Seite, Fachbereiche, Sprachen

Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik und Realienkunde hervorgegangen und hat sich in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt.
Fachbereiche: Geschichte (Politik, Sowi, Philosophie) - Sprachen - Biologie (Biochemie) - IT (Technik, Physik) - Wirtschaft - Recht und Blödsinn.
Sprachen (Vokabeln): Englisch, Französisch, Spanisch; Latein/Italienisch, Altgriechisch/Neugriechisch; Russisch; Chinesisch, Japanisch, Koreanisch; Arabisch, Hebräisch; Mittelägyptisch; Sanskrit/Hindi; Akkadisch; Schwedisch; keltische Sprachen, Swahili etc.
Personen-Link: http://novatlan.blogspot.de/2014/08/personen-pool.html

Montag, 14. März 2016

THE PROCESS CHURCH OF THE FINAL JUDGEMENT

http://streamsofconsciousness.org/wp-content/uploads/2013/09/process_church_the_the_final_judgement.jpg




Die Process Church of the Final Judgment (Prozess-Kirche des Jüngsten Gerichts) war eine Art religiöse Bewegung und Gruppierung, die auch Züge einer Psychosekte trug. Kurzbezeichnungen waren The Process Church oder nur Process. Später änderte die Gruppe mehrfach ihren Namen.
Die Process Church entstand in den 1960er-Jahren als eine Scientology-Abspaltung und erhielt in den 60ern und 70ern großen Zulauf. Damals nutze man die ideologischen Unsicherheiten in Folge der Hippiebewegung und anderer Protestbewegungen (Vietnam, Rassenfrage) aus.
In den 1970ern kam es zu internen Verwerfungen, verschiedenen Umbenennungen und schließlich 1991 zur Gründung der Best Friends Animal Sanctuary, die seit 2003 B. F. A. Society hieß. Diese Organisation hatte eine andere Ausrichtig: Sie war eine Tierschutzorganisation. Trotzdem ging diese Gründung auf frühe Bekehrungsmotive und auf Tierschutzprojekte auf ihrer Ranch in Arizona ab 1971 zurück. [Das bedeutet, wir haben hier Bruch und Kontinuität in einem.]


1960er-Jahre

In den 60er-Jahren wurde die Process Church als Scientology-Abspaltung von Robert DeGrimston (eigtl. Moor) und Mary Anne DeGrimston (eigtl. MacLean). Das Paar war zunächst kameradschaftlich im Einsatz für die neue Mission, aber verschieden vom Typus. Robert DeGrimston war ein Architekt, der aber aufgrund der damaligen Erziehung eine Neigung zum Religiösen und Übersinnlichen hatte. Mary Anne kam aus eher bescheidenen Verhältnissen, hatte aber dadurch einen enormen Aufstiegswillen. Sie soll sogar einmal kurzzeitig als Domina gearbeitet haben.
Auf jeden Fall gefiel dem Scientology-Chef L. Ron Hubbard die Abspaltung der neuen Gruppierung nicht gut. Er setzte deren Anhänger deshalb auf die Liste der "Suppressive Persons" und verhängte damit so eine Art Acht über sie.
Die Process Church ließ sich davon aber nicht beunruhigen und siedelte 1966 nach Xtul auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan über. Erst durch entstand nach diversen Selbstfindungritualen eine halbwegs kohärente "processean theology". Angeblich soll die Gruppendynamik auch durch diverse Wetterumschwünge beeinflusst worden sein.
Schließlich wollte die Gruppe sich ein neues Zuhause suchen und wählte New Orleans in den USA.



1970er-Jahre

In den 1970er-Jahren verschlechterten sich die Beziehung der Eheleute DeGrimston. Nach der Scheidung zeigte sich das Machtbewusstsein von Mary Anne, so dass Robert DeGrimston ausgeschlossen wurde. Auch die ideologische Ausrichtung der Gruppe wurde nach dem Ausscheiden des "Teachers" deutlich verändert. Mary Anne übernahm jetzt die Führung.
Selbst der Name wurde geändert, jetzt hieß die Process Church plötzlich "Foundation - Church of the Millenium". Später kam es zu weiteren Umbenennungen, so 1978 in "Foundation Faith of the Millenium".

