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Donnerstag, 7. November 2013

GEHEIMBÜNDE (GEHEIMGESELLSCHAFTEN)

Die Geschichte der Geheimbünde ist sehr intensiv und spannend. Viele Menschen interessieren sich auch heute noch und wieder für Geheimbünde und Geheimgesellschaften. Leider schiessen dabei die Spekulationen gerne so sehr ins Kraut, dass Dichtung und Wahrheit nicht immer klar zu trennen sind.


ANTIKE

Schon in der Antike gab es viele bedeutende Geheimbünde, die aber aufgrund der Quellenlage nicht immer klar umrissen werden können. Wir haben aus der Antike diverse Quellen, die aber oft nur bruchstückhaft erhalten geblieben sind.
Von den antiken Schriftstellern sind uns zwar etliche Werke erhalten geblieben, viele aber in verschiedenen "dunklen Phasen" der Überlieferungsgeschichte verloren gegangen. An materiell-schriftlichen Quellen haben wir aus der Antike Inschriften (Epigramme), Münzen und andere Quellen, aber leider nur wenige erhaltene Papyri. Daher fehlen uns die meisten Aktenbestände.

In Ägypten, in dem schon früh eine Art von Staatlichkeit und eine Schriftkultur herrschte, gab es entsprechend der Machtkämpfe an der Spitze auch viele Seilschaften, die oft im Verborgenen operierten. Neben politischen Netzwerken gab es auch religiöse Netzwerke wie ägyptische Priesterorden.

Im antiken Griechenland gab es ebenfalls viele politische und religiöse Seilschaften entlang vieler Konfliktlinien. Neben den üblichen höfischen Seilschaften gab es Netzwerke entlang der herrschenden Kulte, v. a. der Mysterien.

Ein weiterer Geheimbund mit Schwerpunkt an der griechischsprachigen Küste Süditaliens waren die Pythagoreer. Diese Gruppe berief sich auf den Philosophen Pythagoras, entwickelte aber als Denkschule schon bald ihre Eigendynamik und nahm an Machtkämpfen der süditalischen Städte teil. Dabei erhielt sie manchmal den Charakter einer Geheimgesellschaft.

Im 5. Jhd. spielten noch andere Verwerfungen eine Rolle. Zum einen wurde die Forderung niederer Bevölkerungsgruppen nach politischer Partizipation ("Demokratisierung") den herrschenden Eliten zunehmend ein Dorn im Auge, zum anderen bildete sich nach den Siegen in den Perserkriegen ein Dualismus zwischen Athen und Sparta einschliesslich ihrer jeweiligen Verbündeten heraus.
Gerade in Athen, wo sich einfachere Volksschichten durch ökonomischen und militärischen Bedeutungszuwachs (z. B. als Ruderer) auch politisch zu Wort meldeten, bildeten sich gegen diese Tendenzien Hetairien.

Die Bacchanalien waren die Bachusfeste im antiken Rom. Sie wurden üblicherweise im März zur Beginn der Vegetationsperiode gefeiert. Bacchus war der römische Gott des Weines und des Rausches und wurde mit der Zeit mit dem griechischen (vielleicht ursprl. kleinasiatischen) Gott Dionysos gleichgesetzt. Die Bacchanalien sind in Rom seit dem 2. Jhd. v. Chr. nachweisbar. An sich waren die Bacchanalien anfangs ein Kult wie viele andere. Da durch solche Kulte aber Netzwerke entstehen und gleichzeitig ein Verlust der Impulskontrolle eintreten kann, kann durch sie auch eine Gefahr für das Gemeinwesen entstehen. Problematisch im Fall der Bacchanalien ist, dass es sich um ein äusserst rauschhaftes Fest handelte und dass dort offenbar problematische Netzwerker zueinander fanden. Diese gipfelten im Bacchanalienskandal 186 v. Chr.
Die Bacchusfeste wurden mit Alkohol und allerlei anderen Rauschmitteln gefeiert, die heute als psychedelische Substanzen bezeichnet würden. Die Menschen konsumierten neben Alkoholika Pilze und Rauschpflanzen wie Tollkirschen (Atropa (belladonna)). Dazu kam noch die Maskerade, die man auch als Mummenschanz bezeichnen könnte.
Schon Euripides schreibt für die griechischen Dionysosfeste, dass die alkoholisierten Gäste auf diesen Festen sich Tierhäute überstreiften und dann Tierrollen übernahmen (Quelle: Bacchen). In Rom verliefen die Feste ähnlich wild, waren aber als Repräsentanten eines griechischen Kultureinflusses nicht unumstritten. Die Anhänger der Bacchanalien versuchten daher, eigene Elemente aus römischer Tradition in diesen Kult einzuführen und eine aktive Bürgerbeteiligung an ihnen zu erreichen.
Im frühen 2. Jhd. wurden die Bacchanalien immer zügelloser.
 
