-
Ryu Ota heißt eigentlich gar nicht so. Ota wurde 1930 als Tōichi Kurihara (栗原 登一) in Toyohara in der Präfektur Karafuto geboren. Er erlebte als Kind und Jugendlicher die japanischen Expansionskriege und den Zweiten Weltkrieg in Asien mit. Dabei ist zu beachten, dass der Krieg gegen China schon vor 1939 begann (1931/32 Besetzung der Mandschurei, 1937 Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg), der Krieg gegen die USA aber erst 1941.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Japan eine Parlamentarische Monarchie geschaffen. Der Tenno blieb weiter formell Staatsoberhaupt, sein Einfluss wurde aber beschränkt. Die Kommunistische Partei Japans wurde legalisiert, unterlag aber mit Beginn des Kalten Krieges Auflagen.
Ryu Ota trat im Oktober 1945 der linken "Demokratischen Jugendliga Japans" bei. Das war schon bald nach der Kapitulation Japans im August/September 1945. 1947 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Japans (KPJ). Das war noch unter Stalin (- 1953). Der orthodoxe Parteikommunismus war aber nicht Otas Sache. Im Jahre 1953 verließ er nach Querelen die KPJ wieder. 1955 gründete er dann mit Kanichi Kuroda die "Japanischen Revolutionäre Kommunistische Liga", die als trotzkistisch galt. Damit wurde Ota führer der Vierten Internationale in Japan (also der Trotzkisten). 1957 gründete er die Japanische Trotzkistische Liga.
Ota war Zeit seines Aktivismus' immer wieder in sektiererische politische Grabenkämpfe verwickelt. Hinzu kam später noch die in Japan sehr starke 1968er-Bewegung. In Europa weiß man oft nicht, dass in Japan '68 sehr hart war und in einigen Punkten sogar deutlich vor 1968 begann. Zum einen waren viele japanische Linke - übrigens ähnlich wie extreme Rechte - gegen die japanischen Sicherheitsverträge mit den USA. Die Regierung verfolgte ihren Kurs aber trotz gewaltsamer Proteste stur, auch weil sie sich so erhoffte, mehr Souveränität über das Land, die erneute Kontrolle über Okinawa (Ryu Kyu) und den Schutz vor dem damals weltweit voranschreitenden Kommunismus erringen zu können.
Doch Ota hielt es auch bei den Trotzkisten nicht ewig aus. 1970 wurde er wegen seines Austritts aus der Japanischen Trotzkistischen Liga von seinen ehemaligen Genossen sogar zum Tode verurteilt. Otas politische Kreativität war jedoch geeignet, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Er begründete die Ainu-Befreiungsbewegung. Eigentlich hatte es dafür schon vorher Ansätze gegeben, aber Ota brachte der Bewegung frische Energie und verband die Belange der Ainu mit Marxismus und Neomarxismus. Theoretisch verband er auch die Ainu mit dem Begriff des "Lumpenproletariats" bei Karl Marx. Die Ainu sind die Bevölkerung, die zumindest im Norden Japans und auf Sachalin seit über 14.000 Jahren existiert haben und seit rund 300 v. Chr. zunehmend von den Yayoi-Japanern, die wir heute als Japaner wahrnehmen, vertrieben wurden. Die Ainu wirken äußerlich nicht japanisch, die Männer der Ainu haben starken Bartwuchs und auf dem Kopf Glatzenansatz. Ihre Kultur und Religion ist stark mit der Natur verbunden. Auf der anderen Seite haben sie es nicht geschafft, moderne Technologien zu entwickeln, was Vor- und Nachteile hat, sie aber im Konkurrenzkampf mit anderen Ethnien geschwächt hat.
Im Jahre 1971 wollte Ryu Ota eine Ainu-Revolution beginnen, was aber schief ging. Es kam zu einigen Anschlägen auf japanische Einrichtungen und Denkmäler. Ota und Shoji Yuki wurden beide verhaftet wegen Anstiftung eines Aufstandes. Und schon wieder zeigte sich die politische Uneinigkeit: Beide Anführer belasteten sich gegenseitig.
In den 1980er-Jahren entdeckte Ota einen neuen Trend: Die Umweltschutzbewegung. Vorläufer gab es schon in den 1970ern und auch schon davor. Aber in den 1980ern wurde Umweltschutz zum Trend. In Deutschland wurden 1980 Die Grünen gegründet und zogen 1982 in den Bundestag ein. 1986 gründete Ota die Grüne Partei Japans. Aber auch hier kam es wieder zu Sektierertum und Spaltungen, so dass sich die Partei in zwei Parteien spaltete und beide bei politischen Wahlen versagten. Im selben Jahr veröffentlichte Ota das Buch "Japan Ecologist Proclamation", in dem er gleich der gesamten "Menschendiktatur" (Menschlichen Diktatur) den Kampf ansagte und meinte, man solle auch die Kakerlaken, Ratten und Erdwürmer befreien. In den 1990er-Jahren machte Ota wieder eine politische Wende durch. Diesmal ging er politisch nach Rechts bzw. zur Querfront und veröffentlichte entsprechende Pamphlete, die oft auch einen antisemitischen Unterton hatten. Ota veröffentlichte viele Materialien über jüdische Verschwörungen weltweit und in Japan und griff die Rothschilds an. Gleichzeitig suchte er den Anschluss an Eustace Mullins und Michael Collins Piper. Irgendwann stürzte sich Ota so sehr in konspirative Phantasien, dass er die Freimaurer, die Illuminaten, die NWO, den Vatikan, das Kommittee der 300, David Icke, die Echsenmenschen (Reptiloiden), William Guy Carr , Pearl-Harbor-Theorien, Theorien um John F. Kennedy, Prinzessin Diana, 9/11 und sogar den UFO-Glauben aufgriff. Seine Texte waren anti-verschwörerisch, anti-semitisch, oft anti-US-amerikanisch und anti-feministisch. Ota lobte die seiner Meinung nach traditionell gebliebenen Sitten der japanischen Frauen und kritisierte die der westlichen Frauen.
Sich selbst sah Ota als buddhistischen Philosophen an. |
|
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen