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Donnerstag, 5. Juni 2025

PODCAST: GESCHICHTE DES BEWUSSTSEINS

17.08.2016 (07:50) - 05.06.2025

Das Gehirn mit beiden Hemisphären und Denkbereichen.


1. Einteilung der Geschichte als akademische Disziplin

Die Geschichte als akademische Disziplin lässt sich in verschiedene Bereiche untergliedern. Das ist an sich nicht neu.
Beispielsweise spricht man von Politischer Geschichte, Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte usw. Auch in Klausuren werden gerne derartige Erörterungseinteilungen verlangt, also zum Beispiel politisch - sozial - wirtschaftlich.
Es könnten noch viele andere Unterdisziplinen der Geschichte genannt und angewendet werden.

Ein Bereich aber, der häufig vernachlässigt wird, ist die Bewusstseinsgeschichte - genauso wie übrigens die Betrachtung des Bewusstseins selbst.

Die Bewusstseinsgeschichte grenzt an historische Unterdisziplinen, die es bereits gibt, namentlich die Geistesgeschichte, die Kulturgeschichte oder die psychologische Geschichte (nicht nur die Geschichte der Disziplin Psychologie). 
Sie ist aber nicht mit diesen historischen Unterdisziplinen identisch.


2. Idealismus, Materialismus und Dualismus

Wenn wir die Bewusstseinsgeschichte betonten, bedeutet das nicht, dass die anderen Bereiche unwichtig wären und es bedeutet auch nicht, dass die materiellen Grundlagen wie wirtschaftliche Produktion und biologisches Funktionieren unwichtig wären.
Man denke an den Biologischen Materialismus eines Julien Offray de LaMettrie oder den Ökonomischen Materialismus eines Karl Marx.
Wir erinnern uns da auch an diverse Streitereien in der Philosophie zwischen Idealisten, Materialisten und Dualisten (- als vermittelnde Meinung?).
Eine frühe Ausformung nahm der Idealismus schon bei Platon an, später wurde er von vielen Denkern ausdifferenziert, beispielsweise im deutschen Idealismus. 
Der Materialismus hatte frühe Ausprägungen bei den griechischen Atomisten wie Leukipp, Demokrit und Epikur und wirkte später im französischen Materialismus oder im Materialismus eines Ludwig Feuerbach oder Karl Marx, die als Jung- bzw. Linkshegelianer gewissermaßen auch auf den deutschen Idealismus antworteten.
Materialismus findet man aber auch als "abweichende Ansätze" (Nastika[s]) der Indischen Philosophie.
Der Dualismus erscheint z. B. in den Denkansätzen von René Descartes.
Aber auch das sind nur Beispiele.

gedankenwelt.de

Selbst wenn man materialistisch denkt, also dass der Geist von der Materie abhängig ist und nicht völlig unabhängig existiert, so muss man überlegen, ob man Geist und Bewusstsein nicht doch eine gewisse Autonomie zugesteht.
Wir stimmen den Materialisten in soweit zu, dass das menschliche Bewusstsein abhängig ist vom Funktionieren des Körpers. Ohne den Körper kann es nicht mehr sein. Das heißt aber nicht, dass so etwas wie Bewusstsein unwichtig wäre oder überhaupt nicht existiert.

Wir halten Bewusstsein weder für eine metaphysische Entität wie viele Religionen, schon gar nicht für eine unsterbliche, noch wollen wir den Begriff auf seine Bedeutung in den Bereichen Esoterik und "New-Äitsch" verengt wissen.


3. Geist und Bewusstsein

Im weiteren Sinne könnte man das Bewusstsein dennoch als Geist verstanden wissen, wenn auch eben nicht in einer metaphysischen Bedeutung.
Aber eine völlige Gleichsetzung der Begriffe Bewusstsein und Geist wäre eine Verengung. Denn der Begriff Bewusstsein setzt andere Nuancen.
Der Begriff Geist ist eher intellektuell gemeint.
Geistesgeschichte meint beispielsweise eher die Geschichte geistiger Auffassungen, Produkte und Konstrukte sowie von geistigen Leistungen wie mathematische Forschung oder literarische Werke. Auch Weltbetrachtungen können darunter sein oder vieles andere. Es geht also um geistige Tätigkeit und die daraus entstandenen kulturellen Gebilde.

Bewusstsein meint etwas Ähnliches, konzentriert sich aber stärker darauf, wie der Mensch die Welt subjektiv erlebt und empfindet. Es geht quasi darum, sich direkt in den Menschen hineinzuversetzen.


4. Die Darstellung von Bewusstseinsinhalten

Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert kam das Ziel der Darstellung von Bewusstseinsinhalten auch computertechnisch auf die Agenda. Man konnte zwar noch nicht direkt in den Menschen hineingucken, aber man konnte jetzt immer bessere 3D-Welten entwickeln, die aus der Ego-Perspektive erlebbar waren. 

Mit der Erfahrbarkeit und Mitteilbarkeit von (3D-)Bewusstseinswelten am Computer ist ein jahrtausendealter Traum der Menschheit in Erfüllung gegangen, ohne dass dieses von den vielen 3D-Computerspielern ausreichend gewürdigt würde.

