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Montag, 14. Mai 2012

AISCHYLOS: EUMENIDEN

Eumeniden 33

μαντευομαι γαρ ωσ αν ηγηται θεοσ. | manteuomai gar hos an hegetai theos. 

Weissagung geb ich (denn), wie der Gott mich führt.


Aischylos

Die Eumeniden sind eine griechische Tragödie des Aischylos.


Die Eumeniden wurden 458 v. Chr. im Rahmen der Tetralogie Orestie (= 4 Bühnenstücke) bei den Grossen Dionysien in Athen aufgeführt. Eine Tetralogie bestand aus vier Bühnenstücken, davon drei Tragödien (Trilogie) und ein Satyrspiel.
Den Eumeniden vorangegangen sind Agamemnon und die Choephoren. Ihnen folgte ein unbekanntes Satyrspiel.

HINTERGRUND

Die Dionysien waren mehrtägige Festspiele im antiken Athen zu Ehren des Gottes Dionysos (Gott des Weines und der Ekstase). Aischylos trat ab ca. 499 v. Chr. dort als Dramatiker auf und feierte insgesamt 13 Siege. Seinen ersten errang er 484 v. Chr., seine schmachvolle Niederlage gegen den jungen Sophokles 468 v. Chr. 
Die Dionysien und insbesondere die Großen Dionysien im Frühjahr galten in Athen als kultureller und religiöser Höhepunkt, an dem Dichterwettstreite (Agone) stattfanden.
Bei solchen Festen wurden je drei Tragödien und ein Satyrspiel aufgeführt (Tetralogie).


HANDLUNG

In dem Stück geht es darum, dass Orestes (Orest) seit der Ermordung seiner Mutter Klytaimnestra von den Erin(n)yen (Erynien), also Rachegöttinnen, getrieben wird.
Vorausgegangen war die Ermordung seines Vaters Agamemnon durch seine Mutter.
Dieser wiederum vorausgegangen war die Tatsache, dass Agamemnon die gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert hatte, um günstige Winde für den Trojanischen Krieg zu erzwingen. Zudem hatte Agamemnon während des zehnjährigen Krieges eine Geliebte, die trojanische Seherin Kassandra.
Man sieht also, wie in griechischen Tragödien Gewalt auf Gewalt folgt.
Orest sucht nun Hilfe beim Gott Apollon, während die Erinyen durch den Chor verkörpert werden.
Der Titel Eumeniden rührt daher, dass die Erinyen (Rachegöttinen) im Verlauf der Handlung des Stückes als "die Wohlmeinenden" oder "die Gnädigen" uminterpretiert werden.

Apollon, Hermes und Orestes treten aus dem Tempel des Apollon.
Apollon sagt klar, dass er Orestes darin unterstützt, dass er seine Mutter erschlagen hat, um den Vater zu rächen.

Man sieht im Tempelinneren die schlafenden Erinyen und den Schatten der Klytaimnestra. Klytaimnestra verlangt Rache, weil sie für den Mord an Agamemnon bestraft wurde, nicht aber Orestes für den Muttermord an ihr.

Die Erinnyen werfen Apollon nun große Schuld vor und verteidigen Klytaimestra mit dem Argument, sie habe im Gegensatz zu Orestes keinen Blutsverwandten umgebracht. Doch Apollon verteidigt Orestes mit dem Hinweis, dass eine Mutter nicht die Zeugerin eines Kindes sei, denn Vater könne man auch ohne Mutter sein, wie das Beispiel Athenas lehre. Die Göttinnen wollen Orestes unbedingt fassen und Rache üben. Apollon wirft sie aus seinem Tempel, doch der Streit über Recht und Unrecht, Blutrache und Ehre setzt sich fort.

Orestes bittet um gnädige Unterkunft bei Pallas Athene. Die Erinnyen finden seine Spur und kommen zum Tempel der Athene. Orestes bittet die Göttin um Tilgung der Schuld. Athene befiehlt beiden Seiten, sich vorzustellen und ihre Absicht zu erklären. Die Führerin der Erinyen gibt ihre Absichten an. Danach stellt Orestes sich Athene vor und erzählt seine Lebensgeschichte bis zum Muttermord. Athene meint, es sei zu schwierig, dass ein Mensch hier über Schuld oder Unschuld urteilen könne.