Robert DeGrimston wollte diese Entwicklung nicht widerstandslos hinnehmen und versuchte mehrmals, entweder zurückzukehren oder eine neue Gruppe zu gründen und Anhänger um sich zu scharen. Als dies keinen durchschlagenden Erfolg hatte, gab er sein Vorhaben auf und suchte sich einen bürgerlichen Beruf.


"Theologie" und Lehren

Nach Darstellung der Process Church kam es in Xtul zu einem Channeln von Botschaften von Gott. Der Gott Jehova wurde noch als einziger Gott angesehen. Später erweiterte man die Lehre auf drei bzw. vier Götter ("Three Great Gods of the Universe"): Jehova, Lucifer und Satan als Götter und Jesus Christus als deren Abgesandter.

Nach der Process-Lehre existieren alle drei göttlichen Realitäten in jedem Menschen. Die drei bzw. vier Kräfte wiegen sich als Einheit der Gegensätze aus. Erst beim Jüngsten Gericht kommt es dann aber zur endgültigen Vereinigung.


Mögliche Kontakte zur Manson Family und Vorwurf des Satanismus

Die Process Church galt nicht nur als Neureligion und als Psychokult, sondern ihr wurden immer wieder auch Kontakte zu dubiosen Gruppierungen und Verwicklungen in okkulte bis kriminelle Tätigkeiten vorgeworfen.
Bei diesen Vorwürfen ist es aber schwer, eine klare Grenze zwischen beweisbaren Verfehlungen und Verschwörungstheorien zu ziehen.

Die Vorwürfe der Kontakte zur Manson Family speisen sich hauptsächlich aus 3 Quellen:
  • Die Lehre von Charles Manson weist gewisse Ähnlichkeiten zu der der Process Church auf. 
  • Beide Gruppen lebten im damaligen Californien nahe beieinander. 
  • Mitglieder der Process Church haben Manson im Gefängnis besucht und über seine Absichten, sein Vorgehen und wahrscheinlich auch seine Kontakte zur Kirche befragt. Darüber und über den Kult allgemein erschien ein Artikel in der Spezialausgabe des "Process Magazines" mit dem Namen "Death". 

Andeutungen auf eine mögliche Beziehung der beiden Kulte findet man in Vincent Bugliosis Buch über Charles Manson und seine Family.
Ed Sanders, ein anderer wichtiger Manson-Autor, geht da weiter. Er schreibt in seinem Buch "The Family", das in der ersten Ausgabe noch den Untertitel "The History of Charles Manson and his Dune Buggy Attack Battalion" trug, dass er bei den Recherchen auf nicht genannte Insiderquellen gestoßen sei, die darauf hinwiesen, dass die Familie nicht alleine gehandelt habe, sondern in viel tiefere kultische Zusammenhänge und Strukturen verwickelt sei.
In späteren Ausgaben musste Sanders aufgrund juristischer Maßnahmen der Process Church seine Aussagen deutlich abschwächen.

Ein weiterer Autor, Maury Terry, verbindet den Kult in "The Ultimate Evil" nicht nur mit der Manson Family und ihren Gewalttaten, sondern auch mit dem Serienmörder Son of Sam (David Berkowitz) und mit weiteren Gewalttaten.
Dabei behauptet er, dass es von der Process Church besonders gewalttätige Abspaltungen gegeben habe, darunter v. a. das 4-Pi-Movement. Hinter dieser Gruppe stünden viele dubiose Persönlichkeiten, darunter auch superreiche Kalifornier. Einer ihrer frühen Anführer soll "Grand Chingon" genannt worden sein. Eine Person, die auch mit der Gruppe in Verbindung gebracht wird, ist William "Bill" Mentzer, einer der Mörder des Medienunternehmers Roy Radin.
Das 4-Pi-Movement in schwerste Straftaten wie Mord, Drogenhandel, Tieropfer (Schäferhunde!) und sexuell motivierten Menschenhandel verwickelt gewesen seien. Diese Vorwürfe sind schwer zu beweisen oder zu widerlegen, weil sich solche investigativen Autoren auf den Schutz ihrer Quellen berufen. In der damaligen Zeit wurde viel und in reißerischem Stil über Satanismus berichtet, so dass Kritiker dieser Berichterstattung von überschäumender Phantasie und "Satanic Panic" sprachen. Es sei maßlos übertrieben, so zu tun, als sei das ganze Land von derartigen Machtgruppen unterwandert.
Allerdings muss man einräumen, dass der Gewalttäter David Berkowitz, der sich Son of Sam nannte (Motiv?), recht detailliert über seine Kontakte zu derartigen Gruppen und über ihr Treiben berichtete. Das mag auch ein Mittel sein, um sich im Gefängnis wichtig zu machen und ggf. Hafterleichterungen durchzusetzen, allerdings wurden an einigen der beschriebenen Kultorten tatsächlich

