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Mittwoch, 31. Dezember 2025

ROXETTE (BAND)

31.12.2025

Roxette am 13.11.2009 in Arnhem

Roxette war ein weltberühmtes schwedisches Pop-Duo, das 1986 von Marie Fredriksson (1959 - 2019) und Per Gessle (* 1959) gegründet wurde. Mit über 80 Millionen verkauften Tonträgern und Hits wie „The Look“ und „It Must Have Been Love“ prägten sie den Pop-Rock der 80er- und 90er-Jahre.
Der internationale Durchbruch gelang 1989 mit dem Album "Look Sharp!" und dem Song "The Look". Dieses soll durch einen US-amerikanischen Austauschstudent in die USA gebracht worden sein (vgl. den Erfolg von "99 Luftballons" von Nena durch "Christiane F."!).
Zu den größten Hits zählten "Listen to Your Heart", "Joyride", "Dangerous" und "It Must Have Been Love" als Beitrag zum Soundtrack von "Pretty Woman".

Leider wurde bei Marie Fredriksson ein Hirntumor diagnostiziert, so dass die Band 2002 pausieren musste. 2009 feierte die Band zwar ein Comeback, aber Marie Fredrikssons Kräfte ließen spürbar nach. 2019 starb sie.
Ab 2025 tritt Per Gessle mit Lena Philipsson als neuer Sängerin auf.

Die Band bzw. das Duo gilt neben ABBA als eine der erfolgreichsten schwedischen Band des 20. Jahrhunderts.


Montag, 22. Dezember 2025

PODCAST: DER IMPERIALISMUSVORWURF UND SEINE EINSEITIGKEIT

19.12.2025

In politischen Debatten wird bestimmten Mächten häufig Imperialismus vorgeworfen.
Dies sollte man sich einmal kritischer Ansehen.

Der Globus (Quelle: pixabay.com; Daniel Diaz Bardillo)

Zum einen wird Imperialismus oft nicht genau definiert und ist häufig ein polemischer Kampfbegriff.

Zum anderen werden Imperialismus-Vorwürfe gerne einseitig erhoben:

Wenn man z. B. in beiden Amerikas den USA vorwirft, sie seien in ihrer Geschichte von Imperialismus und Rassismus getrieben, so stimmt das durchaus.

Es wird hier aber gerne durch Weglassen gelogen: Genauso wie die Angelsachsen großen Teilen Nordamerikas ihren Willen und ihre Kultur aufgezwungen haben, so haben die Spanier und Portugiesen großen Teilen Südamerikas ihren Willen und ihre Kultur aufgezwungen.

Da ist also eine klare EINSEITIGKEIT in der Wertung.

Wenn man gegen Imperialismus und Rassismus ist, dann sollte man es "per se" sein, also alle Formen von Imperialismus und Rassismus ablehnen.

Wenn ich aber Imperialismus &  Co. nur ablehne, wenn er angelsächsischen oder germanischen Ursprungs ist, dann bin ich einseitig und tendenziös oder meinetwegen sogar selber rassistisch.

Denn ich lasse vielen durchgehen, was ich den Angelsachsen oder Germanen großsprecherisch und moralisierend ankreide.

Das ist wie damals, als sich die Algerier nach 1954 gegen den französischen Kolonialismus erhoben haben. An sich verständlich, aber wieso nur gegen den?
Den arabischen Kolonialismus haben sie nämlich nicht bekämpft, sich oft sogar noch vom arabischen Nationalismus treiben lassen.
Und das, obwohl die Algerier historisch gesehen gar keine Araber sind!
Sie müssten, wäre ihr Urteil ausgewogen, algerische Berbersprachen sprechen.

Ähnlich ist es beim Kampf der Ägypter gegen den britischen Kolonialismus. Die Arabisierung ihres Landes haben sie aber nicht zurückgedreht.
Dabei sind die Ägypter historisch Ägypter und keine Araber.
Sie müssten, wäre ihr Urteil ausgewogen, Ägyptisch sprechen, also meinetwegen Koptisch als letzte Sprachstufe der ägyptischen Sprache. Aber selbst da gibt es viele griechische Fremdwörter.

Man kann es also so zusammenfassen:
Imperialismus ist aufgrund der tendenziösen Betrachtung nicht an sich böse und schlecht, sondern nur oder besonders, wenn er von Germanen betrieben wird.

Andere Imperialismen seien hier nur stichwortartig aufgezählt:

  • altägyptischer Imperialismus
  • akkadischer Imperialismus (durch Assyrer und Babylonier)
  • persischer Imperialismus
  • makedonischer Imperialismus
  • indischer Imperialismus (auch von Teilreichen)
  • arabischer Imperialismus
  • türkischer Imperialismus
  • Imperialismus von Indianerstämmen wie Inkas und Azteken 
  • mongolischer Imperalismus
  • chinesischer Imperialismus
  • japanischer Imperialismus
  • russischer Imperialismus
  • ...

Fazit: Es ist problematisch und diskriminierend, wenn man Verbrechen nicht um ihrer selbst, sondern nur auf Grund der Ethnie der Täter beurteilt.
Das hieße, dass ein Verbrechen schwerer wirkt, wenn die Täter einer bestimmten Ethnie angehören, also ethnisch oder kulturell Germanen sind. 


Freitag, 12. Dezember 2025

NACHTGEDANKEN 2

12.12.2025

Die Erde (Quelle: pixabay.com; PIRO)



NACHTGEDANKEN


T

TRIUMVIRAT IN DER GEGENWART

Wir erkennen derzeit (2025 und davor/danach), dass sich drei Großmächte ihre Einflussgebiete auf dem Globus immer mehr abstecken. Bei sowas drohen wachsende Konflikte bis hin zum Krieg.

In diesem Fall werden die drei Mächte aber noch von drei egomanen Männern regiert:

  • Donald Trump
  • Wladimir Putin
  • Xi Jinping 

Bei solch einer Konstellation kann es passieren, dass ein Triumvirat entsteht.
So etwas kennt man schon aus der Antike, z. B. bei den Machtkämpfen der späten Römischen Republik.

Ein Triumvirat ist ein Dreimännerkollegium (hat nichts mit Triumph) zu tun), das dazu dient, dass diese drei Männer die Macht ein einem Staat oder darüber hinaus unter sich aufteilen. (In der späten Römischen Republik gab es zwei berühmte Triumvirate, aber prinzipiell ist diese Erscheinungsform nicht nur römisch.)
Diese drei Männer können dabei zusammenhalten, untereinander konkurrieren oder beides. Es kannn auch sein, dass sich zwei Männer des Triumvirats gegen den Dritten verbünden wollen.
Am Ende soll sich der Stärkste durchsetzen.

Unabhängig von der Binnenstruktur eines Triumvirats muss man wissen, dass es fast immer anti-republikanisch und anti-demokratisch ist. Die Männer, auch wenn sie manchmal Verbündete haben und brauchen, wollen ja nicht, dass das Volk oder große Teile desselbigen die Geschicke der Politik bestimmen.

Insofern hatten die v. a. in der römischen Politik aufkommenden Triumvirate Ähnlichkeiten mit den griechischen oder makedonischen Hetairien.

Europa muss aufpassen, dass es im Falle der Festigung eines Triumvirats nicht unter die Räder kommt.

Es ist zwar gut, dass es nicht durch einen Führer gelenkt wird, der in seinem Größenwahn nicht mehr kontrollierbar ist. 
Die Nazis haben bereits versucht, nach der Machtergreifung im Deutschen Reich und den ersten deutlichen militärischen Siegen ihren deutschen Nationalismus durch einen Euronationalismus zu ergänzen.
Dies war ein Grund für die erhebliche Kollaboration in den besetzten Gebieten.
Bis zum Kriegseintritt der USA Ende 1941 sah es für viele so aus, als ob Deutschland seine eroberten Gebiete halten könnte. Die Waffen-SS entwickelte sich damals auch schrittweise zu einer Europaarmee, wobei man anfängliche "rassische" Bedenken hintanstellte.

Aber auch wenn Europa nicht durch einen Führer top-down regiert werden sollte, sollte es auch nicht zu zersplittert sein und auftreten. Es läuft sonst Gefahr, trotz seines enormen Wirtschaftspotenzial von anderen Mächten verfrühstückt zu werden.
Denn gegen die Triumvirn und ihre drei Reiche sollte sich Europa auf jeden Fall zur Wehr setzen.

