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Sonntag, 21. April 2024

BIOLOGIE: EINE ÜBERSICHT WICHTIGER KULTURPFLANZEN (v. a. MITTELEUROPA)

Der symbolische Stammbaum der biologischen Arten



DIE TAXONOMIE DER SAMENPFLANZEN (V. A. BEDECKTSAMER)

Hier kann nicht detailliert auf die Taxonomie eingegangen werden.
Eine Taxonomie (altgriech. τάξις táxis ,Ordnung’ und νόμος nómos ,Gesetz’) ist ein einheitliches Verfahren/Modell/Klassifikationsschema, mit dem Objekte nach bestimmten Kriterien klassifiziert werden.

Grundsätzlich gilt in der taxonomischen Einteilung die Merkregel:
"(LD.)RS.KOFGA"
  • Lebewesen
  • Domäne (Dominium): Eukaryoten, Prokaryoten, Archaeen (früher: Urbakterien)
  • Reich (Regnum): Tiere, Pilze, Pflanzen und ggf. Chromista (alle innerhalb der Eukaryoten)
  • Stamm/Abteilung (Phylum/Divisio)
  • Klasse (Classis)
  • Ordnung/"Gruppe" (Ordo)
  • Familie (Familia)
  • [Tribus]
  • Gattung (Genus)
  • Art (Species)

Steigen wir im Reich der Pflanzen beim Stamm/Abteilung ein:
Die Abteilung der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) kennt die Unterabteilung der Samenpflanzen (Spermatophytina).
Diese werden wiederum unterteilt in die Klassen Nacktsamer (Gymnospermae) und Bedecktsamer bzw. Angiospermen (Magnoliopsida).
In der Klasse der Nacktsamer sind die Samenanlagen nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen. Dies stellt den ursprünglichen Zustand der Samenpflanzen dar. Zu den Nacktsamern gehören Gnetales, Koniferen, Ginkgopflanzen und Palmfarne.
Die Klasse der Bedecktsamer hat die weitaus meisten Arten. In ihr gibt es mehrere Ordnungen: Amborellales, Nymphaeales (Seerosenartige), Austrobaileyales, Magnoliiden, Chloranthales, Monokotylodonen (Einkeimblättrige; wichtig!), Ceratophyllales (Hornblattartige) und Eudikotyledonen (wichtig!).
In der Klasse der Bedecktsamer lassen sich in der Natur diverse Pflanzenfamilien identifizieren:

  • Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae): Narzissengewächse
    Familie in der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) innerhalb der Monokotyledonen
  • Brennesselgewächse (Urticaceae):
    Familie in der Ordnung der Rosenartigen (Rosales) innerhalb der Bedecktsamer
  • Doldenblütler (Apiaceae/Umbelliferae):
    Familie in der Ordnung der Doldenblütlerartigen (Apiales)
  • Enziangewächse
  • Geißblattgewächse
  • Glockenblumengewächse
  • Hahnenfußgewächse
  • Knöterichgewächse
  • Korbblütler
  • Kreuzblütler
  • Liliengewächse
  • Lippenblütler
  • Malvengewächse
  • Mohngewächse
  • Nelkengewächse
  • Orchideen
  • Primelgewächse
  • Raublattgewächse
  • Rosengewächse
  • Rötegewächse
  • Sauerkleegewächse
  • Schmetterlingsblütler
  • Spargelgewächse
  • Storchschnabelgewächse
  • Veilchengewächse
  • Wegerichgewächse
  • Windengewächse
  • Wolfsmilchgewächse

 
 



 
A


Aster (Aster):
- Familie der Korbblütler (Asteraceae)
- Verbreitung: Eurasien

B

Bergenia (Bergenia):


Blaustern(chen) (Scilla):

C


Chrysantheme (Chrysanthemum):
- Familie der Korbblütler (Asteraceae)
- Verbreitung: hauptsächl. Ostasien
- Garten-Chrysanthemen können auch über "gefüllte" Blüten verfügen
- die Chrysantheme ist das Kaiserliche Siegel Japans

D


 Dahlie (früher auch Georginen):
- Familie der Korbblütler (Asteraceae)

F

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
Fingerhut (Digitalis):
- sehr giftig!
- verschiedene Namen
- Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae)


Forsythie (Forsythia):
  • Eigenerfahrung: wächst stabil und gibt in Hecken gelbe Akzente!


G

Gänseblümchen (Tausendschön) (Bellis perennis):
  • einheimische G. sind schön, aber hartnäckig;
    Ziergänseblümchen sind dagegen weniger stabil


H



Hortensie (Hydrangea):
- Pflanzengattung der Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae)
- einige Sorten ihrer Arten sind beliebte Ziersträucher, z. B. die Gartenhortensie


Hyazinthe (Hyacinthus):


I

(Netzblatt-)Iris (Iris reticulata):
  • Eigenerfahrung: Liliengewächse (h.: Schwertlilie) sind stabil!


K


Kokardenblume (Gaillardia):
- Namen: Papageienblume, Malerblume
- Familie der Korbblütler (Asteraceae)
- die Kokardenblume ist besonders in Nord- und Südamerika verbreitet - sie ist nach dem französischen Hobbybotaniker Antoine René Gaillard de Charentonneau benannt


Krokus (Crocus):


Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris):
  • Eigenerfahrung: Bauernoptik Ansichtssache, wächst aber stabil!


L

Leberblümchen (Hepatica nobilis):
  • Hauptblüte: März - April
  • Standort: Halbschatten - Schatten
  • Boden: kalkhaltig, humusreich, mäßig trocken, durchlässig
  • Eigenerfahrung: nicht zu feucht!

Lenzrose (Helleborus orientalis [Hybride]):


Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis):


M

Märzenbecher (Leucojum vernum)


Magnolie (Magnolia) - wird sehr groß!
  • Blüten in Tulpen- oder Sternform sehen gut aus, Pflanze wird aber sehr groß!


N

Narzisse (Narcissus):
  • Blüte: Februar - Mai
  • Standort: Sonne, Halbschatten
  • Boden: feucht, gut durchlässig, humos
  • Merkmale: Blüten in verschiedenen Farben


P

Primel (Primula):
  • Hauptblüte: März - Mai
  • Standort: Sonne - Halbschatten
  • feucht, durchlässig, humos
  • Merkmale: Blüten in verschiedenen Farben

R

Sorten des Hohen Rittersporns (Delphinium elatum-Hybriden)
Rittersporn (Delphinium):
- Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

S

Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens):
  • Eigenerfahrung: sieht gut aus, hält sich aber nicht lange!


Schneeball (Viburnum):
  • Hauptblüte: (November -) März - Mai
  • Standort: Sonne - Halbschatten
  • Boden: gut durchlässig, humos
  • Merkmale: duftende, kugelförmige Blütenstände


Schneeglöckchen (Galanthus):
  • Hauptblüte: Februar - März
  • Standort: Halbschatten - Schatten
  • Boden: durchlässig, feucht, humusreich

 

Schöterich (Erysimum):
  • Pflanzenfamilie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
  • einzige Gattung des Tribus Erysimeae
  • Schöterich tritt meistens in Gelb auf, wird aber auch in Weiß, Orange, Violett oder mehrfarbig verkauft
  • Eigenerfahrung: Schöterich ist oft kleinwüchsig, aber hartnäckig! 

Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
Schein-Sonnenhut (Echinacea):
  • von Griechisch ἐχῖνος/echinos - Seeigel
  • Familie der Korbblütler (Asteraceae)
  • Blüten mit großer Mitte, Blütenblätter schirmförmig nach unten gerichtet
  • bekannt als Arzneimittel, wenn auch umstritten in der Wirkung

T


Tulpe (Tulipa):


V

(Duft-)Veilchen (Viola oderata):


Vergissmeinicht (Myosotis):

  • Eigenerfahrung: kleine Blüten, sieht aber gut aus und hält sich stabil;
    inzwischen in verschiedenen Blautönen und sogar anderen Farben erhältlich!