Neben einer Nähe zu kriminellen Kreisen und Satanismus wird der Process Church bzw. ihren Ablegern auch eine Nähe zu Ideologemen des Nationalsozialismus' vorgeworfen. Diese sei schon in ihren Symbolen zu erkennen (z. B. Nähe zum Hakenkreuz). 


QUELLEN:

Wikipedia
Process-Publikationen 
-
Bugliosi, Vincent/Curt Gentry: Helter Skelter
Sanders, Ed: The Family
Terry, Maury: The Ultimate Evil
Wyllie, Timothy/Adam Parfrey: Love, Sex, Fear, Death; 2009
" : Propaganda and the Holy Writ of the Process Church of the Final Judgement; 2011






Samstag, 5. März 2016

DEONTOLOGIE (DEONTOLOGISCHE ETHIK)


Die Deontologie (Deontologische Ethik; von δέον - das Gesollte, die Pflicht) beschreibt eine Reihe ethischer Ansätze, nach denen ein Handeln aus einer (empfundenen) Pflicht heraus auch dann geboten ist, wenn die Konsequenzen ungünstig sind. Das heißt die (intrinsische) Bewertung einer Handlung als gut oder schlecht ist unabhängig von ihren Konsequenzen.

Einen anderen oder gar gegensätzlichen Ansatz stellen die konsequentialistischen Theorien dar, die nicht auf den intrinsischen Charakter eine Handlung abstellen, sondern auf deren Konsequenzen.

Der Begriff Deontologie (deontology) wurde bereits von Jeremy Bentham geprägt. Genauer definiert wurde er von C. D. Broad (Charlie Dunbar B.) und William K. Frankena. C. D. Broad unterteilte alle ethischen Theorien in zwei Klassen: Deontologische Theorien und Teleologische Theorien.

Wichtige Einflüsse nahm die Deontologie auch aus den Theorien Kants. Für Kant spielten die sogenannten Maximen eine Rolle. Man solle nur nach den Maximen handeln handeln, von denen man gleichzeitig wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werden. So leitet Kant seinen Kategorischen Imperativ ab.



Samstag, 20. Februar 2016

Akira KUROSAWA



* 23.03.1910
+ 06.09.1998

Akira Kurosawa wurde am 23.03.1910 in Tokio als jüngstes von sieben Kindern geboren. Er hatte drei ältere Schwestern und drei Brüder.
Seine Mutter war sehr sanftmütig, sein Vater dagegen miltärisch geprägt. Der Vater hatte eine Offiziersschule absolviert und arbeitete später als Lehrer an der Kaiserlichen Militärakademie.

Der junge Akira interessierte sich früh für Kunst und Malerei und wurde schon in der Grundschule von einem Lehrer gefördert, der sein Talent erkannte. Für Sport und Drill interessierte er sich weniger. Sein Vater war davon weniger begeistert und einer seiner Brüder warf ihn einmal zum Schwimmenlernen einfach ohne Vorbereitung ins Wasser.
Als sein Vater merkte, dass sein Sohn auch in der Mittelschule von der künstlerischen Schiene nicht abzubringen war, akzeptierte er diese Situation widerwillig, um wenigstens eine Begabung seines Sohnes fördern zu können.