Dafür ist es z. B. wichtig, dass es sich von außereuropäisch kontrollierten Betriebssystemen, E-Mail-Systemen, Suchmaschinen und Cloud-Systemen unabhängig macht. Man spricht von "digitaler Souveränität", handelt aber zu zögerlich.
Als Betriebssystemalternativen zu Windows eigenen sich GNU/Linux-basierte Systeme wie Debian, Mint (Debian-basiert), Ubuntu (Debian-basiert) oder openSUSE.
Das ebenfalls starke Fedora hat leider seinen Entwicklungsschwerpunkt auch in den USA.

Es kann sogar sein, dass sich das entstehende Triumvirat künftig um weitere autoritärer Herrscher erweitern wird.
So oder so muss man wissen, dass Triumvirate nicht nur autoritär und anti-demokratisch sind, sondern dass unter ihren rücksichtslosen Machtkämpfen leicht viel zu Bruch geht.

Europa muss handeln!

Samstag, 15. November 2025

NACHTGEDANKEN 1

15.11.2025 - 16.11.2025

Marcus Aurelius - Politiker und Philosoph (AI)

NACHTGEDANKEN

C

DAS CHRISTENTUM UND DAS RÖMISCHE REICH 

Das Christentum wurde im Römischen Reich massiv verfolgt, viele Christen sogar umgebracht.

Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum aber zuerst anerkannt und dann sogar zu einer Art Staatsreligion. Den entscheidenden Todesstoß sollen das Heidentum und die heidnische Philosophie aber erst im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justianian I. erhalten.

So "verewigte" das im Römischen Reich lange verfolgte Christentum dieses Reich erstaunlicherweise. Besonders die römisch-katholische Kirche hielt das Römische Reich am Leben, indem sie an Latein als "Heiliger Sprache" festhielt und die Päpste in Rom residierten.

Im Osten bewahrte das griechisch-orthodoxe Christentum das Koine-Griechisch, das auf das Altgriechische folgte.

Ambivalent war die Haltung der Christen zur heidnischen Philosophie.
Nachdem sie die heidnische Religion gewaltsam unterdrückt haben, drängten sie auch heidnische Philosophenschulen zurück und zwangen im 6. Jhd. unter Justinian I. sogar die Platonische Akademie in Athen dazu, zu schließen (der Platonismus war in der Spätantike aber längst auch in anderen Städten wie Alexandria und Rom stark).
Gleichzeitig übernahmen christliche Autoren wie Augustinus aber selber viele Philosopheme der Heiden (Augustinus' Familie war selber gespalten: Sein Vater war Heide, seine Mutter Monica Christin). 

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F

FUTUROLOGIE

Futurologie ist ein sehr spannendes Fach, das, wie der Name sagt, die Zukunft erforschen will.
In religiösen Gemeinschaften gab es dafür früher Propheten, allerdings ist deren "Methodik" mehr als umstritten. Das Ziel, die Zukunft verherzusagen, ist aber begehrt und erstrebenswert.

Ossip K. Flechtheim soll 1943 den Begriff Futurologie erfunden haben. In Deutschland ist ein bekannter Zukunftsforscher Rüdiger Lutz.

So wie die Geschichte das Vergangene erforschen will - genaugenommen beginnt sie aber erst mit dem Vorliegen schriftlicher Quellen, so ist es nur logisch, von der Jetztzeit auch auf dem Zeitstrahl nach vorne schauen zu wollen.

Methodisch ist so ein Ansatz natürlich wackelig, weil es einfach so viele Faktoren gibt, die die Zukunft beeinflussen können. Daher geht die Futurologie üblicherweise interdisziplinär vor.
Da sie nicht ganz exakt die Zukunft vorhersagen kann, muss sie sich mit Trendanalysen und Szenarien beschäftigen.
Umstritten ist, ob sie auch neben dem (künftigen) Ist-Zustand auch einen Soll-Zustand thematisieren und damit normativ agieren soll.

Für globale futurologische Aussagen erscheint es auch als unerlässlich, auf sogenannte "Makrotheorien" zurückzugreifen, auch wenn diese historisch bedingt umstritten sind.
Dazu gehört z. B. der Marxismus, aber auch eine global gedachte Systemtheorie.