Winterling (Eranthis hyemalis):


+++++

Samstag, 21. August 2021

BIOLOGIE (GARTEN): ERLEBNISBERICHT - ZWEITER GARTEN (AB 2021; INTERN)

Lila Blume mit flachem Foklus
Blütenmotiv, 50mm Obj. (pixabay/pexels/pixolum)


Nach unserem ersten Gartenversuch (extern) in den 2000ern haben wir dieses Jahr, 2021, einen neuen Versuch gestartet. Dieses Mal ist der Garten kleiner, übersichtlicher und hausnäher.

Wir haben aber einige der Erfahrungen aus dem ersten Garten übernommen - einige mussten auch erst wiedererinnert/wiedererlesen werden.

Das Grundkonzept soll insofern weitergeführt werden, als dass Beerenstauden als Nutzpflanzen (v. a. Brombeeren, Himbeeren und Blaubeeren) mit Blütenstauden kombiniert werden. Auch an einige Gewürzkräuter ist gedacht.
Bei den Blütenstauden verlassen wir uns aber nicht mehr so sehr auf eigene Anzucht, weil das zu Komplikationen geführt hat.
An ein richtiges Moorbeet, wie es damals geplant war, ist zwar nicht mehr gedacht, aber wir haben extra Pflanzenkübel für Pflanzen, die die saure Moorbeeterde benötigen.
Unklar ist bis jetzt auch noch, ob nicht wenigstens an einer kleinen Stelle ein angedeutetes Hochbeet angelegt werden soll. Insgesamt soll der Garten aber auf "Normalhöhe" bleiben.

Zur Auflockerung und Nährstoffanreicherung des Bodens verwenden wir Komposterde. Zum Abgrenzen des Beetes gegenüber der Hecke mit ihren Brennnesseln und Wildkräutern verwenden wir eine Mischung aus heimischem Rindenmulch und Pinienrindenmulch.

Japanische (Herbst-)Anemone und Basilikum, dahinter Heidelbeere im Moorbeettopf.
Aster (Herbststaude) und Heidelbeere "Pink Lemonade".
Davor Brombeere "Chester" und Pfennigkraut (Lysimachia).
Zinnie in 3 Farben vor Tomate & Basilikum vor Brombeere Oregon.
Die Sträucher drumherum tragen immer noch Schäden von der Trockenheit 2018.
Nachtaufnahme.
Vordergrund: Staudenmix (Mädchenauge, Margerithe, Bartnelke blühend), [Rosmarin,] Staudenmix (Tagetes, Mininelke blühend).
Zwischenbereich: [Hebe.]
Hintergrund: Echte Minze, Brombeere Chester, Lavendel.
Nachtaufnahme.
Vordergrund: Staudenmix, Löwenmäulchen, Staudenmix (mit Zwerglöwenmäulchen).
Mitte: Kokardenblume (Gaillardia), Brombeere Baby Cakes, Scheinsonnenhut (Echinacea p.).
Hintergrund: Kokardenblume (st. Gelbrand), Lücke/Flammendes Käthchen, Scheinsonnenhut.
Nachtaufnahme.
Dieselbe Situation bei Tag und mit Flammendem Käthchen mittig-hinten.

Vor Lichtquelle: Lobelie, Sonnenhut (Rudbeckia) und Schmuckkörbchen (Cosmos/-ea).
Rechts von Lichtquelle: Himbeeren Rubus idaeus fupi und Rubus idaeus Sumo.


Samstag, 7. August 2021

BIOLOGIE (GARTEN): NUTZBEET

Tomaten, Kräuter und Lauch (ergänzt von Tagetes)
(...)

In einem Nutzbeet kann man vielfältige Nutzpflanzen anpflanzen. Ein Nutzbeet bzw. Nutzgarten kann aus Obst, Gemüse, Kräutern o. ä. bestehen.
Obst wird bei Wikipedia wie folgt definiert: "Obst ist ein Sammelbegriff der für den Menschen roh genießbaren, meist wasserhaltigen Früchte oder [von] Teilen davon (beispielsweise Samen), die von Bäumen, Sträuchern und mehrjährigen Stauden stammen."
Wir gehen hier primär von Stauden und kleinen Sträuchern aus und nicht von großen Bäumen.
Einige Nutzpflanzen, insbesondere Beerenobstpflanzen, können auch als/zur Beetbegrenzung eingesetzt werden.


OBST

Beispiele für Beerenobst:

Brombeeren:
Die Brombeere (Rubus [fruticosus]) ist eine Sektion (hierarchische Stufe unter Gattung und Untergattung) innerhalb der Gattung Rubus aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
Brombeeren sind weit verbreitet in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel und wachsen wie Himbeeren an Waldrändern oder Waldlichtungen. Sie benötigen sonnige oder halbschattige Lagen, neigen aber im Gegensatz zu Himbeeren mehr zu Sonne. Die Böden sollten kalk- und stickstoffreich sein. Insgesamt sind Brombeeren (wenn auch sortenabhängig) robuster als Himbeeren.
Brombeeren werden aufgrund ihres süß-säuerlich-fruchtigen Geschmacks vielfältig als Lebensmittel verwendet. Man kann aber auch ihre Blätter für Arzneitees einsetzen. Sie enthalten Gerbstoffe (Gallotannine und dimere Ellagitannine) Flavonoide und Fruchtsäuren (Zitronensäure, Isozitronensäure und bedingt Vitamin C).


Himbeeren:

Die Himbeere (Rubus idaeus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rubus innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Der Name Rubus idaeus wurde von Carl von Linné veröffentlicht, aber schon in der Naturalis historia von Plinius dem Älteren als Idaeus rubus erwähnt, die nur in einem griechischen Ida-Gebirge wachsen solle (Lokalisierung unklar). Weitere Erwähnungen gibt es bei Pedanios Dioskurides (1. Jhd. n. Chr.) und Krateuas (ca. 100 v. Chr.).
Die wilde Himbeere ist im gemäßigten bis borealen Europa und Westsibirien weit verbreitet. Die Himbeere tritt an Waldrändern und in Waldlichtungen auf und bevorzugt kali- und nitratreiche Böden in sonnigen bis halbschattigen Lagen. Sie gilt als "Waldpionier". Ihr Gewebe verträgt aber keine Vollsonne. Stattdessen gedeiht sie in kühlen Sommerlagen mit hoher Luftfeuchtigkeit am besten. Ihre Wurzeln vertragen auch keine Staunässe und sind empfindlich gegenüber Wurzelkrankheiten.
Neben ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wurde die Himbeere in Ost-Nordamerika, Grönland und Neuseeland eingebürgert.
Kultivierte Himbeeren können ihre Früchte im Sommer oder im Herbst oder mehrmals tragen. Die Beeren sind meist rot, es gibt aber auch goldgelbe und sogar schwarze Zuchtformen.

Rote Sommerhimbeeren:
- Elida
- Himboqueen
- Himbostar
- Malling Promise
- Meeker
- Preußen Auslese: stabiler Wuchs, aber anfällig für die Rutenkrankheit
- Schönemann
- Tulamagic
- Willamette
- Zefa 2

Gelbe Sommerhimbeeren:
- Fallgold
- Golden Queen

Rote Herbsthimbeeren:
- Aroma Queen
- Autumn Bliss
- Fallred Streib
- Heritage
- Himbo-Top
- Korbfüller
- Sumo: starker Wuchs, Ernte von August bis Oktober 

Gelbe Herbsthimbeeren:
- Autumn Amber
- Golden Bliss
- Golden Everest
- Herbstgold

Schwarze Himbeeren:
- Deep Purple
- Bristol
- Black Jewel
- Royalty

Twotimer-Himbeeren:
- Isabel
- Resa
- Sugana


Heidelbeeren:

Heidelbeere ist ein Begriff, der im engeren und im weiteren Sinne verwendet wird.
Im weiteren Sinne meint Heidelbeere die Pflanzengattung Vaccinium, im engeren Sinne die Art Vaccinium myrtillus, also die in Europa beheimatete Waldheidelbeere. Die Gattung Vaccinium stammt wiederum von der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) ab.
Entsprechend wird auch der Begriff "Blaubeere" manchmal enger und manchmal weiter verwendet.
Die Kulturheidelbeere stammt dagegen von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) und ähnlichen Arten ab. Deren Beeren sind größer und haben ein helleres Fruchtfleisch, dass im Mund keine so starke Blaufärbung verursacht.
In den USA erfolgt auch die größte Heidelbeerernte der Welt.
Heidelbeeren sind nicht nur wohlschmeckend, sondern sie fungieren auch als Arzneimittel. Dazu verwendet man getrocknete oder gefrorene Beeren oder Blätter. Bei letzterem muss man jedoch aufgrund des Chromgehaltes und anderer Giftstoffe vorsichtig dosieren!
Hauptwirkstoffe in den Früchten sind Catechingerbstoffe, dimere Proanthocyanidine, Anthocyanidine (wie z. B. Astragalin), Flavonoide, Caffeoylsäuren, Fruchtsäuren, Pektine und Invertzucker.
In den Blättern befinden sich außer Gerbstoffen Iridoide, Phenolcarbonsäuren, in geringer Menge Chinolizidinalkaloide, höchstens in Spuren Arbutin und Hydrochinon, sowie ein relativ hoher Gehalt an Chrom und Mangan.
Medizinisch stärken Heidelbeeren das Immunsystem und wirken gegen Krankheitserreger und als Antioxidantien ("Radikalfänger"). Für letzteres sind u. a. Anthocyane verantwortlich, die die Blätter der Heidelbeere im Herbst sehr bunt färben.
Heidelbeerpräparate können auch kleine innere und äußere Wunden schließen.


Johannisbeeren:
Johannisbeeren (Ribes) sind die einzige Gattung in der Familie der Stachelbeergewächse. Im bajuwarischen Sprachraub spricht man auch von Ribiseln und im südwestdeutschen Sprachraum von Träuble. Der Name Johannisbeere leitet sich vom Johannistag (24. 06.) her, an dem in etwa die ersten Sorten reif werden. Die lateinische und italienische Bezeichnung Ribes stammt seltsamerweise von einer im Libanon wachsenden Rhabarberart (arab. ribâs) ab.
Die Johannisbeere bildet meist traubige Blütenstände, es gibt aber auch reduzierte Blütenstände.
Die Fruchttrauben können dann rot, schwarz oder weißgelb sein.
Das Hauptverbreitungsgebiet der Johannisbeere besteht aus den gemäßigten Klimagebieten der Nordhalbkugel. Die Gattung kommt aber auch in den Anden und in China vor.
Russland spielt in der weltweiten Johannisbeerproduktion die führende Rolle.


GEMÜSE

Aus agrarökonomischen Gründen wendet man im Gemüsebeet gerne eine Fruchtfolge an.
Dazu wird das Beet weiter unterteilt.
Im jährlichen Wechsel werden Starkzehrer (Kohl, Mangold, Kürbisse), Schwachzehrer (Zwiebel, Wurzelgemüse oder Kartoffel) und Hülsenfrüchte angebaut.
Bei der Pflanzung wird darauf geachtet, dass sich die Pflanzen weder physisch noch chemisch in die Quere kommen und möglichst sogar eine Schädlingsabwehrt stattfindet.


QUELLEN:

Wikipedia
-
www.plantura.garden

Samstag, 24. Juli 2021

BIOLOGIE (GARTEN): BLÜTENBEET/ZIERBEET

Sonnenblume, Blumen, Blumenbeet, Blumenwiese
Sonnenblume in einem Blumenbeet. (pixabay.com; Capri23auto)


EINFÜHRUNG

Eine besondere Art, ein Beet anzulegen, ist die Anlage eines Blumen- oder Zierbeetes.
In der Literatur spricht man oft von einem Ziergarten oder von einem (etwas anders angelegten) Bauerngarten, obwohl die historischen Bauerngärten oft mehr dem Nutzen als der Zierde zu dienen hatten. Heute meint man häufig einen Garten mit einer Mischung aus Zier- und Nutzpflanzen.
Für einen solchen Garten suche man sich schöne Blütenstauden aus.
Der Begriff Staude ist biologisch gar nicht so genau definiert. Üblicherweise meint man darunter eine mehrjährige, dicht wachsende und nicht verholzende Pflanze in Abgrenzung zu einem Busch. Es gibt allerdings auch Zwischenstufen.

Es gibt natürlich viele schöne Zierpflanzen für so ein Blumenbeet.
Zu beachten sind einige Kriterien.
  • Wuchshöhe
  • Wuchsbreite
  • Wuchsart: rund? trichterförmig? ist eine Rankhilfe nötig?
  • Lichtverhältnisse: Sonne, Halbschatten oder Schatten
  • Blütezeit
  • pH-Wert (Moorbeetpflanzen benötigen z. B. besonders saure Böden)
  • Calciumbedarf
Bei den Blütenstauden gibt es sehr viele schöne Pflanzen. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Möchte man einen schnellen und preisgünstigen Einstieg, so kann man z. B. Margeriten (Leucanthemum; Grundfarbe: weiß; heute auch andere Farben) mit Mädchenaugen (Coreopsis; Grundfarbe: gelb) kombinieren. Beide Optionen sehen schön aus und passen auch biologisch gut zueinander. Beide sind Korbblütler (Asteraceae).
Doch auch hier muss man aufpassen: Margeriten sind nur teilweise wintertauglich!

Bei Stauden ist auch optisch zu definieren, ob man "klassisch" alleinstehende Blüten haben will, Blüten in Trauben oder Dolden oder vielleicht eine Mischung verschiedener Formen.
Ferner könnte interessant sein, ob eine Pflanze bestimmte Insekten (z. B. Bienen, Schmetterlinge) anzieht. Auch untereinander können sich Pflanzen anziehen, abstoßen oder neutral sein.
Außerdem ist die Bedrohung durch Tiere, Pflanzen, Pilze und/oder Krankheiten zu berücksichtigen.
Schließlich sind noch die Blütezeit und -dauer wichtig. Gärtner möchten häufig, dass die Pflanzen möglichst lange blühen. Das kann aber zu einer Erschöpfung führen.
Oft ist es besser, Frühblüher, Sommerblüher, Spätblüher und vielleicht sogar Winterblüher zu kombinieren.


DIE TAXONOMIE DER SAMENPFLANZEN (V. A. BEDECKTSAMER)

Hier kann nicht detailliert auf die Taxonomie eingegangen werden.

Bislang haben wir v. a. menschliche Vorstellungen von den Pflanzen erwähnt.
Doch von der Natur selber her lassen sich wichtige Einteilungen vornehmen.

Die Abteilung der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) kennt die Unterabteilung der Samenpflanzen (Spermatophytina).
Diese werden wiederum unterteilt in die Klassen Nacktsamer (Gymnospermae) und Bedecktsamer (Magnoliopsida).
In der Klasse der Nacktsamer sind die Samenanlagen nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen. Dies stellt den ursprünglichen Zustand der Samenpflanzen dar. Zu den Nacktsamern gehören Gnetales, Koniferen, Ginkgopflanzen und Palmfarne.
In der Klasse der Bedecktsamer lassen sich in der Natur diverse Pflanzenfamilien identifizieren:

  • Amaryllisgewächse ()
  • Brennesselgewächse
  • Doldenblütler
  • Enziangewächse
  • Geißblattgewächse
  • Glockenblumengewächse
  • Hahnenfußgewächse
  • Knöterichgewächse
  • Korbblütler
  • Kreuzblütler
  • Liliengewächse
  • Lippenblütler
  • Malvengewächse
  • Mohngewächse
  • Nelkengewächse
  • Orchideen
  • Primelgewächse
  • Raublattgewächse
  • Rosengewächse
  • Rötegewächse
  • Sauerkleegewächse
  • Schmetterlingsblütler
  • Spargelgewächse
  • Storchschnabelgewächse
  • Veilchengewächse
  • Wegerichgewächse
  • Windengewächse
  • Wolfsmilchgewächse

 
 




FRÜHBLÜHER

Frühblüher nennt man die Pflanzen, die als erste Laub und Blüten bilden. Sie sind oft niedrig und wachsen im Schatten von Wäldern. Durch das frühe Blühen können sie die Sonnenstrahlen nutzen, bevor die Bäume ihr Blätterdach ausgebildet haben.
Dieses frühe Wachstum ist durch Energiespeicher möglich, wie Zwiebeln, Knollen oder Rhizome.
Gegen die Kälte können sich Frühblüher durch niedriges Wachstum, dichtes Laub oder die Einlagerung von Salzen oder anderen Frostschutzmitteln schützen. Ihre Samen sind oft frostresistent mit einem hohen Stärkeanteil.

Beispiele (Erwähnung in mehreren Gruppen möglich):
  • Bergenia (Bergenia)
  • Blaustern(chen) (Scilla)
  • Forsythie (Forsythia)
  • Gänseblümchen (Tausendschön) (Bellis perennis)
  • Gemswurz (Gämswurz) (Doronica)
  • Hyazinthe (Hyacinthus)
  • (Netzblatt-)Iris (Iris reticulata) - Schwertlilie!
  • Krokus (Crocus)
  • Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis)
  • Lenzrose (Helleborus orientalis [Hybride])
  • Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
  • Märzenbecher (Leucojum vernum)
  • Magnolie (Magnolia) - wird sehr groß!
  • Narzisse (Narcissus)
  • Primel (Primula)
  • Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens)
  • Schneeball (Viburnum)
  • Schneeglöckchen (Galanthus)
  • Tulpe (Tulipan)
  • (Duft-)Veilchen (Viola oderata)
  • Vergissmeinicht (Myosotis)
  • Winterling (Eranthis hyemalis).


SOMMERBLÜHER

Im Sommer erblühen Gärten und Balkone besonders prächtig. Ihr Artenreichtum und ihre Farb- und Formenvielfalt sind groß.

Sommerblüher sind Pflanzen, deren Blütezeit sich über den Sommer erstreckt. Sie kann aber über diesen hinausgehen - manchmal von Ende April bis Anfang Oktober.
Viele Sommerblüher sind keine heimischen Arten, sondern stammen aus wärmeren Gebieten. Einige sind deshalb nicht winterhart!
Viele einjährige Sommerblüher blühen zwar üppig und lange, müssen aber für das nächste Jahr erneut angepflanzt werden.
Es gibt aber auch einige mehrjährige Sommerblüher. Das sind Stauden, die im Sommer wochenlang blühen, aber trotzdem winterhart sind. Häufig sind das einheimische Stauden, die sowieso an Region und Klima angepasster und robuster sind.
Die sichtbaren Pflanzenteile sterben im Herbst/Winter ab.
Man muss aber wissen, dass eine sehr lange Blütezeit die Pflanze zwar für Menschen attraktiv macht, sie aber sehr viel Energie kostet.
Ökonomisch gesehen muss man sagen: Einjährige Pflanzen gehen ins Geld.
Einige Gärtner bevorzugen sie aber, weil sie dann ihre Beete und Kübel völlig neu gestalten können.
So oder so: Sommerblüher sind gut für einheimische Insekten!


Beispiele (Erwähnung in mehreren Gruppen möglich):
  • Aster (Aster)
  • Bartfaden (Penstemon) - aus Amerika
  • Bechermalve (Lavatera trimestris)
  • Begonie (Begonia semperflorens)
  • Chrysantheme (Chrysanthemum)
  • Dahlie (Dahlia)
  • Eisenkraut (Verbena) - Vielzahl von Arten und Sorgen; z. B. Nachbar v. Blutweiderich
  • Elfenspiegel (Nemesia) - zahlreiche Sorgen; auch zweifarbig
  • Fächerblume (Scaevola aemula)
  • Fingerhut (Digitalis) - sehr giftig!
  • Fleißiges Lieschen (Impatiens walleriana) - einjährig, schneller Wuchs
  • Fuchsie (Fuchsia) - nach unten hängende Blüten, verschiedene Farben
  • Blaues Gänseblümchen (Brachycome multiflora)
  • Hortensia (Hydrangea)
  • Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
  • Kokardenblume (Gaillardia)
  • Löwenmäulchen (Antirrhinum)
  • Mädchenauge (Coreopsis)
  • Margerite (Leucanthemum)
  • Mohn (Papaver):
    • Der Scheinmohn ist zwar nicht mit dem Mohn identisch, aber verwandt!
  • Nelke (Dianthus):
    • Vorkommen auf der gemäßigten Nordhalbkugel!
  • Phlox
  • Scheinmohn
  • Sonnenauge
  • (Stauden-)Sonnenblume
  • (Schein-)Sonnenhut (Echinacea)
  • Sonnenbraut










Löwenmäulchen

Mädchenauge (Coreopsis)
Margerite (Leucanthemum)

Mohn
Nelke

Phlox

Scheinmohn:
- trotz des Namens entfernt mit papaver-Mohn verwandt
- gelbe Sorten in Europa (Iberische Halbinsel, Britische Inseln)

Sonnenhut


HERBSTBLÜHER/SPÄTBLÜHER

Beispiele (Erwähnung in mehreren Gruppen möglich):
  • (Japanische) Herbst-Anemone (Anemone hupehensis) - Windröschen aus Ostasien!
  • Berg-Astern/Herbst-Aster
  • Pyrenäen-Aster
  • Chrysantheme - farbenfroher Spätblüher, aber auch Schneckenliebling!
  • Herbst-Eisenhut (Aconitum carmichaelii) - verschiedene Sorten, giftig!
  • Fetthenne - nicht zuviel Wasser (Wurzelfäule)!
  • Gelenkblume
  • Indianernessel
  • Kerzenknöterich
  • Montbretien - Vorsicht bei Staunässe und Frost!
  • Phlox - Sorten für mehrere Jahreszeiten!
  • Prachtkerze (Oenothera lindheimeri/Gaura lindheimeri) - nicht besonders winterhart!
  • Riesen-Goldruten
  • Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • (Stauden-)Sonnenblume
  • Sonnenbraut
  • Sonnenhut - vgl. Spätsommer!
  • Herbst-Steinbrech (Saxifrage cortusifolia)
  • Wasserdost


WINTERBLÜHER


QUELLEN:

Wikipedia
www.stauden.de/eisen-und-fingerhut.html
wiki.wisseninklusiv.de/pflanzenfamilien-bluetenpflanzen-zum-ausdrucken/
-
www.mein-schöner-garten.de
www.ndr.de/ratgeber/garten/zierpflanzen/Diese-Stauden-bluehen-im-Spaetsommer-und-Herbst,herbststauden102.html
utopia.de/ratgeber/die-schoensten-sommerblueher-und-wie-du-sie-pflegen-kannst/

Donnerstag, 31. Dezember 2015

FOUCAULT, MICHEL

 
Michel Foucault

* 15.10.1926, in Poitiers
+ 25.06.1984, in Paris

Michel Foucault (Paul-Michel Foucault) war ein französischer Philosoph, der sich auch mit psychologischen, historischen, politischen und biologischen Themen auseinandersetzte.
Von 1970 - 1984 war er Inhaber des Lehrstuhls für die "Geschichte der Denksysteme" am Collège de France in Paris.
Wirkmächtig wurden seine Theorien auch dadurch, dass er die damals populären Ideen von Karl Marx mit denen von Friedrich Nietzsche verband und somit zu einer kritischen Analyse von Machtstrukturen fand.


JUGEND

Foucault wuchs in den 1920er- und 1930er-Jahren in der Gegend von Poitiers auf und stammt aus einer Familie mit hohen Bildungsansprüchen. Sein späterer Wunsch, Philosophie und Psychologie zu studieren und nicht Medizin traf bei seinem Vater auf wenig Gegenliebe.

1940 bekam er den Krieg mit dem Deutschen Reich mit und die darauf folgende Etablierung des Vichy-Régimes im sog. État Francais. In der Schule wurden Juden und andere jetzt unerwünschte Gruppen schikaniert und Loblieber auf den neuen Staatschef, Marschall Pétain, gesungen ("Marechal, nous voila"). 
1945 bekam Foucault mit, wie plötzlich viele, die eben noch Pétainisten waren, zu Gaullisten oder Kommunisten wurden und behaupteten, im Widerstand gewesen zu sein.

