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Samstag, 4. Juni 2016

OVID

* 20.03.43 v. Chr. in Sulmo
+ 17 n. Chr. in Tomis 

Publius Ovidius Naso (genannt Ovid) war ein antiker Versdichter. Er galt als einer der drei großen Poeten der klassischen römischen Literaturepoche. Die anderen Dichter waren Horaz und Vergil.

Ovids Werk wird in drei Phasen unterteilt: In der Frühphase schrieb er v. a. Liebesgedichte, in einer mittleren Phase Sagenzyklen und in der Spätphase Klagelieder. Letzteres war durch seine Verbannung beeinflusst.

Ovids Einfluss ging in der Spätantike zurück, im Mittelalter und Barock übte er aber wieder eine große Wirkung auf Kunst und Musik aus. Nach einem erneuten Rückgang in der Romantik wurde er im späten 19. Jhd. wieder stärker rezipiert.
Bekannt sind von ihm neben seinen Liebesdichtungen v. a. die Metamorphosen.


Leben

Über Ovids Leben liegen leider kaum Quellen vor. Eine Ausnahme bilden autobiographische Aussagen in den Tristien. Im Exil lässt der betrübte Ovid sein Leben Revue passieren. In der Forschung sind diese Aussagen aber umstritten.

Ovid wurde 43 v. Chr. in Sulmo (heute: Sulmona) geboren, das 120 km östlich von Rom liegt. Seine Familie gehörte dem Ritterstand an und war wohlhabend. Ovid bekam, anders als Vergil und Horaz, den langen Bürgerkrieg nicht mehr mit.
Der Vater schickte seinen Sohn mit dem fast gleichaltrigen Bruder auf Bildungsreise nach Griechenland und dann in Rom zum Rhetoren. Ovid sollte, wie es damals für Sprösslinge gehobener Familien üblich war, die Ämterlaufbahn, den "cursus honorum" bestreiten.
Ovid fand jedoch mehr Gefallen am Formulieren von Versen und dem Erzählen von Geschichten. Eine Zeit lang war er noch Richter, aber dann gab er die öffentliche Ämterkarriere auf und wurde Dichter.
Ovid hatte Glück, bei seinen Absichten von Marcus Valerius Messalla Corvinus gefördert zu werden.

Ovids erstes Werk waren die Liebesgedichte, bzw. "Amores". Sie machten ihn auf einen Schlag in Rom bekannt, was noch durch den Tod des Horaz' 8 v. Chr. verstärkt wurde. Die Liebe blieb in seinen Frühwerken Ovids Lieblingsthema.
Nach weiteren Werken schuf Ovid um 1 n. Chr. sein Hauptwerk, die "Metamorphosen". Darin werden alte Sagen mit dem Thema Verwandlung(en) neu erzählt.

Das private Liebesleben des Dichters blieb aber variantenreich. Er heiratete jung, seine erste und seine zweite Ehe wurden aber nach kurzer Zeit geschieden. Seine Tochter entstammte wahrscheinlich der zweiten Ehe.

Ovids Leben verlief aber nicht auf Dauer so erfolgreich.
Im Herbst 8 n. Chr. erreichte ihn auf der Insel Elba der Beschluss des Kaisers Augustus, dass er nach Tomi (heute: Constanta) am Schwarzen Meer verbannt werde. Den Dichter traf diese Wendung schwer.
Es gab vorher weder ein Gerichtsverfahren noch einen Senatsbeschluss.
Über die Gründe der Verbannung gibt es unterschiedliche Aussagen.
Die Art der Verbannung war keine "aquae et ignis interdictio", bei der er für vogelfrei erklärt und sein Vermögen konfisziert worden wäre, sondern eine "relegatio", bei der er das Vermögen und sein Bürgerrecht behalten konnte.
Nichtsdestotrotz empfand der Dichter die Strafe als sehr hart.

Ursachen für die Verbannung:
  • carmen et error (= Gedicht und Fehler/Verfehlung)
  • Carmen: Die Liebesdichtung, allen voran die "Ars amatoria" könnte Kaiser Augustus ein Dorn im Auge gewesen sein.
  • Error: Ovids variantenreiches Sexualleben könnte eine Ursache sein.
  • Ovid deutet in seinen Tristien eine Mitwisserschaft an. Einige Forscher vermuten ein Wissen um die Ehebruchsaffäre von Augustus' Enkelin Iulia.
    → Hier ist anzumerken, dass Augustus selber, wenn man dem Biographen Sueton glauben schenken will, sich keineswegs an seine offiziell verkündete Sexualmoral hielt.

Ovid versuchte auch aus dem Exil, den Kaiser noch zu erweichen und schrieb weiter Gedichte. Doch Augustus blieb hart. Auch sein Nachfolger Tiberius scheint nicht nachgegeben zu haben. Ovid verstarb im Exil.
Wann genau Ovid gestorben ist, ist unklar. Man vermutet das Jahr 17 n. Chr. oder wenig später.
Ovid teilte vorher an seine Frau in den Tristien noch seine Grabinschrift mit:

Hic ego qui iaceo tenerorum lusor amorum 
Ingenio perii, Naso poeta, meo.
(Hier liege ich, der Spieler zärtlicher Liebesgedichte.
Ich bin, der Dichter Naso, an meiner Begabung zugrunde gegangen.)
At tibi qui transis, ne sit grave quisquis amasti 
Dicere: Nasonis molliter ossa cubent.  
(Aber dir, der/wenn du vorbeigehst, soll es nicht schwer fallen zu sagen, 
wenn du jemals geliebt hast: Nasos Gebeine sollen weich ruhen!) 


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