Ein Ansatz wäre z. B. die Weltsystemtheorie von Immanuel Wallerstein et al., die u. a. auf Denkern wie Karl Marx und Fernand Braudel basiert.
Diese sieht das Agieren eines globalen "Kapitalistischen Weltsystems", das immer mehr Bereiche der Einzelgesellschaften der Welt zu erfassen sucht und das in Zentrum, Semi-Peripherie und Peripherie eingeteilt ist, wobei dabei die Semi-Peripherie vereinfacht gesagt dem Zentrum bei der Ausbeutung der Peripherie helfen soll.
Die Zentren des kapitalistischen Weltsystems können sich aber verschieben. André G. Frank, der von der Dependenz-Theorie zur Weltsystem-Theorie hinzugekommen ist, hat gerade in seinem Werk "Re-Orient" beschrieben, wie sich das Zentrum des Weltsystems immer mehr nach Osten in Richtung Ostasien verschiebt.
Bislang scheint sich diese Prognose zu erfüllen.

Die Frage ist aber, was am Ende dieser Entwicklung des kapitalistischen Systems steht.
Laut Wallerstein wird die Entwicklung irgendwann in der Entscheidung kulminieren, dass es entweder gelingt, einen weltweiten demokratischen Sozialismus einzuführen oder dass es zu einem weltweiten Zusammenbruch kommt. 

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I 

IDENTITÄT UND VERRAT

Menschen neigen dazu, sich eine individuelle Identität und eine Gruppenidentität verschaffen zu wollen.

Obwohl manche an dieser Identität starr festhalten, kann sie auch erstaunlich volatil sein.

Läuft einer zu einer anderen Gruppe über, spricht man von "Verrat".

Interessanterweise kommt so ein vermeintlicher oder wirklicher Verrat, also ein Identitätswechsel, in der Geschichte relativ häufig vor.

BEISPIEL: UNABHÄNGIGKEIT DER USA VOM BRITISCHEN EMPIRE

Die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 wird dort als großen Schritt zur Freiheit gefeiert.

Interessanterweise kämpften aber die Siedler nur wenige Jahre zuvor mit regulären britischen Truppen gegen die Franzosen und mit denen verbündete Indianerstämme (sog. "French and Indian Wars").

Damals kam kaum einer auf die Idee, zwischen "Briten" und "(US-)Amerikanern" zu unterscheiden.

Nur wenige Jahre später kam es - u. a. aufgrund von Streitigkeiten über die Besteuerung - zum Unabhängigkeitskrieg, der aus britischer Sicht ein illegaler Sezessionskrieg war.

Es gab übrigens auch nicht wenige Loyalisten, die weiter zur britischen Seite hielten. Viele wurden schikaniert und mussten nach Boston, dem Hauptquartier der Briten, oder in den Süden fliehen. Die britischen Siedler im späteren Kanada blieben sowieso mehrheitlich loyal.

Man sprach ursprünglich von British America und nach dem Abfall der (späteren) USA von British North America.

Für viele Indianer war die Freiheit der Siedler sowieso das Todesurteil. Es ist allerdings umstritten, ob sie ein Opfer speziell des Liberalismus und der Ideen der Aufklärungen waren, denn auch unter der Spanischen Krone in Mittel- und Südamerika, die monarchistisch und keineswegs liberal war, wurden viele Indigene massakriert.

 
BEISPIEL: DER BÜRGERKRIEG ZWISCHEN USA UND CSA

Der US-Bürgerkrieg zwischen Nordstaaten und Südstaaten von 1860 - 1865 war ein äußerst blutig in in frühen Zügen industriell geführter Krieg bzw. Bürgerkrieg.
Es ging dabei auch um die Sklavenbefreiung. Wie stark dieses Motiv war und welche anderen Motive es noch gab, ist bis heute umstritten.

Man weiß, dass auch einige Nordstaaten damals noch Sklavenhalterstaaten waren. Man weiß auch, dass die Industrie des Nordens die aus dem Süden stammende Baumwolle verarbeitet hat, obwohl sie von Sklaven gepflückt wurde.

Interessant ist, dass dieser Nord-Süd-Gegensatz zwar schon eine Zeit lang schwelte, aber trotzdem relativ plötzlich ausbrach.

Vorher ging es in der US-Innenpolitik um andere Themen, wie wichtiger waren, z. B. um die Frage, ob oder wie der Katholizismus im Land bekämpft werden sollte.
Durch Einwanderer aus katholischen Gebieten Deutschlands und aus Irland entstand in den USA eine relativ zahlreiche nicht-protestantische Bevölkerungsgruppe. Später kamen noch katholische Südeuropäer hinzu.