Foucault unterschied sich auch dadurch von der Norm, dass er homosexuell war. Dies bereitete ihm lange Probleme bis hin zu Selbstmordversuchen.


UNIVERSITÄTSLAUFBAHN


Werke

Foucault entschied sich nach der Schule für eine philosophische-psychologische Universitätslaufbahn und publizierte 1961 seine erste größere Studie mit dem Titel "Folie et déraison. Histoire de la folie à l'âge classique" (dt. "Wahnsinn und Gesellschaft"). Dieses ca. 500-seitige Werk, das auch seine Doktorarbeit war, befasst sich mit der Thematisierung und Problematisierung des Wahnsinns in den modernen, abendländischen Vernunftgesellschaften.
Im Jahr 1966 erlangte er internationale Aufmerksamkeit mit seinem Werk "Les Mots et les choses" (dt. "Die Ordnung der Dinge") und ging ab September '66 an die Universität Tunis.
Es folgten 1969 die "Archäologie des Wissens", 1975 "Surveiller et punir" (dt. "Überwachen und Strafen") sowie 1976 der erste Band der "Histoire de la sexualité" (dt. "Sexualität und Wahrheit").
Dieser erste Band namens "La volonté de savoir" (dt. "Der Wille zum Wissen") führt auch den später berühmten Begriff der "Biomacht" ein (vgl. Giorgio Agamben).


Denksysteme

Foucault widmete sich in seinen Werken nicht nur philosophischen, sondern auch historischen, psychologischen und später politischen Fragen. In seiner Lehrzeit war es unter französischen Intellektuellen üblich ("in"), kritisch bis radikal-kritisch aufzutreten. Foucault schloss sich dem auf seine Weise an, war aber nur kurz Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.
Er präsentierte in seiner Kritik aber nicht nur zeitgeistigen Einheitsbrei, sondern kombinierte z. B. auf spannende Art Marx mit Nietzsche, was ihm in seinen Analysen der Macht half.
Er betrachtete gewisse Rationalitäten und Grunderfahrungen der "westlichen Gegenwartsgesellschaften" kritisch. Begriffe wie Wissen und Wahrheit hinterfragte er genauer. Foucault verwendete mit der Zeit das Wort "Wahrheitsspiele".
In den 1960er-Jahren erforschte er gesellschaftliche Diskurse mit der Methode der Wissensarchäologie, später auch Diskursanalyse genannt.
In den 1970er-Jahren wendete er sich zunehmend der Untersuchung der Wirkungsweisen der Macht zu.
1976 entwickelte er am Ende von "La volonté de savoir" (1. Bd. der "Histoire de la séxualité") den Begriff der "Biomacht", den er aber nicht mehr ganz genau ausführen konnte.
Nach Foucault lebte der Begriff der Biomacht weiter (z. B. Agamben) und wurde mit ihm verbunden.
Kurz gesagt trennte Foucault den Begriff in "anatomische Politik" (Individuum) und "Bio-Politik" (Bevölkerungsregulierung) und führte ihn in den Zuständen und Prozessen Geburtenrate, Alterskurve, Gesundheitszustand etc. aus.
In seinen späten Arbeiten entwickelte und verwendete Foucault zahlreiche Verfahren zur Machtanalyse.
Viele stammten von ihm. Diese "Werkzeuge" ("Werkzeugkisten") waren z. B. die an Nietzsche angelehnte gegenwartskritische Genealogie, der Begriff des Dispositivs und das Konzept der modernen Gouvernementalität.
Foucault wurde häufig dem Poststrukturalismus zugeordnet, obwohl er sich und sein Werk nicht gerne einordnen ließ.


Politischer Aktivismus

Foucault wollte jedoch nicht nur über politisch-philosophische Fragen theoretisieren, sondern sich auch direkt in den politischen Diskurs und die Praxis einmischen. In den frühen 1970er-Jahren setzte er sich mit Jean-Paul Sartre und anderen Intellektuellen für eine Liberalisierung des Gefängniswesens ein.
(In diesem Jahrzehnt gelang auch dem französischen "Superkriminellen" Jacques Mesrine, der durch die chaotische Nachkriegszeit und den Algerienkrieg brutalisiert worden war, die spektakuläre Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis, bis er am Ende des Jahrzehnts in eine ihm gestellte Falle im Straßenverkehr geriet und von Kugeln durchsiebt wurde.)
1977 unterzeichnete Foucault gemeinsam mit weiteren französischen Intellektuellen – darunter Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Louis Althusser, Roland Barthes und Jacques Derrida - eine Parlamentspetition, die eine Legalisierung pädosexueller Kontakte bei einem niedrigen Schutzalter forderte.
Später wurde diskutiert, ob Foucault in seinem Leben selber heimlich - z. B. in Nordafrika - pädophilen Neigungen nachgegangen sein könnte. Dies gilt aber als nicht bewiesen. In den 1970ern-Jahren hatten neben vielen französischen Linksintellektuellen und Alternativenbewegungen auch die entstehenden deutschen Grünen ein aus heutiger Sicht erstaunlich laxes Verhältnis zur Pädophilie.
1978 besuchte er auf Einladung von "Corriere de la Serra" den Iran und spürte die bevorstehende Revolution, mit der er anfangs auch sympathisierte. Aus heutiger Sicht erscheint das kurzsichtig.
In den frühen 1980er-Jahren engagierte Foucault sich mit Pierre Bourdieu für die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc".


Sexualität und Tod

Foucault litt wie erwähnt unter der in seiner Zeit noch weit verbreiteten Tabuisierung von Homosexualität und unternahm Selbstmordversuche.
Durch die von den Küstengebieten der USA ausgehende sexuelle Befreiung seit den späten 70ern fühlte er sich angesprochen. Anfang der 1980er-Jahre lehrte er sogar an der Universität von Kalifornien in Berkeley, die damals als besonders rebellisch galt. Nach den Vorlesungen genoss er die größeren sexuellen Freiheiten aktiv in San Francisco.

Leider dauerte für Foucault die Phase der sexuellen Freiheit nicht lange an. Anfang der 80er-Jahre begann sich die auf dem HI-Virus basierende Immunschwächekrankheit AIDS (anfangs: GRID) explosionsartig auszubreiten. Foucault erkannte die Gefahr nicht oder tat sie sogar als amerikanische Hysterie ab.
Dies wurde sein Todesurteil. Er infizierte sich mit dem HI-Virus, bekam AIDS, kehrte Ende 1983 nach Frankreich zurück, hielt im März 1984 seine letzte Vorlesung am Collège de France und wurde dort in das berühmte Pariser Krankenhaus "Hôpital de la Salpêtrière" eingeliefert, über das er vorher geschrieben hatte.
Im Juni 1984 starb Foucault.

Kurz vor seinem Tod sind noch der zweite und der dritte Band von "Sexualität und Wahrheit" erschienen. Der vierte und letzte Band von "Les aveux de la chair" (dt. "Die Geständnisse des Fleisches") wurde sogar erst 2018 herausgegeben.


QUELLEN/LITERATUR:

Wiki
-
Rowohlt-Monographie über Foucault


Power

Mittwoch, 22. Oktober 2014

BIOLOGIE (GARTEN): ERLEBNISBERICHT - ERSTER GARTEN (2000ER; EXTERN)




Gartenarbeit kann sehr erfüllend, aber auch sehr anstrengend sein.
Wenn ein Garten erst einmal funktioniert, kann er neben der Arbeitstherapie/Ergotherapie auch einen ästhetisch grundierten Raum zur Einkehr bieten (Meditation, Kontemplation). Das wissen wir bereits seit der Antike. Denn nicht umsonst nannte man die Philosophenschule des Epikur nach dem Ort, an dem man sich traf "Kepos/κηπος", also Garten.
Da wir früher nur selten größere Grundstücke zur Verfügung hatten, haben wir uns in den späten 2000ern ein externes Gartengrundstück angemietet ("Schrebergarten"). Dieses war von Hecken eingerahmt und verlief ungefähr nördlich etwas keilförmig zu einem Zaun hin, von dem es abgeschlossen wurde.
Da wir aber nur das tiefer gelegene, nördliche Gebiet in Zaunnähe bepflanzt haben, war die Pflanzfläche dort ungefähr rechteckig mit der breiten Seite nach Norden zum Zaun hin.
Auf dem größeren Rest des Gartens befanden sich Rasen, ein Gartenhäuschen mit Brennofen (Bieraufguss!), ein kleines Häuschen für Generator und Werkzeuge und ein steinerner Rundgrill.
Das hölzerne Gartenhäuschen haben wir mit Technik versehen.