Mit dem Ansteigen der Macht Roms im Mittelmeerraum stieg auch die Bedeutung von Geheimgesellschaften oder generell von Netzwerken. Diese konnten aus dem Inneren stammen, wie auch die Bacchanalien, aber auch von außen stammen, z. B. aus als "exotisch" geltenden Gegenden und Ländern. Traditionell galt Ägypten als Land mit großer mythischen Tradition (vgl. Herodot). Aber auch aus Gebieten, die weiter östlich lagen, kamen viele kultische Einflüsse.

Ein Beispiel für einen Kult, der aus dem alten Ägypten stammt, war der Isis-Kult. Zur damaligen Zeit war Ägypten schon stärker hellenisch geprägt, unterlag also selbst Fremdeinflüssen. Als die Göttin Isis dann im 1. Jhd. v. Chr. nach Rom importiert wurde und dann dort kultisch verehrt wurde., wurde sie weiter verändert, nämlich romanisiert. Entsprechend stellte man sie dann als Statue in Heiligtümern in römischem Gewand dar, ihre Herkunft war aber durch ein Gefäss mit Nilwasser und ein Sistrum noch erkennbar.
In Verschiedenen Romanen wie "Die letzten Tage von Pompeji" aus dem 19. Jhd, der mehrfach verfilmt wurde, wurde der Isis-Kult als böser Gegner des Christentums dargestellt. Ganz so war es in der antiken Realität sicher nicht. Es bestand aber eine Konkurrenz zwischen den "exotischen" Kulten.


In der Folgezeit kamen immer mehr Kulte vom Osten her in das Römische Reich. Einige wurden akzeptiert, andere verboten. Manchmal wechselte der "Legalitätsstatus" auch mehrfach.
Einer davon war das Christentum, welches anfangs inhaltlich noch etwas anders ausgerichtet war, als man es heute kennt. Es gab in der christlichen Geschichte schon früh Dogmenstreitigkeiten. Bei dem sich dann eben einige Denklinien durchsetzten. Das Christentum war übrigens nicht der einzige Kult aus dem östlichen Mittelmeerraum, geschweige denn dem Orient. Die anderen erwiesen sich nur als nicht so stark und ausdauernd. Der christliche Kult wurde beizeiten akzeptiert und beizeiten verfolgt, unter einigen Herrschern sogar schwer. In diesen Verfolgungszeiten waren Christen besonders stark auf Geheimstrukturen (z. B. in Katakomben) angewiesen. Der Kult konnte sich trotzdem gegen die anderen Kulte für lange Zeit durchsetzen.
Eine andere orientalische Religion war der Mithraskult. Er ist ein seit dem späten 1. Jhd. n. Chr. im Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult um den Stiergott Mithras. Es ist denkbar aber nicht sicher, dass er mit dem iranisch-indischen Gott Mithra verwandt ist und somit einen Nebenzweig des Zarathustrismus (Zoroastrismus) darstellt. Der Mithraskult war sehr unter Soldaten verbreitet. Der Kult mit seinen Anhängern ist durch die Mysterienstruktur eine Geheimgesellschaft, nicht durch eine Illegalisierung.