Kurosawa ging nach der Mittelschule im Jahre 1927 auf die Doshusha-Schule für westliche Malerei. Nebenbei arbeitete er als Maler und Illustrator. Sein älterer Bruder Heigo war als "Benshi" (Stummfilmerzähler) erfolgreich und unterstützte Akira. Der Vater mochte aber Heigos unabhängigen Lebensstil und seine Liebesbeziehungen nicht und warf ihn aus dem Haus.
Heigo zeigte Akira traditionelle japanische Kunstformen wie Yose (trad. Varieté) und Kodan (Samuraierzählungen), sowie diverse Filme und literarische Werke.
Doch im Juli 1933 nahm sich Heigo das Leben, was für Akira ein lebenslanger Schock sein sollte.

Akira Kurosawa trieb trotzdem seine Filmkarriere weiter voran. Er schrieb ca. 50 Drehbücher und durfte 1943 zum ersten Mal Regie führen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er seine Karriere weiter fortsetzen und gründete 1959 seine eigene Produktionsfirma. Berühmt wurde Kurosawa vor allem für seine Samuraifilme, aber er beschäftigte sich auch mit anderen Stoffen.
Kurosawa übernahm in seinen Filmen neben japanischen Motive auch Motive aus anderen Kulturen und wurde mit der Zeit weltweit anerkannt. Eine tiefe Freundschaft verband ihn mit Francis Ford Coppola.

Akira Kurosawa ist berühmt für Samuraifilme wie Rashomon (1950), Die sieben Samurai (1954), Das Schloss im Spinnweb-Wald (1957), Yojimbo - Der Leibwächter (1961) und Sanjuro (1962). Die meisten seiner Filme erschienen in Schwarz-Weiss. Einige Meisterwerke wie Kagemusha und ran erschienen aber auch in Farbe. Sie kombinieren epische Schlachtengemälde mit psychodramatischem Tiefgang.
Eine andere Thematik verarbeitet Kurosawa beispielsweise in Engel der Verlorenen (1948), in dem er einen alkoholkranken Arzt auf einen verletzten Gangster treffen lässt, in Einmal wirklich leben (Ikiru, 1952), in Uzala, der Kirgise (1975) und in Akira Kurosawas Träume (Yume, 1990).
Kurosawa arbeitete oft mit dem Schauspieler Toshiro Mifune zusammen, das erste Mal 1948 in Engel der Verlorenen. Mifune wurde später auch durch die Samurai-Serie Shogun (nach James Clavell) bekannt.

Im Alter von 88 Jahren starb Kurosawa am 06.09.1998 an einem Hirnschlag. Er wurde beim buddhistischen Tempel An'yó-in in Kamakura beigesetzt.


QUELLEN

Wikipedia
Meyers Grosses Taschenlexikon
diverse Filmlexika
siehe auch "Literatur"!

LITERATUR

Kurosawa, Akira: So etwas wie eine Autobiographie; Zürich 1991
Jansen, Peter W./Wolfram Schütte (Hgg.): Akira Kurosawa; München 1988

WALLERSTEIN, IMMANUEL MAURICE


Immanuel Wallerstein 2008, European University St. Petersburg

* 28.09.30 in New York City

Immanuel Wallerstein ist ein US-Amerikanischer Soziologe und Begründer der Weltsystemtheorie, der in seinem Werk Anleihen aus verschiedenen Sozialwissenschaften und der Geschichtswissenschaft nimmt.



Immanuel Wallerstein wurde 1930 in New York City in eine Zahnarztfamilie geboren. Er interessierte sich aber eher für die Sozialwissenschaften und hier insbesondere für Abhängigkeitsstrukturen. 1951 erwarb er seinen BA an der Columbia University in New York. 1954 erwarb er ebd. seinen MA. 1959 wurde er dort PhD. Ein Jahr zuvor wurde er Mitarbeiter am Department of Sociology und blieb dort bis 1971, dann wechselten sich verschiedene Forschungsstationen ab, darunter auch in Canada und Frankreich. Wallerstein leitete auch Institute. 

Schon früh analysierte Wallerstein die Abhängigkeit Afrikas (z. B. Africa. The Politics of Independence, 1961).
Als einen besonderen Einschnitt erlebte er die Studentenbewegung um das Jahr 1968 (University in Turmoil. The Politics of Change, 1969). Nach Ansicht einiger verklärte er es sogar übertrieben zu einer Epochenwende. Nachdem er sich also mit Africa und den Umwälzungen der späten 60er-Jahre auseinandergesetzt hatte, bemühte er sich zu Anfang der 70er-Jahre, seine bisher gesammelte Erkenntnis in einen größeren theoretischen Rahmen zu fassen. Die Weltsystemtheorie entstand.