Auch da sieht man, wie stark kollektive Identitäten wirken, sich aber auch verändern können. 

  

WECHSELNDE SYSTEME - BEISPIEL: FRANKREICH UND DEUTSCHLAND

Wenn in einem Land ein "politisches System" herrscht, dann tut man oft so, als sei dies auf alle Ewigkeit konstituiert.

Dies ist seltsam. Man denke nur an die Revolutionen in Frankreich. Viele glauben, 1789 wurde die Monarchie abgeschafft und damit war sie weg. Danach herrschte die Republik.

Aber so war es nicht. Schon nach 1789 gab es ein langes Ringen, bis die Republik 1792 ausgerufen wurde und danach war sie noch lange umstritten. Es kam zum Bürgerkrieg, auch unter den Republikanern selbst.
Der radikale Republikaner Robespierre hatte übrigens noch als Schüler am Lycée Henri IV. eine Lobrede auf den König Ludwig XVI. gehalten!

Nach den Napoleonischen Kriegen, die anfangs siegreich waren und dann für das bonapartistische Frankreich verloren gingen, wurde von 1815 - 1830 die Monarchie wiederhergestellt bzw. "restauriert".

Die Machtkämpfe zwischen Anhängern und Gegnern der Republik verliefen das ganze 19. Jhd. hindurch bis in das 20. Jhd. hinein.

Es gab dabei mehrere aktive Gruppen:

  • Anhänger der Republik (linke, zentristische, rechte)
  • linke Gegner der Republik
  • rechte Monarchisten
  • rechte Bonapartisten (Vorbild: Napoleon I. Bonaparte)
  • rechte Faschisten (im 20. Jhd. nach dem Vorbild der Faschisten und Nazis) 

Noch die Gründung des "État francais" (Vichy-Frankreich) nach 1940 war eine Manifestation von Anti-Republikanern. Den Anhängern des État francais wurde später ihre partielle Nazi-Kollaboration vorgeworfen. Aber in Wirklichkeit war zumindest zu Beginn des neuen Regimes die Zustimmung groß. Die Machtübergabe an Pétain war sogar von einer großen Mehrheit des französischen Parlaments abgesegnet.
Erst mit dem Ende des État francais und der Wiedererrichtung der Republik wurde die antirepublikanische Rechte marginalisiert. Trotzdem existierte sie auch nach 1945 weiter. Dies merkte man zuerst sehr stark in den Kolonialkriegen, besonders im Algerienkrieg. Später gab es die Bewegung der Poujadisten (bereits mit Jean-Marie LePen), das Unterstützungskommittee für Tixiers-Vignancours Bewerbung auf das Präsidentenamt und schließlich mit der Gründung des Front National in den frühen 1970er-Jahren.

Der Front National war zunächst eine fast unbedeutende Kleinpartei, die aber seit den 1980ern zu einem bedeutenden Machtfaktor der Rechten wurde. Die Partei ist sich trotzdem weiter uneins - auch als Rassemblement National -  ob sie autoritär-republikanisch, monarchistisch, bonapartistisch oder faschistisch auftreten soll.


Ein ähnliches Theater gab es auch in Deutschland.

Während der Märzrevolution 1848 scheiterte der Versuch, nach französischem Vorbild eine Republik zu errichten.

1871 kam es dann doch zu einer deutschen Einheit, aber unter autoritärer Führung Preußens und unter Ausschluss der deutschsprachigen Teile Österreichs.

Im 20. Jhd. gab es in Deutschland 5 - 6 verschiedene politische Systeme:

  • Zweites Kaiserreich
  • Weimarer Republik (formell: Deutsches Reich)
  • NS-Reich (formell: Deutsches Reich oder Großdeutsches Reich)
  • Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik
  • Bundesrepublik Deutschland 

Zu bedenken ist:
JEDES dieser Systeme hatte seine Anhänger (einige sollten es später leugnen), JEDES hielt sich selbst für gut und überlegen, JEDES hatte seine Lehrer, die es vor Schülern rechtfertigten und JEDES hatte seine Justiz, die es verteidigte.

