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Sonntag, 26. Mai 2013

EMBLEMA XXVI - Ibo animis contra.


Ad Albertum a Steten, Patr. Augustn.

Dente fremens, oculis trux, spumans ore, feroxque
Pectore, vastat agros dum Calydonis aper:
Lecta manus iuvenum coeunt de gente Pelasga:
Conficitur telis hinc Meleagre tuis.
O quam fortis aper, media truculentus in ira,
Christicolum coetus vastat in orbe sacros.
Dii faciant, novus exurgat Meleagrus in armis:
Fortia qui caeso tela cruentet apro.

Tosend der Zahn, wild die Augen, schäumend der Mund und wild
die Brust, als der Kalydonische Eber die Felder verwüstet:
eine erlesene Schar Männer sammelte sich aus dem Pelasgischen Stamm:
Meleager, du hast ihn mit deinen Spiessen erlegt.
Oh, wie stark war der Eber, gereizt auf dem Höhepunkt seines Zornes,
C. verwüstet auf der Erde die heiligen Zusammenkünfte.
Die Götter mögen veranlassen, dass ein neuer Meleagros in den Waffen hervortritt:
der nach dem Tod des Ebers die tapferen Waffen mit Blut befleckt.


Die Figur des Meleager (Meleagros)

Meleager ist der Sohn von Althaia und Oineus. Oineus war der König von Kalydon in Aitolien. Als Vater wird auch der Kriegsgott Ares (Marx) genannt. Seine Geschwister sind Toxeus, Thyrcus, Lymenus, Deaineira, Eurimedea, Melanippe und Gorge.

Sieben Tage nach der Geburt von Meleager erschienen der Mutter die drei Moiren und verkündeten dem Neugeborenen Grossmut (Klotho) und Tapferkeit (Lachesis), warnen aber auch, dass das Kind nur so lange am Leben bleibe, wie der auf dem Herd brennende Holzscheit nicht verbrannt sei (Atropos). Althaia nimmt daraufhin das Holz aus dem Feuer und bewahrt es auf.

Meleager heiratete später Kleopatra und zeugte mit ihr eine Tochter, Polydora.

Meleager wurde durch seine Heldentaten berühmt und nahm schon in jungen Jahren an der Argonautenfahrt nach Kolchis teil (Goldenes Vlies; mit Iason, Laokoon u. a.). Er gewann auch den Preis für das Speerwerfen bei den Leichenspielen des Akastus.
Als Meleager in seine Heimat Kalydon zurückgekehrt war, trieb dort der Kalydonische Eber sein Unwesen. Artemis wollte als Göttin der Jagd die Eltern des Meleager dafür bestrafen, dass sie ihr Opfer vergessen hatten. Meleagros sammelte seine Gefährten zur Jagd. Die Teilnehmer waren neben Iason auch Kastor und Pollux, Idas, Lynkeus, Peleus, Admetos, Pirithous, Caeneus, Theseus und Atalante. Atalante, die einzige Frau in der Gruppe, verletzte das Tier als Erzte, wodurch es aber erst recht gereizt wurde. Die anderen Jäger versuchten auch Angriffe durchzuführen: Jason greift mit der Lanze, bzw. einem Jagdspiess an, der allerdings durch Diana abgelenkt wird. Der noch junge Nestor greift ebenfalls mit einer Lanze an, schafft es aber nicht, den Eber zu töten und kann sich vor dem sich wehrenden Eber gerade noch dadurch retten, dass er an der eingestochenen Lanze hochschnellt. Bei den wiederholten Angriffen, bei denen sich die Jäger erst nach und nach auf eine gemeinsame Strategie einigen können, werden einige der Jäger sowie etliche Jagdhunde getötet. Nach vielen vergeblichen Angriffen gab schliesslich Meleagros dem Schwein mit dem Spiess den Todesstoss. Nach dem Sieg gebührte Meleager das Fell und der Kopf des Tieres als Trophäe. Meleager überliess sie Atalante, weil sie das Tier zuerst verletzt hatte.