VORARBEITEN

Zunächst einmal muss der Boden grob vom Gras und anderen Gewächsen getrennt werden. Bei ebenen Böden reicht dafür ein Rasenmäher, in härteren Fällen greift man zur Sichel. Dabei achte man auch auf das Entfernen von Steinen oder anderen störenden Gegenständen.
Wenn man es mit einem Lehmboden zu tun hat, dann muss unter Umständen der Boden auch durchgepflügt werden. Dazu reicht ein kleiner Handpflug, z. B. von agria.
Man kann auch radikaler vorgehen und eine obere Bodenschicht abtragen. Das nann den Boden zwar für Pflanzen attraktiver machen, allerdings muss man wissen, das man sich damit auf intensive und langwierige Arbeiten einstellen kann.
Wenn der Schneckenbefall in der Region hoch ist (v. a. Nacktschnecken), dann muss man sich auch darum kümmern. Schneckengift und ggf. Alkoholfallen sorgen vorerst halbwegs für Ordnung.


BEETPLÄNE

Dann müssen natürlich noch die berühmten "Beetpläne" her. Dazu differenziert man erst die verschiedenen Arten von Beeten und überlegt sich dann, welche Pflanzreihen man im einzelnen erstellen will.

Merke: Bei der Bestückung von Beeten - das gilt besonders für Nutzbeete, ist es wichtig, darauf zu achten, dass man Pflanzen wählt (und richtig kombiniert), die sich nicht gegenseitig im Wachstum stören und die möglichst noch mögliche Fressfeinde abhalten. 

Grundmuster: Das Grundmuster sollte zunächst einmal aus Rechtecken oder Quadraten bestehen. Mit etwas mehr Erfahrung kann man dann auch "krumme" Wege in das Beet einbauen, damit es variantenreicher wirkt. 
Im Extremfall kann man sogar einen Labyrinthgarten anlegen.

Einfassung: Neben dem Grundmuster ist natürlich die Einfassung wichtig. Wir haben durch die Lage an einem Zaun an der Nordseite an diese Grenze eine Hecke (mit Rankstäben und Drähten; alternativ Rankstäbe mit 20 - 30 cm breiten Drahtkreisen) angelegt. Zur den Flanken haben wir wilde Beete angelegt. Im Süden befand sich der Rasen.
Grundsätzlich eignen sich zur Einfassung natürlich Hecken. Diese können gerne auch so nützlich sein wie die Nutzbeete. Man nehme dann Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren o. ä.
Man kann aber auch auf normalen Rasen oder aber Wildbeete (Ökobeete) setzen.

Anzucht: Das Hauptproblem ist, die Pflanzen erst einmal auf eine angemessene Größe zu bekommen. Anfangs sind wir ganz basal daran gegangen, uns Tütensamen im Markt zu kaufen und separat in Torftöpfen mit Planzerde anzuzüchten. Das ist zwar eine sehr gründliche Vorgehensweise, aber auch arbeitsintensiv und nicht gerade platzsparend. Geld kann man so auch nicht wirklich sparen.
Stattdessen empfiehlt es sich, wenn dies möglich ist, kostengünstige Setzlinge zu kaufen. So spart man sich eine Menge Arbeit. Bei speziellen Wünschen geht das natürlich nicht.

Zusatzelemente:
Neben dem Beet und seiner Einfassung kann man noch weitere gestaltende Elemente verwenden. Dazu gehören kleine Bäumchen - man muss dann aber sehen, dass man ihr Wachstum unter Kontrolle hält - Ranken samt Substrat oder Sträucher wie z. B. Rosensträucher.


Beet-Optionen:

  • Nutzbeet 1:
    Zwiebeln
    Möhren
    Tomaten
    Möhren
    Zwiebeln
  • Nutzbeet 2:
    Kohl
    Salat und Rettich
    Bohnen (z. B. Stangenbohnen)
    Salat und Rettich
    Mangold (oder freilassen)
  • Nutzbeet 3:
    Erbsen
    Lauch
    Kartoffeln
    Spinat
    Gurken
  • Nutzbeet 4:
    Mangold
    Rüben
    Kohl
    Rüben
    Mangold
  • Kräuterbeet:
    Basilikum
    Bohnenkraut
    Dill
    Kerbel
    Majoran
    usw.
  • Blumenbeet/Zierbeet (bei den Blumenbeeten sind fast beliebige Kombinationen möglich. Man kann aber auch auf Mischungen setzen):
    Wiesenblumen (Mischung)
    Schattenblumen (Mischung)
    Mohnblumen
  • Moorbeet (Vorsicht: saure Erde in Zusatztöpfen oder -wannen anlegen oder mit Folie abtrennen! sinnvoll ist die Kombination mit Hölzern und Steinen! Moorbeetpflanzen sind kalkempfindlich!):
    Rhododenren
    Hortensien (beliebte Zierpflanzen!)
    Orchideen (einige Arten)
    Lavendelheide
    Heidekraut
    Preiselbeeren
    Irische Glockenheide
    Nadelgehölze
  • Hecken (kein Beet im eigentlichen Sinne, aber gut zur Einfassung;
    man denke an die üblichen Gartenhecken):
    Zypressen
  • Nutzhecken:
    Brombeere (stärkerer Wuchs als Himbeeren, auch dornenlos)
    Rubus
    Himbeere (empfindlich für bestimmte Krankheiten, Farbvarianten inkl. gelb)
    Rubus idaeus
    Taybeeren (Kreuzung aus Brombeere und Himbeere)
    Johannisbeere (Farbvarianten)
    Ribes
    Heidelbeere (liebt saure Böden, mag auch große Höhen)
    Vaccinium
    z. B.
    Vaccinium myrtillus (Blaubeere), Vaccinium corymbosum (Amerik. Heidelbeere)



Wir haben auch einen Beetplan erstellt, der im Kern einem 4x4-Muster entsprach. Umrandet war dieser Beetkern auf der Rückseite von Hecken (Brombeere, Himbeere, rechts außen Johannisbeere), links von einem Brunnen und einigen Pflanzen, rechts von Rasen (potenzielle Zusatzbeete) und auf der Frontseite auch von Rasen, der später in zwei Zusatzbeete mit Blütenstauden und Gewürzpflanzen umgewandelt wurde (Konzept: Beetplan 1 (Variante C)).

Einiges an der Planung änderte sich während der Umsetzung. Einiges blieb auch Zukunftsmusik.
Die Blumen- bzw. Zierbeete blieben Stückwerk, einige Nutzbeetreihen wurden unregelmäßig gegossen und entwickelten sich nicht wie gewünscht (Gruppenorganisation!), die Wildkraut- und Schneckenbekämpfung war härter als gedacht, die Planung von Rankpflanzen an einem Grenzbaum wurde nur im Ansatz umgesetzt und speziell die Planung neuer Kleinbäume wurde gar nicht mehr umgesetzt.
Das Ende vom Lied war, dass das Projekt aufgegeben wurde und sich die Beteiligten stärker um die Gärten in ihrem Eigenheim kümmerten.