Seltsam nur, dass manche Personen für verschiedene Systeme arbeiteten und alle verteidigten.     
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S

ANGEWANDTE SOZIOLOGIE

Die Soziologie wird von manchen in puncto praktische Anwendbarkeit kritisch gesehen.
Das muss aber nicht zwingend so sein. Man sollte sie aber mit Geschichte, Philosophe, Psychologie etc. kombinieren.
Wenn man die Soziologie praxisnah fahren will, muss man ihre Grundideen bei der Betrachtung der empirischen Wirklichkeit des Alltags anwenden. Dazu gehört...:

  • wir spielen wie Schauspieler SOZIALE ROLLEN (die wir oft nicht hinterfragen)
  • diese Rollen sind manchmal BEWUSST GEWÄHLT, nicht selten aber durch SOZIALISATION/VERGESELLSCHAFTUNG erzeugt (was wir auch oft nicht hinterfragen)
  • wir gehören verschiedenen GRUPPEN an, die man im Kern vertikal und horizontal unterscheiden kann:
    • horizontale gestaffelte Gruppen sind in etwa auf einer Ebene und geraten nicht selten miteinander in Konflikte: z. B. die Großgruppen der Nationen
    • vertikale gestaffelte Gruppen: sie werden häufig nicht genauer analysiert, obwohl wir schon wahrnehmen, dass es sie gibt: z. B. Stände, Klassen und Schichten;
      wir fragen z. B. selten: Kämpfen bei einem Krieg zwischen zwei Nationen primär die Nationen (horizontal) miteinander oder die Klassen (vertikal) miteinander oder ist eine Mischung aus beidem wahr? 
  • neben dem Begriff der Gruppen ist auch der Begriff der SYSTEME wichtig (Parsons/Luhmann): demnach besteht die Gesellschaft (auch ein System) aus vielen Teilsystemen, von denen jedes "autopoietisch" ist, also sich selbst erhalten will;
    das wirkt sehr theoretisch, ist aber auch für die Praxis wichtig:
    • Schule dient nicht nur dem Ziel "Bildung", sondern ist auch autopoietisch
      (Ego-Projektion/Narzissmus, Bereicherung, Verwaltung/Bürokratie etc.)
    • Justiz dient nicht nur dem Ziel "Gerechtigkeit", sondern ist auch autopoietisch
      (Ego-Projektion, Bereicherung, Verwaltung etc.)
    • Polizei und Inlandsgeheimdienste dienen nicht nur dem Ziel der "inneren Sicherheit"
      (Ego-Projektion, Bereicherung, Verwaltung, Agentenspiel, Wunsch nach Feindbild) 
    • die Armee dient nicht nur dem Ziel der "Landesverteidigung", sondern ist auch ap.
      (Ego-Projektion, Bereicherung, Verwaltung, Kriegsspiel, Wunsch nach Feindbild) 
  • wichtige die ZEIT betreffende FRAGEN werden nur selten gestellt:
    • wie bewerten wir die individuelle Entwicklung, z. B. die Endlichkeit des Lebens?
    • wie bewerten wir die kollektive Entwicklung, z. B. die Tatsache, dass die Technik - wie früher in einem Science-Fiction-Film wie Terminator - dabei ist, den Menschen zu überholen? 

 

  

Sonntag, 19. Oktober 2025

STEPHEN JAY GOULD

14.09.2025 - 21.09.2025 - 19.10.2025

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/21/Stephen_Jay_Gould_2015,_portrait_(unknown_date).jpg
Stephen Jay Gould


* 10.09.1941 in New York City (Queens)
+ 20.05.2002 in New York City

Steven Jay Gould war ein US-amerikanischer Paläontologe, Evolutionsbiologe, Geologe und Wissenschaftshistoriker.
Gould lehrte v. a. an der Harvard-Universität und schrieb außerdem populärwissenschaftliche Bücher und Essays. Manche verglichen seinen Stil sogar mit Montaigne.
Anders als manch ein Biologe hatte Gould die Angewohnheit, sein Fach nichts rechts, sondern links zu "lesen". So hinterfragte er traditionelle Begriffe wie "Intelligenz" und "IQ" und stand dem Darwinismus und Sozialdarwinismus kritisch gegenüber. So versuchte er zu zeigen, dass in der Evolution nicht immer das Stärkere bzw. Angepasstere ("fittest") gesiegt und somit die Evolution vorangetrieben habe, sondern dass es auch andere Optionen gab. Beispielsweise war nach Gould die Evolution nicht nur graduell, sondern blieb manchmal eine Zeit lang auf einem Punkt stehen und verweilte (stasis).