Nach diesem Sieg brach leider ein tödlicher Streit aus. Die Brüder von Althaia, der Mutter des Meleager, waren auf dessen Erfolg eifersüchtig und entwendeten die Trophäe (Ideus, Lynkeus und Plerippus). Meleager forderte daraufhin die Herausgabe der Trophäe und tötete seine Verwandten, als sie die Rückgabe verweigerten. Darauf wiederum war Althaia aus Rache den aufbewahrten Holzscheit ins Feuer und tötete somit ihren Sohn (es gibt bzgl. der Art des Tötens auch andere Versionen).

Nach anderer Darstellung gab es einen Krieg der Kureten gegen die Ätolier, in dessen Verlauf Meleager mehrere Verwandte seiner Mutter tötete.

Nach seinem Hinscheiden tötete sich seine Mutter aus Gram über ihre Tat. Auch seine Gattin Kleopatra beging Selbstmord. Ein ähnliches Schicksal ereilte später auch seine Tochter Polydora. Der Tod des Meleager wurde von seinen Geschwistern so sehr beweint, dass Artemis (Diana) sie (aus Mitleid?) - bis auf Gorge und Deineira - in Vögel verwandelte (Perlhühner?).


Meleager bei Ovid

Die Erzählung von Meleager inspirierte auch Ovid. In Buch VIII der Metamorphosen. Nach verschiedenen mythischen Darstellungen, die mit der Meleager-Geschichte nichts oder nur am Rande zu tun haben (Minotaurus, Theseus, Ariadne, Daedalus und Ikarus), wird ab Vers 260 die kalydonische Jagd beschrieben. Dabei werden bei Vers 328 die Ursachen der Jagd geschildert, bis Vers 375 das Vorgehen gegen den Eber dargestellt und bis Vers 424 das Ende des Ebers beschrieben. Es folgen die Darstellung der Beute und des Streits um sie (V 425 - 450), des Brandopfers der Althaia (V 451 - 514) und des Todes des Meleager bis Vers 546. Die gesamte Darstellung umfasst also immerhin knapp 300 Verse.

Übersicht:

VIII: 260 - 328 ("causa")                                         Der Anlass der kalydonischen Jagd
VIII: 329 - 375 ("venatio")                                       Die kalydonische Jagd, der Eber ist gereizt.
VIII: 376 - 424                                                        Meleager tötet den Eber.
VIII: 425 - 450 ("praeda")                                       Die Beute der kalydonischen Jagd
VIII: 451 - 514 ("sacrificium")                                  Das Brandopfer der Althaia
VIII: 515 - 546 ("mors")                                          Der Tod des Meleagros


Bildinterpretation

Auf dem Emblem sieht man mehrere Jäger den kalydonischen Eber jagen.

Das Bild ist symmetrisch aufgeteilt in 4 Viertel mit einem klar definiertem Zentrum. Im Zentrum des Bildes sieht man Meleager, wie er mit einem Gefährten den Eber mit dem Spiess angreift. Das Untier ist im linken unteren Viertel zu sehen, wie es aus dem Wald heraus angreift. Im rechten unteren Viertel sehen wir die Jägerin Atalante mit ihrem Bogen. Auf dem Boden sind Jagdhunde und getötete Jäger zu sehen. In der oberen Hälfte des Bildes sieht man Wald, gebirgiges Gelände und den freien Himmel. Insgesamt ist die Szenerie sehr stark durch Vegetation gestaltet. Am Himmel sind Vögel zu sehen. Unklar bleibt, ob damit angedeutet werden soll, dass die Schwestern des Meleager später in Vögel verwandelt werden. Es könnte sich auch nur um ein normales Darstellungselement handeln, das in den Emblemata häufig auftritt.

Im dritten Buch der Emblemata stammen die Bilder alle aus Reusners "Picta Poesis Ovidiana", was also auch für das Emblem 36 gilt (PPO fol. 88). Diese stammen alle vom Nürnberger Formschneider Virgil Solis (1514 - 1562), der für den Frankfurter Verleger Sigmund Feyerabend viele Holzschnitte erstellt hat. Interessant für die Episode um Meleager ist, dass von Virgil Solis relativ viele Schnitte genau zu diesem Thema vorliegen, von denen eines repräsentativ für die Emblemata ausgewählt wurde. So wurden auch die Übergabe der Kopftrophäe an Atalante und der Tod des Meleager durch das Verbrennen des Holzscheites als Holzschnitt dargestellt.


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