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Freitag, 18. April 2014

FRIEDRICH NIETZSCHE


* 15.10.1844, Röcken bei Lützen
+ 25.08.1900, Weimar

Nietzsche war ein deutscher Philosoph und klassischer Philologe.

Friedrich Nietzsche stammte aus einem pietistischen Pfarrerhaus. Er besuchte von 1854 - 64 die Schule in Schulpforta (benannt nach der Zisterzienserabtei Pforta) und erhielt dort eine gute klassische Ausbildung. Ihm fehlte allerdings die Möglichkeit zur Eigenentwicklung.
1864/65 - 1869 studierte er in Bonn Altphilologie. Hier begegnete er 1865 Schopenhauer und begann, sich für Philosophie zu interessieren. An der Universität war Nietzsche u. a. Schüler von F. W. Ritschl. Schon vor Abschluss des Studiums verschaffte ihm Ritschl eine Professur für griechische Sprache und Literatur in Basel. Dort wandelte sich Nietzsches Hauptinteresse endgültig zur Philosophie hin. Ausserdem baute er viele Beziehungen zu Geistesgrössen seiner Zeit auf: Jacob Burckhardt, Richard Wagner und Cosima von Bülow. 1876 kam es aber zum endgültigen Bruch mit Wagner. Auch gesundheitlich wurde das Leben für Nietzsche beschwerlicher. Er musste wegen zunehmender Kopf- und Augenbeschwerden 1879 die Professur aufgeben. Eine Heirat mit Lou Andreas-Salomé (für 1882 geplant) musste aufgegeben werden. Nietzsche reiste stattdessen durch Europas Süden. Er kam nach Venedig, Genua, Rapallo, Nizza, Sils Maria, Sizilien, Mentone und Turin. Am 03.01.1889 erlitt er in Turin einen schweren psychischen Zusammenbruch. Die Ursache war wahrscheinlich progressive Paralyse. Mediziner spekulieren bis heute über eine Syphilis-Infektion.

Die Philosophie Nietzsches ist geprägt von der Rezeption der Ideen Schopenhauers, aber auch bedeutender Künstler wie Richard Wagner. Nietzsche beeinflusste damit die Existenzphilosophie und die Lebensphilosophie.
Nietzsche vertritt ähnlich wie Schopenhauer die Ansicht, dass aufgrund von Kants theoretischer Philosophie der Vernunft eine Einsicht in das Wesen der Dinge verwehrt ist und dass Sinngebungen auf menschlichen Setzungen mit Hilfe begrifflicher Fixierungen durch Sprache basieren.
Bei der Frage nach der Möglichkeit von Freiheit untersucht Nietzsche verschiedene Lebensformen.
Zuerst interessiert er sich für die Lebensform des Künstlers und hält seine Existenzform für lebensbejahend. Angeblich habe sie eine ästhetische Überwindung der sokratischen vernunft- und moralbestimmten Weltanschauung im Apollinisch-Dionysischen. Deren Synthese sei in der Antike in der griechischen Tragädie gelungen und in der Gegenwart im Musikdrama Richard Wagners (vgl. "Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik", 1872).
Nietzsche sieht auf der anderen Seite bestimmte Lebenseinstellungen als schädlich an. In "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" (2. der "Unzeitgemässen Betrachtungen", 1873 - 76) wirft Nietzsche der Wissenschaft Lebensfeindlichkeit vor, weil sie mit ihrem Streben nach wissenschaftlicher Objektivität (oder scheinbarer Objektivität) eine Schwächung der Persönlichkeit verursache. Stattdessen müsse das Handeln Vorrang geniessen im Sinne der "praktische Vernunft".
In "Menschliches, Allzumenschliches" (1878/79) distanzierte sich Nietzsche von seiner bisherigen Sympathie für Wagners Gedankenwelt. Von nun an will er die Freiheit nicht mehr durch eine Ästhetisierung des Lebens erreichen, sondern durch eine Kritik an den tradierten judeochristlichen Werten. Dazu gehören Mietleid, Nächstenliebe, Glaube, Hoffnung). Für Nietzsche handelt es sich bei diesen Werten nur um eine nachträgliche Rationalisierung triebhafter, psychosomatischer Bedürfnisse und gleichzeitig um eine Verdeckung menschlicher Schwächen. Kurz gesagt erkennt er in ihnen einfach eine "Sklavenmoral".
Diese müsse mit einer Umwertung aller Werte entlarvt werden, bis schliesslich ein moralisch ungebundener "Übermensch" entstehe, der sich selbst und seine moralischen Beschränkungen überwunden habe.
Die folgenden wichtigen Schriften sind entweder nach Einsetzen des geistig-körperlichen Verfalls Nietzsches oder nach seinem Zusammenbruch 1889 erschienen. Einige sogar erst nach seinem Tod: Der Fall Wagner (1888), Der Antichrist (1895), Nietzsche contra Wagner (1895), Ecce homo (hg. 1908).
Darin führt er Ideen seines bisherigen Schaffens in radikalisierter und teils pamphletistischer Form fort bis hin zu Extrempositionen.
Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche und Heinrich Köselitz ("Peter Gast") haben sie 1901 und 1906 unter dem Titel "Der Wille zur Macht" veröffentlicht und dabei eigene Vorstellungen von Anordnung und ideologischer Ausrichtung durchgesetzt bzw. beigemengt.  

Nietzsches Philosophie hat bekanntermassen eine grosse Nachwirkung erreicht. Eine direkte Wirkung erzielte sie auf Existenzphilosophie und Lebensphilosophie.
Politisch-ideologisch wirkte sie aber auch auf diverse rechte Denker, zuerst im Kaiserreich und dann nach dem Ersten Weltkrieg auf die Vertreter der "konservativen Revolution" und auf den Nationalsozialismus.
Nietzsches Ideen wurden dabei erheblich "zurechtgebogen". Denn obwohl der Denker einem aggressiv-männlichen Auftreten nicht abhold war, lehnte er übertriebenen Nationalismus und Antisemitismus ab. Auch für die biologistischen Ideen der Nazis, die frühe Ursprünge schon im Kaiserreich (bzw. den Kaiserreichen Deutschland und Österreich-Ungarn) hatten, konnte sich Nietzsche nicht begeistern.
Nietzsche beeinflusste des weiteren Literaten und Künstler. Darunter waren der George-Kreis, Thomas Mann, Ernst Jünger, Friedrich-Georg Jünger, André Gide, André Malraux und andere. Auch in der Psychologie (Ludwig Klages, Alfred Adler und bedingt C. G. Jung) und Anthropologie (Arnold Gehlen) spürt man den Einfluss seine Ideen.
Seine Kritik an der normativen und wirklichkeitfixierenden Kraft der Sprache wurde in der analytischen Philosophie und Sprachphilosophie aufgegriffen, besonders durch Ludwig Wittgenstein.
Sowohl die Ontologiekritik von Heidegger also auch die Sozialkritik der Frankfurter Schule (Kritische Theorie) berief sich auf seine Lehre von der Vernunft als dem Organ eines vergegenständlichenden Herrschaftsstrebens.
Nietzsche war aber auch dichterisch schaffend: Seine "Dionysos-Dithyramben" (1888, 1891) waren von hoher symbolischer Ausdruckskraft und beeinflussten später Lyrik sowie Impressionismus und Expressionismus.

QUELLEN:

Internetquellen einschliesslich Wikipedia
Meyers Grosses Taschenlexikon
Nietzsche-Biographien von Rowohlt (Ivo Frenzel)
Nietzsche-Biographie von Junius (Werner Stegmaier)











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