LEBEN

Gould wurde in Queens in New York City geboren. Sein Vater Leonard war ein Gerichtsschreiber (Stenograph) und diente im Zweiten Weltkrieg in der US Navy.
Seine Mutter Eleanor war Künstlerin. Ihre Eltern waren jüdisch-europäisch Einwanderer und lebten im Manhattener Garment District, in dem Stoffe und Kleidung hergestellt wurden.

Stephen und sein jüngerer Bruder Peter wuchsen als Mittelschichtskinder in der Bayside in Queens auf. Schon als Fünfjähriger besuchte Gould mit seinem Vater das American Museum of Natural History und bestaunte Skelette von Dinosauriern.

Gould besuchte die Jamaica High School und wuchs säkular-jüdisch auf.
Schon früh war er auch politisch links aktiv. Sein Vater galt als Marxist. Er selber wollte weniger dogmatisch vorgehen und las "The Power Elite" von C. Wright Mills und die Schriften von Noam Chomsky.

Nach der Schulzeit ging Gould auf das Antioch College in Yellow Springs (Ohio) und studierte dort Paläontologie und Evolutionsbiologie. Dort kämpfte er aktiv gegen die Rassentrennung in Restaurants und diversen Einrichtungen. Später protestierte er auch gegen den Vietnamkrieg.
Gould sah die Gefahr, dass Naturwissenschaften wie die Biologie für Unterdrückungszwecke eingesetzt werden könnten und Pseudobegründungen für Rassismus und Sexismus liefern könnten.
An der Columbia University wurde Gould 1967 promoviert. Es folgten Karrierestufen als Assistant Professor, als Associate Professor (1971) und als Professor für Geologie (1973) an der Harvard Universität.
1975 erhielt Gould den Charles Schuchert Award.
1981 war er MacArthur Fellow.
1983 wurde Gould Mitglied der American Acadamy of Arts and Sciences.
1989 wurde Gould Mitglied der National Academy of Sciences.
1989 erhielt er die Sue-Tyler-Friedman-Medaille. 
1987 war er Präsident der Paleontological Society.
1990 wurde Gould zum Ehrenmitglied (Honorary Fellow) der Royal Society of Edinburgh gewählt.
2002 erhielt Gould die Paleontological-Society-Medaille.
2008 erhielt er posthum die Darwin-Wallace-Medaille der Linnean Society of London.

Typisch für Gould war aber, dass er trotz seiner ernsten Beschäftigung mit Wissenschaft und Politik immer wieder auch lustige Sachen machte. In seinen wissenschaftlichen Aufsätzen, die er für Magazine wie "Natural History" schrieb, streute er immer wieder auch seine Hobbys und private Gedanken ein. Besonders der Baseball hatte es ihm seit seiner Jugend angetan und er war ein lebenslanger Fan der New York Yankees.
Ein weiteres Hobby von Gould waren Science-Fiction-Filme, denen er aber oft Mängel in der Handlung und in der naturwissenschaftlichen Unterfütterung vorwarf.
Außerdem sang Gould Bariton in der Boston Cecilia und er war ein großer Bewunderer von Gilbert-und-Sullivan-Opern. Das waren Opern aus der Zeit vor 1900 von W(illiam) S(chwenck) Gilbert und Arthur Sullivan.
Weitere Hobbys waren Architektur, das Sammeln alter Bücher, das Lernen von Sprachen, Stadtspaziergänge und Reisen. Gould sprach neben Englisch Französisch, Italienisch, Deutsch und Russisch.


ERKRANKUNG

Gould erkrankte im Juli 1982 an einem Mesotheliom.
In seinem Essay "The Median isn't the Message" und in seinem Buch "Illusion Fortschritt" beschrieb Gould seine Reaktion auf die Aussage der Ärzte, zum Diagnosezeitpunkt betrage die restliche Lebenserwartung im Median nur 8 Monate. Wegen der frühen Diagnose der Erkrankung und weiteren günstigen Variablen hatte Gould gute Chancen, zu jener Hälfte der Erkrankten zu gehören, die länger als 8 Monate überlebten.
Schließlich wurde die Krankheit durch neue Heilmethoden sogar besiegt.
Allerdings starb Gould am 20.05.2002 an Lungenkrebs.