Immanuel Wallerstein kann als ein Soziologe bzw. Sozialwissenschaftler gesehen werden, der historische mit sozialwiss.-modellierenden Ansätzen verbindet. Dies sieht man auch in der Weltsystemtheorie.
Andere Vertreter dieses Ansatzes sind: André Gunder Frank (Spätwerk), Samir Amin, Étienne Balibar (z. T.), Giovanni Arrighi und Beverly Silver.
Die Weltsystemtheorie betrachtet, wie der Name bereits andeutet, die Welt als großes kapitalistisches Weltsystem, das aus verschiedenen Untersystemen besteht und auf den Prinzipien der Kapitalakkumulation und Ausbeutung beruht.
Der Weltsystem-Ansatz beruht auf marxistischen und neomarxistischen Gedanken, aber auch auf der franz. sozialhistorischen Annales-Schule nach Fernand Braudel und auf diversen anderen Ansätzen der Sozialwissenschaften, z. B. von Nikolai Kondratieff. Das Basiswerk ist "The Modern World-System", das 1974 in seinem ersten Band erschien und viele Nachfolgewerke nach sich zog. Hier untersucht Wallerstein im Rückgriff auf die erwähnten Ansätze detailliert, wie sich das kapitalistische Weltsystem seiner Meinung nach über die Jahrhunderte entwickelt hat.
Die Weltsystemtheorie wird häufig in eine Nähe zur Dependenztheorie (Dependencia-Th.) gerückt, ist aber differenzierter. Beide Ansätze kann man neomarxistisch nennen und beide unterscheiden bei der Analyse von Ausbeutungsverhältnissen zwischen Zentrum und Peripherie, Wallersteins erweitert diesen Ansatz aber um die Semiperipherie und weitere Faktoren. Die Semiperipherie dient dabei dem Zentrum in seiner Ausbeutungsbestrebung.
Trotz dieser ausdifferenzierten Betrachtung, ist bei Wallerstein der Grundgedanke, dass man bei der Analyse zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten unterscheiden kann, bimodal.

In Deutschland war die Reaktion zunächst durchwachsen. In der ursprünglich konservativ geprägten etablierten Geschichtswissenschaft taten viele Forscher die Thesen Wallersteins zunächst als blanken Unsinn ab. Man wollte ihn auch nicht zu Symposien laden. Eine Resonanz erhielt er eher über die Soziologie.

Wallerstein blieb seinem Kurs treu, beschäftigte sich aber trotz seines hohen theoretischen Anspruchs immer wieder mit Tagespolitik. Hierher gehören auch die "Commentaries", die er über die Homepage seines Instituts auch online publiziert. Interessant ist, dass er in den 90ern, also in einer Zeit, in der die USA in Deutschland und Europa als Vorbild für Gesellschaftsreformen herangezogen wurden, die Stärke dieses Landes eher kritisch sah. Wallerstein sah Deutschland und Japan, zwei weitere wichtige Zentren des Weltsystems, weiter als stark aufgestellt an. Daneben bewertete er den Aufstieg Chinas.

Zur Jahrtausendwende beschäftigte sich Wallerstein sowohl in seinen Commentaries als auch in seinen Monographien immer stärker mit der Frage, wie sich das kapitalistische Weltsystem zukünftig weiterentwickeln würde (z. B. Does Capitalism have a Future?).
Er beantwortete diese Frage unterschiedlich, deutete aber die Möglichkeit einer finalen Entscheidung an, ob das System kapitalistisch bleiben und untergehen wolle oder sich zu einem demokratisch-sozialistischen System transformieren würde.
Gleichzeitig arbeitete er weiter an seinem Opus magnum "The Modern World-System", dessen 4. Band 2011 erschien. 
Dazu ging er anlässlich der Kriege der Bush-Regierung genauer auf die Schwächen der USA ein (Decline of American Power. The U. S. in a Chaotic World, 2003).