Bolivien, Chile und Argentinien.
  5. Wichtig ist zu wissen, dass die USA ihre Claims (Macht-/Besitzansprüche) abstecken wollen, bevor China das tun kann und will (Faktor Boden + Faktor Zeit!).
  6. Wichtig ist auch, dass die USA seit Jahren über ein großes Haushaltsdefizit verfügen, das sie nur dadurch halbwegs "austarieren" können, dass sie in ihrer eigenen Währung verschuldet sind und sich bedingt daraus "herausdrucken" können.
    Das geht aber nur so lange, wie der Dollar (und der sog. "Petrodollar") die Leitwährung ist.
    (Anm.: 
    Als
     Petrodollar bezeichnet man (halboffiziell) die US-Dollar-Einnahmen erdölexportierender Länder durch den Verkauf von Rohöl. Der globale Handel wird hauptsächlich in Dollar abgerechnet. Dieses System hat seit den 1970er Jahren die globale Finanzordnung geprägt und die Nachfrage nach dem US-Dollar künstlich erhöht (Weltreservewährung). Erdöl wird pro Barrel (159 Liter) in Dollar notiert, was den ölproduzierenden Nationen enorme Dollarbestände einbringt, die oft in westliche Finanzmärkte reinvestiert werden (Petrodollar-Recycling).
    Schon 1991 war das ein Grund für den US-Angriff auf den Irak: Saddam Hussein hatte nicht nur illegal Kuweit besetzt, sondern auch mit dem Gedanken gespielt, sich seinen Öl-Export in anderer Währung bezahlen zu lassen.
    Bei Muammar al-Gaddafi war es ähnlich.
  7. Ein wichtiger Zusatzpunkt:
    Trump will mit solchen außenpolitischen Erfolgen von seiner verfahrenen Innen- und Wirtschaftspolitik ablenken. 


Risiken dieser Politik:

Diese Politik ist zum einen moralisch fragwürdig - zumal man Russland und China ähnliche "Schweinereien" vorhält.
Sie ist aber auch gefährlich, weil sie ein schlechtes Vorbild abgeben kann: Russland kann sich in seinem Angriff auf die Ukraine bestätigt fühlen und diesen noch intensivieren, China kann sich zu einem Angriff auf oder einer Blockade von Taiwan ermutigt fühlen. Bis spätestens 2049 will die VR Taiwan unter Kontrolle haben (eher früher, bis vielleicht 2030 oder noch früher) und Weltmacht Nr. 1 sein.


Temple of Heaven (Quelle: pixabay.com; j(oe)plenio)


Die Konkurrenzsituation zu China:

China hat längerfristig eigentlich die besseren Karten:

  • es verfügt über mehr Menschen verfügt - rund 1,5 Mrd., die allerdings nicht alle ethnische Han sind
  • Chinesen arbeiten im Schnitt mehr (aber auch dort entsteht eine Freizeitkultur) 
  • es setzt wirtschaftlich sehr auf Produktion und Export und weniger auf "windige Branchen" (Voodoo-Ökonomie) wie IT-Spielereien, Finanz-Abzockerei oder Entertainment wie die USA;
    das soll nicht heißen, dass die US-Wirtschaft nur so aufgebaut ist - nur setzen sich diese Branchen immer mehr gegenüber den produktiven Branchen durch

China hat aber auch einige Nachteile bzw. schlechtere Karten:

  • China ist geostrategisch "eingekreister", während die USA in Nordamerika mit Kanada fast eine "Kontinental-Insel" bilden
  • China hat nicht nur mehr Nachbarn als die USA, sondern wird von diesen auch noch argwöhnisch betrachtet (z. B. Japan, Taiwan, die Philippinen, Vietnam [Krieg erst 1978!], Indien [Krieg 1962]);
    auch mit Russland hat China viele Krieg geführt, derzeit halten beide Länder nur zusammen, um eine US-Übermacht auszubalancieren
  • China versucht, dieser Einkreisung durch die Neue Seidenstraße bzw. BRI (Belt and Road Initiative) seit 2013 entgegenzuwirken
  • China muss außerdem aufpassen, dass es keinen zu starken Geburtenrückgang der Han-Chinesen gibt

 
James Monroe (Quelle: Wikipedia; John Vanderlyn)


Weiteres US-Vorgehen:

... in Mittel- und Südamerika:

Da die Maßnahmen gegenüber Venezuela zu fruchten scheinen, könnte die US-Regierung motiviert sein, ihre Kontrolle über Mittel- und Südamerika weiter zu verstärken.
Im 19. Jhd. sprach man von der Monroe-Doktrin, in der die USA den Anspruch über BEIDE Amerikas erhoben haben und gleichzeitig forderten, dass sich die europäischen Kolonialmächte (v. a. Spanien in Mittel- und Südamerika und England in Nordamerika, aber auch Portugal, Frankreich und die Niederlande) aus der Politik beieder amerikanischer Kontinente heraushalten.
Diese Monroe-Doktrin geht auf eine Rede von Präsident James Monroe von 1823 vor dem Kongress zurück und diente als Entwurf einer langfristigen US-Außenpolitik.
Dies geschah vor dem Hintergrund, dass sich viele europäische Kolonien in Nord- und Südamerika gerade erst von ihren Mutterländern emanzipiert hatten.
Die Monroe-Doktrin formulierte Prinzipien wie "two spheres", "non-intervention" und "non-colonization". Einige ihrer Aussagen waren am Anfang noch recht allgemein, sie wurde aber im Laufe des 19. Jhd.s mehrfach verschärft. Aus kritischer Sicht könnte man sagen, dass ihre anfänglich anti-imperialistische Stoßrichtung (gegen europäischen Imperialismus) selber imperialistisch wurde (v. a. gegenüber Mittel- und Südamerika).
Die heutige Version bzw. Neuauflage nennen einige Kommentatoren scherzhaft Donroe-Doktrin (wegen Donald J. Trump).

... gegenüber Grönland und Dänemark:

Darüber hinaus besteht aber auch die Gefahr, dass Trump seine Kontrollbestrebungen über Grönland intensivieren will, obwohl dies formell zu Dänemark gehört und Dänemark ein NATO-Mitglied ist. Europäische NATO-Mitglieder warnten deshalb auch vor einem Ende der NATO im Falle eines US-Angriffs. Allerdings gab es schon einmal militärische Konflikte zwischen NATO-Mitgliedern: Man denke nur an die Zypern-Krise (1974) zwischen Griechenland und der Türkei, bei der einerseits die griechische Militärdiktatur Zypern direkt kontrollieren wollte, die türkische Seite aber heimlich mit zivilen Landungsschiffen den Nordosten der Insel besetzen ließ.
Dänemark ging allerdings - gelinde gesagt - nicht immer fair mit seiner Kolonie um.
Es geht dabei darum, dass diverse Nordpassagen für zivile und militärische Schiffe kontrolliert werden sollen und die USA besser positionierte Raketenbasen schaffen kann.


 

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