Athene erbarmt sich auf der Akropolis des Verfolgten und ruft ein Geschworenengericht ein.
Ankläger sind die Erynien selbst, Verteidiger ist Apollon. Vermutlich kommt Aischylos hier den Demokratisierungstendenzen seines Jahrhunderts entgegen. In der früheren Fassung richtete noch nicht das Volk, sondern die Götter selbst.

Am Ende der Verhandlung bahnt sich ein Unentschieden an (mit Stimmsteinen), wobei Athenes Meinung pro Orest Stimmengleichheit herstellt und somit den Ausschlag gibt.

Die Erinyien sind zunächst voller Wut. Athene verspricht ihrer Anführerin allerhand Gaben und religiöse Verehrung. Die Erinyen werden aber erst dadurch versöhnt, dass sie zu wohlmeinenden Eumeniden werden und ehren fortan Athene.


NACHWIRKUNG

Die Eumeniden hatten eine Nachwirkung über die Jahrhunderte bis zur Gegenwart.

Karl Gustav Vollmoeller hat die Orestie in den Jahren 1904 und 1905 ins Deutsche übersetzt und mit seiner für das Deutsche Theater Berlin erarbeiteten Bühnenfassung eine nach Aussagen damaliger Kritiker bedeutende Arbeit geleistet (Karl Vollmoeller – Die Orestie des Aischylos, S. Fischer, Berlin 1911).
Vollmoellers Bearbeitung ist für die Entwicklung des deutschen und europäischen Theaters von großer Bedeutung. Obwohl diese bereits seit 1905 fertig war, wurde sie erst 1911 von Max Reinhardt inszeniert. Vorher war Reinhardt nicht bereit, Vollmoellers Vorstellungen von einer den antiken Vorbildern folgenden Großrauminszenierung zu folgen. (Quelle: Wikipedia)

Für ein 1954 gemeinschaftlich vom SWF/BR/RB/ORF unter der Regie Gert Westphals produziertes Hörspiel übersetzte und bearbeitete Walter Jens die Trilogie. Sein Ziel war es, die Tragödie in ihrer ganzen Unmittelbarkeit wirken zu lassen. Wie viele Hörspiele dieser Zeit hat es Kammerspiel-Charakter und kommt ohne besondere Toneffekte aus.
(Quelle: Wikipedia)


KOMMUNIKATION MIT "FEUERPOST"

Verse 280–311 im Agamemnon beschreiben die Benachrichtigung vom Sieg im Trojanischen Krieg über eine Staffel von Leuchtfeuern über Hunderte Kilometer hinweg nach Argos als "Feuerpost" oder Flammenpost".
Es werden sogar (über Ida, Limnos, Athos usw.) die beteiligten Bergstationen mit ihren Feuersignalposten aufgelistet.
Ob dies damals technisch in diesem Ausmaß durchführbar war, wird heute von einigen Technikhistorikern angezweifelt. Dass man damals auf solchem Wege kommunizierte, gilt aber als akzeptiert.


THEORIE VON DER BIKAMERALEN PSYCHE

Bei diesen psychologischen Inhalten mag man an den Forscher Julian Jaynes denken, der davon ausging, dass die Menschen in der (frühen) Antike noch kein "Selbstbewusstsein (Selbstwahrnehmung) im modernen Sinne", sondern eine "bikamerale Psyche" hatten. Damit meint er, dass die Menschen damals in ihrem Kopf zwei Kammern hatten, nämlich eine göttliche, die Befehle gab, und eine menschliche. Diese bikamerale Psyche sei dann später zusammengebrochen, woraus das moderne Ich-Bewusstsein entstanden sei. Bei einigen religiösen Fanatikern und bei einigen Krankheiten werde die bikamerale Psyche aber wieder hergestellt.


WERKAUSGABEN

Aischylos: Die Orestie. (Agamemnon. Choephoren. Eumeniden); Stuttgart (reclam) 2018
(übersetzt von Kurt Steinmann)
https://www.reclam.de/produktdetail/die-orestie-9783150195352
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Aischylos: Orestie; Übersetzung von Oskar Werner (Griechisch und Deutsch); München (Ernst Heimeran Verlag) 1948
Orestie Online
-
Die Orestie des Aischylos; Übersetzung von Karl Vollmoeller; Berlin (S. Fischer) 1911



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