Mit dem Anwachsen des Christentums gerieten mit der Zeit die vorher herrschenden Kulte der Heiden in Bedrängnis und mussten sich in ihrer Defensive einrichten. Jetzt waren sie es, die Geheimstrukturen bedarfen - und zwar nicht für Machtkämpfe innerhalb des Heidentums selbst oder aus bloßem Spaß am Geheimhalten, sondern für den reinen Existenzkampf.
Diesen verloren sie trotzdem nach einiger Zeit, obwohl es in abgelegenen Orten immer wieder geheime Kultstätten gab (→ Heiden; Pagane: diejenigen, die sich in die Vegetation oder abgelegene Gehöfte zurückziehen), in denen sie ihrem Kult frönen konnten. Darüber weiß man indirekt, indem christianisierte Behörden und Schriftsteller Berichte über ihre Verfolgung anstellen.
Bis es soweit war, lieferten sie dem Christentum in der Spätantike noch einen heftigen Abwehrkampf. Ein Netzwerk, dass dies übernahm, war der berühmte Symmachus-Kreis. Ideologisch versuchten die Heiden, ihre Gedankeninhalte zu konzentrieren und aus den hellenistischen Philosophenschulen der Platonischen Akademie, des Peripatos des Aristoteles und der Stoa ein Ideologiekonglomerat zu erstellen. Der Epikureismus (die 4. bedeutende Hellenistenschule) spielte in der Spätantike kaum noch eine Rolle. In der heutigen Philosophiegeschichtsschreibung ordnet man dies häufig unter dem Neuplatonismus ein. Es gab in der Spätantike für eine Zeit lang eine Parallelexistenz zwischen heidnischer und christlicher Schriftstellerei.
Schließlich wurden aber die heidnischen Kulte unter Theodosius Ende des 4. Jhd.s verboten. Sie existierten noch eine Weile in der Illegalität weiter, wurden aber von Herrschern wie z. B. Justinian schwer verfolgt.


MITTELALTER

Im europäischen Mittelalter haben wir eine andere "ideologische Lage". Schon in der Spätantike stellte sich das Christentum als Sieger heraus. In der Anfangsphase des Christentums als Staatsreligion gab es diverse abweichende Meinungen wie die der Arianer, die aber mit der Zeit ausgeschaltet werden konnten. Um 1000 kam es dann zum Bruch zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche (im Osten), der als Schisma (Kirchenspaltung) langfristig blieb. Danach versuchte der Katholizismus, abtrünnige religiöse Bruderschaften wieder offensiv anzugreifen. Dazu gehörten die Templer, deren Beseitigung aber auch im Sinne des französischen Königs war, die Katharer, die Waldenser und andere.

Eine Vernetzung gab es auch um bestimmte Berufsvereinigungen. Besonders wichtig waren die Bauhütten (auch: Dombauhütten), die besonders um den gotischen Kathedralenbau als Werkstattverband entstanden waren. Daraus entstand später die Freimaurerei, die sich allerdings mit der Zeit nur noch symbolisch auf die ursprünglichen freien Maurer berief. Wie genau die historischen Anfänge der Freimaurerei waren, lässt sich sowieso nur schwer sagen, weil die spätere Bewegung zu einer geistigen Selbstüberhöhung neigte und ihre Anfänge glorifizierte.
Die Freimaurerei in dem Sinne, wie wir sie kennen, betrifft aber eher die Neuzeit.



NEUZEIT

In der Neuzeit gab es wieder viele neue Geheimbünde. Das hing z. B. mit zunehmenden Emanzipationsbestrebungen in der Bevölkerung zusammen, aber auch mit dem Kampf gegen Fremdherrschaft, wie bspw. in Italien oder in vielen europäischen Staaten in der Zeit der französischen Besatzung.

Eine berühmte Geheimgesellschaft ist die der Freimaurer, die ihre Ursprünge selbst aber schon bis ins Mittelalter zurückverfolgt. Angeblich sollen die Freimaurer als Netzwerk aus beim Bau von Domen oder anderen religiösen Gebäuden entstanden sein. Der Begriff meint aber nicht nur Maurer im Sinne von Handwerkern, sondern auch von Architekten.


Eine andere wichtige Gesellschaft waren die Rosenkreu(t)zer, ein Bund, der sich auf einen sagenhaften Jacob Rosenkreutz berief.

Eine weitere bedeutende Gesellschaft waren die Illuminaten, wenn sie auch nicht so bedeutend waren, wie heute in Verschwörungsromanen der Anschein erweckt wird. Die Illuminaten wurden von Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet und hatten aufklärerische Ziele. Der Orden stellte aber schon 1784/85 nach dem Verbot die Tätigkeit ein.


QUELLEN und LITERATUR:

Wikipedia
Meyers großes Taschenlexikon 
eigene Ermittlungen
-
Schreiber, Georg/Hermann Schreiber: Geheimbünde. Von der Antike bis heute










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