Donnerstag, 19. Dezember 2013

BIOLOGIE




Die Biologie erforscht die Erscheinungsformen lebender Systeme sowie ihre Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt.
Diese Systeme können unterschiedliche Ausprägungen haben, z. B.:
  • Mensch: Anthropologie (biolog. Anthropologie)
  • Tier: Zoologie
  • Pflanze: Botanik (= Phytologie)
Die taxonomische Einteilung der Lebewesen ist nicht so einfach, wie es aus früheren Schulbüchern scheint, sondern ständiger Wandlung unterworfen.
Modern ist eine Einteilung in 2 - 3 Domänen und 6 - 7 Reiche:

  • Eukaryoten 
  • Achäen (Urbakterien) ["Prokaryoten"]
  • Bakterien ["Prokaryoten"]

-> Eukaryoten: Tiere (Animalia), Pilze (Fungi), Pflanzen (Plantae);
                     Protista: Stramenoplie (Chromista), Protozoen/Urtierchen (Protozoa)

Ursprünglich wurde in der Taxonomie nur zwischen Tieren und Pflanzen unterschieden. Dann kamen einzellige Organismen (Einzeller) unter dem Namen Protisten hinzu. Dann trennte man die Pilze von den Pflanzen. In der Mitte des 20. Jhd.s wurde die fundamentale Unterscheidung zwischen Lebewesen mit Zellkern (Eukaryo(n)ten) und Lebewesen ohne Zellkern (Prokaryo(n)ten/auch: Monera) eingeführt. Einige Forscher sehen auch die Archäen (Urbakterien) als eigene Domäne, darunter Carl Richard Woese . Etwas andere Ansätze vertreten Forscher wie Thomas Cavalier-Smith.

Ab dem Taxon der Reiche existieren viele weitere Taxa:

  • Reich (Regnum); ggf. auch Unterreich (Subregnum)
  • Abteilung/Stamm (Divisio/Phylum)
  • Unterstamm (Subphylum)
  • Klasse (Classis)
  • Ordnung (Ordo)
  • Überfamilie (Superfamilia)
  • Familie (Familia)
  • Unterfamilie (Subfamilia)
  • Gattung (Genus)
  • Art (Species)
  • Unterart (Subspecies)
Merkformel: "RS-KOFGA"

Eine besondere Rolle kommt in der Taxonomie der Art (Species) zu. Diese wird aus verschiedenen Gründen heute noch nach "biologischer Art", "morphologischer Art" und "phylogenetischer Art" unterschieden.

Die Biologie verwendet seit Carl von Linné ("Systema Naturae") eine binominale Nomenklatur (binär).
Der erste Namensteil bezeichnet die Gattung, der Zweite ist das Beiwort (Epitheton) für die Art.
Bsp.: Wildpferd - equus ferus (Gattung: equus [Pferd]; Art: equus ferus [wildes Pferd/Wildpferd])
         Wolf         - canis lupus (Gattung: canis [Wolfs- und Schakalartige]; Art: canis lupus [Wolf])
                            ein Haushund wäre davon die Unterart canis lupus familiaris
         Wildkatze - felis silvestris (Gattung: felis [Katze]; Art: felis silvestris [Wildkatze, "Waldkatze"])
                           eine Hauskatze wäre davon die Unterart felis silvestris catus
         Feldhase  -  lepus europaeus (Gattung: lepus [Hase]; Art: lepus europaeus [Feldhase])
         Hausmaus - mus musculus (Gattung: mus [Maus]; Art: mus musculus [Hausmaus])


Biologische Teildisziplinen

Der Begriff "allgemeine Biologie" fasst folgende Teildisziplinen zusammen:
  • Biophysik (incl. Bionik) 
  • Biochemie
  • Molekularbiologie
  • Physiologie
  • Genetik (Vererbungslehre)
  • Anatomie
  • Histologie (Gewebelehre)
  • Zytologie (Zellenlehre)
  • Morphologie (Formenlehre)
  • Taxonomie (Systematik)
  • Paläontologie 
  • Phylogenie (Stammesentwicklung)
  • Ontogenie (Individualentwicklung)
  • Ökologie
  • Verhaltensforschung
Ein wichtiger Forschungsgegenstand der allgemeinen Biologie ist das Leben der Zellen.
Die wichtigsten Lebensvorgänge (Stoffwechsel, Fortpflanzung) stellen hierarchisch geordnete molekulare Prozesse dar, die an Zellen gebunden sind.
Dagegen befasst sich die spezielle Biologie mit systematischen Gruppen von Organismen, also mit Insekten (Entomologie) usw.


Der Begriff "spezielle Biologie" fasst u. a. folgende Disziplinen zusammen:
  • Insektenkunde (Entomologie)
  • Fischkunde (Ichthyologie)
  • Amphibien- und Reptilienkunde (Herpetologie)
  • Vogelkunde (Ornithologie)
  • Säugetierkunde (Mammalogie/Mammologie) 
  • Malakologie (Weichtierkunde) 
  • Pflanzenkunde (Botanik) 
  • Pilzkunde (Mykologie)
Man geht bei der Entwicklung des Tierreichs davon aus, dass sich wie in anderen Reichen aus Einzellern Vielzeller entwickelten.
Aus den einfachen tierischen Vielzellern (z. B. Schwämme) entstanden Gewebetiere (Eumetozoa; vielzellige Tiere mit echtem Zellgewebe - "Echte Vielzeller"), daraus Prot(er)ostomier/Urmünder (z. B. Weichtiere), die aber oft noch zu den Gewebetieren gerechnet werden und daraus wiederum einerseits Deuterostomier/Neumünder (Zweitmünder) und Wirbeltiere und andererseits Gliedertiere (z. B. Insekten).


Weiter kann man noch die "angewandte Biologie" abgrenzen. Die angewandte Biologie beschäftigt sich, wie der Name sagt, mit praktischen biologischen Problemen in der Land- und Forstwirtschaft, der Schädlingsbekämpfung, dem Natur- und Umweltschutz, dem Gesundheitswesen, der Lebensmittelüberwachung, der Abwasserreinigung und der Landschaftsgestaltung.


Biologiegeschichte


Die Erforschung von Lebensvorgängen und Lebewesen begann mit der Naturphilosophie in der griechischen Antike. Man sah die Natur meistens noch als geordneten Kosmos. Neben den griechischen Philosophen befassten sich auch Ägypter, Inder (Ayurveda) u. a. mit biologischen Themen.
Neben Interesse an Naturphilosophie oder speziell an der belebten Natur spielten auch medizinische Interessen eine Rolle.

Eine erste (bekannte) Systematisierung erfuhren wir mit Aristoteles. Er beschrieb Tiere anhand von Körperbau, Entwicklung und Lebensweise und versuchte sich an systematischen Gliederungen. Aus heutiger Sicht sind diese aber nur noch bedingt haltbar.
Die Botanik wurde von Aristoteles' Schüler Theophrast weiterentwickelt.

Im 2. Jhd. n. Chr. brachte der Arzt Galen (Galenos von Pergamon) die Medizin weit voran. In Pergamon gab es damals ein Asklepios-Heiligtum, das der Heilkunst gewidmet war. Galen erhielt weitere Inspirationen durch seinen Vater Nikos, durch seine Fahrt nach Alexandria, das ein damaliges Zentrum der medizinischen Forschung und durch seine medizinische Teilnahme an den Olympischen Spielen. Galen behandelte auch Gladiatoren, war als Truppenarzt tätig und versorgte in Rom Herrscher und Prominente.

Im europäischen Mittelalter war es mit der Entwicklung der Medizin nicht so weit her. Innovative Einflüsse kamen von Gelehrten der islamischen Welt, so von dem Perser Avicenna (latinisierte Namensform).

In der Renaissance begann man aber wieder, die empirisch fassbare Welt zu erforschen. Es kam zur Entdeckung neuer Arten und zu Fortschritten in der Anatomie. Hierzu gehören die Anatomen Andreas Vesalius und William Harvey (Blutkreislauf). Beide arbeiteten mit den Methoden des Experiments und der Beobachtung.
Die wissenschaftliche Klassifikation (Nomenklatur) von Organismen und Fossilien sowie die Verhaltensforschung wurde von Georges-Louis Leclerc de Buffon und Carl Linnaeus (von Linné) vorangebracht.
Ein weiterer Fortschritt brachte die Erfindung des Mikroskops. Die Welt der Mikroorganismen war bis dahin unbekannt. Jetzt war es auch möglich, sich mit den Zellen als Grundlage des Lebens zu beschäftigen.
Frühe Formen des Lichtmikroskops sollen Ende des 16. Jhd.s in den Niederlanden erfunden worden sein, als Erfinder der ersten "guten" Lichtmikroskope gilt Antoni(e) van Leeuvenhoek im 17. Jhd.
Das sich entwickelnde mechanistische Weltbild traf auch auf Gegenbewegungen wie die natürliche Theologie.