WIRKEN UND WERK

Gould vertritt in seinen Veröffentlichungen einen makroevolutionären Ansatz.
Mit Niles Eldredge hat er die Theorie des unterbrochenen Gleichgewichts (punctuated equilibrium; Punktualismus) entwickelt.
Die Theorie geht davon aus, dass die Evolution nicht mit konstanter Geschwindigkeit in stetigen kleinen Schritten erfolgt (Gradualismus), sondern als Wechsel zwischen kurzen Phasen mit schneller Veränderung und langen Phasen ohne (oder mit wenig) Veränderung (stasis).
Gould vertritt mit Niles Eldredge die Theorie des "unterbrochenen Gleichgewichts" (punctuated equilibrium; Punktualismus). 
Heute ist herrschende Meinung, dass Evolution schon in unterschiedlichen (variablen) Geschwindigkeiten (Sg. oder Pl.) erfolgt, aber nicht so extrem wie in der Theorie des Punktualismus beschrieben.
(Goulds Ansatz wurde bisweilen gegen seinen Willen in Richtung der "Theorie des Hopeful Monsters" von Richard Goldschmidt geschoben.)
Für Gould wird Evolution auch sehr stark durch Zufälle bestimmt. In diesem Sinne revidiert er die Forschungsergebnisse des Burgess-Schiefer über die kambrische Explosion (Kontingenztheorie der Evolution).

Nach Gould können Organismen auch ohne Wandel mit großen Umweltveränderungen fertig werden.
Publizistisch unterstrich er das in Stephen J. Gould/Richard C. Lewontin (1979) und Stephen J. Gould/Elisabeth Vrba (1982).

Gould verfolgt mit seinem Punktualismus durchaus auch einen politischen Ansatz:
Er sieht den Begriff der natürlichen Selektion als durchaus problematisch an.
Denn dieser Begriff lässt sich leicht für rechte Ideologien instrumentalisieren.

In den Aufsätzen "The Spandrels of San Marco and the Panglossian Paradigm. A Critique of the Adaptionist Programme" (1979) mit Richard C. Lewontin und "Exaptation. A missing Term in the Science of Form" (1982) mit Elisabeth Vrba vertritt Gould die These, dass Eigenschaften eines Organismus auch ohne direkten Funktionsbezug überlebt haben können (vgl. Wikipedia).
Für Gould kann die natürliche Selektion auch eine funktionelle Negativauswahl hervorbringen und nicht (oder nicht nur) eine Positivauswahl bestimmter Eigenschaften in adaptionistischer Manier.
Im ersten Aufsatz greifen Gould und Lewontin die Idee der übertriebenen (?) Anpassung an ("adaptionist program"). Bis heute wird über das Ausmaß der Adaption von Organismen in ihren Populationen gestritten.
Gould und Lewontin wehren sich gegen eine vermeintlich überzogene Einzelbetrachtung ("Atomisierung") von Merkmalen, die einzeln der Selektion unterliegen und adaptiert werden. Zahlreiche Merkmale seien nicht-selektierte Nebenprodukte anderer, adaptierter Merkmale.
Der zweite genannte Aufsatz betont im Titel das Konzept der Exaptation. Danach wird ein Merkmal zunächst für eine andere Funktion selektiert und adaptiert als die, die (dann) als die dominierende gesehen wird.


KRITIK

Stephen Jay Goulds Thesen wurden inhaltlicher Kritik unterzogen. Manche störte auch sein Auftreten mit linken Symbolen und "Säulenheiligen" in seinem Dienstzimmer.

Ernst Mayr kritisierte Goulds Angriff auf die evolutionäre Anpassung. Auch er gab aber zu, dass Anpassung zu keinem perfekt optimierten Prozess führe, weil "stochastische Prozesse und andere Constraints" und Peiotropie eine perfekte Adaption verhinderten.
Schon Darwin hat die Möglichkeit einer perfekten Anpassung verneint.
Pleiotropie (πλείων/pleíōn - mehr; τροπή/tropē - Wende, Veränderung) meint in der Genetik die Ausprägung unterschiedlicher phänotypischer Merkmale durch ein einzelnes Gen.

Daniel Dennett kritisiert, dass Gould et al. zwar den Darwinismus in einigen Punkten kritisiert hätten, dass das Gesamtgebäude des Darwinismus aber nie erschüttert worden sei. Dennett stört sich besonders an den Thesen in Goulds Aufsatz "The Spandrels of San Marco and the Panglossian Paradigm" von 1979.