Im 18. und 19. entwickelten sich Botanik und Zoologie zu eigenständigen wissenschaftlichen Disziplinen. Lavoisier und andere studierten die Natur zunehmend mit chemischen und physikalischen Methoden. Alexander von Humboldt, der als grosser Entdecker galt, untersuchte die Beziehungen von Organismen und ihrer Umwelt. Sie erkannten die Abhängigkeit der Entwicklung der Organismen von ihrer geographischen Umgebung und schufen so die Grundlagen für Fächer wie Ökologie, Biogeographie und Verhaltensforschung.

Dadurch rückte die Artenvielfalt in das Zentrum der Betrachtung. Man erkannte auch, dass Arten aussterben können. Der Essentialismus wurde zunehmend abgelehnt. Dieser lehrte, dass es eine notwendige (ewige) Eigenschaft einer Sache gebe (lat. essentia - Wesen).
Die Zelltheorie brachte die Biologie und ihre Unterdisziplinen weiter voran und verbesserte das Verständnis von Organismen. Hinzu kamen Erkenntnisse aus Embryologie und Paläontologie. Damit waren wichtige Vorarbeiten für Darwins bahnbrechende Theorie von der Evolution der Arten durch natürliche Selektion geleistet. Vorstellungen einer "Urzeugung" wurden damit bis zum Ende des 19. Jhd.s an den Rand gedrängt. Stattdessen entwickelte man eine Theorie der Keimbahn, obwohl man erst rudimentäre Einblicke in die Genetik besass. Frühe genetische Erkenntnisse lieferten die Arbeiten von Gregor Johann Mendel. Leider dauerte es eine Weile, bis sich seine Ansichten durchsetzten. Im frühen 20. Jhd. entdeckte man seine Erkenntnisse erneut.

Von nun an wurde die Genetik aber deutlich in Angriff genommen. Thomas Hunt Morgan und seine Schüler brachten die Forschung intensiv voran. Sie vereinigten in ihrer neodarwinistischen Synthese die Prinzipien der Populationsgenetik mit der natürlichen Selektion. Dann schlugen James D. Watson und Francis Crick die Struktur der DNA (DNS) vor. Das "zentrale Dogma" der Molekularbiologie wurde etabliert. Damit ist eine 1958 von Francis Crick publizierte Hypothese gemeint, die den Informationsfluss zwischen den Biopolymeren DNA, RNA und Proteinen erklären wollte. Der Begriff Dogma wirkte griffig, wurde von Crick später aber als zu unkritisch bezeichnet. Er meinte einfach eine Hypothese.
Nun konnten weitere wissenschaftliche Disziplinen entstehen und es kam zur Aufspaltung der Biologie in eine "Biologie der Organismen" (Lebewesen) und eine Biologie der Zell- und Molekularbiologie.
Im späten 20. Jhd. entstanden aber auch gegenläufige Trends, die die Zweige der Biologie wieder zusammenführen wollten. Dazu gehört die Genomforschung und die Proteomik. Ein Proteom umfasst die Gesamtheit aller in einer Zelle oder einem Lebewesen unter definierten Bedingungen und zu einem definierten Zeitpunkt vorliegenden Proteine. Begriffe wie Proteom und Transkriptom sind im Gegensatz zum Genom eher statisch gedacht.
Auf jeden Fall sind in den Biowissenschaften und Lebenswissenschaften noch viele weitere Entwicklungen zu erwarten.

Montag, 4. November 2013

BIOLOGIE: NERVENGIFTE (SYNAPSENGIFTE)

Biohazard

Nawi-Pool

Biologie-Lexikon

Nervengifte (Neurotoxine) sind Gifte, die auf Nervenzellen und das Nervengewebe wirken. Sie stören v. a. Membranproteine und damit die Wechselwirkung in den Ionenkanälen. Die meisten bekannten Nervengifte sind Feststoffe wie Schwermetalle (Arsen, Cadmium, Blei, Quecksilber) und Flüssigkeiten wie Ethanol oder Formalin. Es gibt aber auch Gase wie Monophosphan.
Aus dem Alltag bekannt sind neben "Alkohol" (Ethanol) auch Atropin (Gift der Schwarzen Tollkirsche), Botulinumtoxin (Botox), Koffein, Kokain oder Nikotin.

Nervenzelle (Neuron) mit Axon


Übliche toxische Wirkungen erfolgen über die "schlaffe Lähmung" und die "starke Lähmung". Sie wirken dabei auf den Neurotransmitter Acetylcholin (ACh, Summenformel: C7H16NO2), einen der wichtigsten Neurotransmitter überhaupt, ein. Acetylcholin reagiert mit den Rezeptoren der subsynaptischen Membran und sorgt für eine Öffnung der Ionenkanäle. Diese wiederum sind wichtig für die Informationsübertragungen an Nervenzellen. Innerhalb eines Axons der Nervenzelle ist nämlich die Konzentration an Kaliumionen (und organischer Anionen) grösser und die der Natrium- und Chloridionen kleiner als im Aussenraum (extrazellulär).

Strukturformel von ACh

- schlaffe Lähmung:

Das indianische "Pfeilgift" Curare besetzt Rezeptoren der subsynaptischen Membran von neuromuskulären Synapsen. Der dort wirksame Transmitter ist Acetylcholin, das die Ionenkanäle an der subsynaptischen Membran öffnen soll. Curare ist molekular ähnlich aufgebaut wie Acetylcholin und konkurriert mit diesem. Anders als Acetylcholin werden seine Ionenkanäle jedoch nicht geöffnet und es kommt zu keiner Erregungsübertragung. Die Skelettmuskulatur wird ebenso gelähmt wie die Atemmuskulatur und es kann der Tod durch Atemlähmung eintreten. Die Herzmuskulatur wird jedoch nicht gelähmt.
Bei einigen Operationen kann Curare zur Entspannung bestimmter Muskelgruppen eingesetzt werden.

Eine ähnliche Wirkungsweise hat das in verderbendem Fleisch entstehende Botulinumtoxin ("Botox"). Es hemmt allerdings schon die Ausschüttung von Acetylcholin aus den synaptischen Bläschen, anstatt erst die Aufnahme von Ionen an den Synapsen zu blockieren. In der kosmetischen Medizin wird es in minimalen Dosen zur Faltenbekämpfung eingesetzt.

- starre Lähmung:

Nikotin wirkt ähnlich wie Acetylcholin und verstärkt damit dessen Wirkung. Es reagiert mit den Rezeptoren der subsynaptischen Membran und die Ionenkanäle werden geöffnet. Nikotin kann aber anders als Acetylcholin von der Acetylcholinesterase nicht gespalten werden. Die Muskulatur wird übermässig erregt und es kann zu Muskelzittern kommen. Würde man Nikotin direkt ins Blut geben, anstatt es z. B. zu rauchen, könnte es zu tödlichen Krämpfen der Atemmuskulatur führen.

Eine ähnliche Wirkung hat E 605, ein Insektizid, das aber auch als Mord- und Selbstmordgift bekannt ist. E 605 hemmt die Acetylcholinesterase, die Acetylcholin abbauen soll. Die Ionenkanäle sind nun durch das länger vorhandene Acetylcholin länger bzw. immer wieder geöffnet, so dass durch einen übermässigen Na+-Einstrom eine Übererregung ausgelöst wird. Vergiftungen mit E 605 oder ähnlichen Mitteln können zu starken Krämpfen und zum Tod durch (starre) Atemlähmung führen.

Vergleiche hierzu: Giftmorde (Murmillo-Blog)