Denn früher mussten Menschen sich diesem Zustand über mündliche Erzählung nähern, dann mit Hilfe der Schrift, mit Zeichnungen, Malerei und mit Nachspielen, aus dem sich dann immer mehr die szenische Darstellung im Theater entwickelte. Szene hieß zunächst einmal nur Zelt.
Diese verschiedenen Darstellungsformen konnten nebeneinander existieren. Erzählungen wurden früher oft in Versform entwickelt, später mehr in Prosa.

Erst im 19. Jahrhundert kam dann die Photographie und schließlich zum Ende des Jahrhunderts der Film auf, der dann im 20. und 21. Jahrhundert technisch extrem verfeinert werden konnte. Schließlich kamen gegen Ende des 20. Jahrhundert leistungsfähige Computer auf, die die erwähnte Darstellung von dreidimensionalen Welten ermöglichten.

Bis zu diesen technischen Neuerungen in Folge der Industrialisierung und Technisierung war es aber ein weiter Weg. Zunächst einmal entwickelte sich das menschliche Bewusstsein ohne sie.


5. Die historische Bewusstseinsforschung

Julian Jaynes

Und da ist nun der Punkt an dem die Bewusstseinsgeschichte ansetzen muss: 
WAS hatte der Mensch in seinem Bewusstsein?

Wir haben kulturelle Erzeugnisse, die andeuten, wie Menschen früherer Epochen gedacht haben mögen.

Der Französische Mediävist Philippe Ariès hat sich z. B. von der historischen Demographie zur Mentalitätsgeschichte entwickelt. Er hat die Geschichte der Kindheit erforscht, aber dann auch mit seinen Kollegen Georges Duby und Paul Veyne das Privatleben. Ariès arbeitete auch mit Michel Foucault zusammen.

Einen anderen Antwortansatz, wie sich das menschliche Bewusstsein in der Geschichte entwickelt hat, liefert uns Julian Jaynes (27.02.1920 - 21.11.1997). 
Jaynes beschäftigte sich sich mit dem Zusammenhang zwischen Psychologie und Geschichte und kam zu der Ansicht, dass es ein (Ich-)Bewusstsein im modernen Sinne anfangs nicht gegeben hat. Seiner Meinung nach gab es früher eine bikamerale Psyche, also eine Psyche, die aus zwei Kammern besteht, nämlich einer göttlichen und einer menschlichen.

Nach Jaynes ist diese bikamerale Psyche dann zusammengebrochen, in vielen Kulturen des Mittelmeerraumes in der späten Bronzezeit um 1000 v. Chr. Hierfür ist schon ein Zeitrahmen von mehreren Jahrhunderten denkbar, z. B. von 1300 - 700 v. Chr.

Jaynes' Forschung zielte darauf ab, diese einfache aber schlagende These anhand von historischen und literarischen Quellen zu belegen. Seine eigene Erfahrung einer religiösen Erziehung, der er dann zunehmend kritisch gegenüberstand, half ihm dabei.

Man kann sich diesen Denkansatz ganz konkret vorstellen:
Bei Homer werden heroische Geschichten aus dem mykenischen Griechenland vor 1000 v. Chr. erzählt, bei denen die Helden immer wieder göttliche Befehle erhalten und oft befolgen.
Es entsteht der Eindruck, sie hätten in sich nicht ein Ich, sondern eben eine bikamerale Psyche.
Später ging dann dieses Denken immer mehr zurück und in der griechischen Philosophie entstand ein Ich-Bewusstsein.


Anzeichen einer bikameralen Psyche lassen sich auch in der ägyptischen Literatur und in Inschriften feststellen, ebenso in Mesopotamien.

Julian Jaynes wurde leider für seinen innovativen Ansatz in der Scientific Community sehr gemobbt, was sich negativ auf seine Gesundheit auswirkte.

Leider konnte er deshalb nur bedingt weiterforschen. Es wäre z. B. interessant gewesen, wenn er tiefer hätte erforschen können, ob bei Selbstmordattentätern diese bikamerale Psyche wiederhergestellt wurde.

So haben wir von Julian Jaynes über dieses wichtige Thema leider nur ein Hauptwerk, sowie mehrere Aufsätze und Interviews.
The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind. Houghton Mifflin, Boston/New York 1976

www.julianjaynes.org

Der Ansatz von Julian Jaynes wird heute von der Julian-Jaynes-Society fortgesetzt. In deren Namen hat Marcel Kuijsten das Werk The Julian Jaynes Collection von 2012 herausgegeben.

Ingo Wolf-Kittel stellte Jaynes Thesen kompakt dar und konfrontierte sie mit modernen Erkenntnissen in seinem Artikel Julian Jaynes. Ein moderner Blick auf die Mutation vom mythischen zum mentalen Bewusstsein. In Erinnerung an sein vor 30 Jahren erschienenes Werk.



PODCAST (MEINUNG/KOMMENTAR): DIE PROBLEME DER ARGUMENTATION MIT RATIONALITÄT UND WISSENSCHAFTLICHKEIT

05.06.2025 (ca.) - 07.12.2025

Scientia (pixabay.com) 


1. Einleitung: Das behauptete Ziel der Rationalität und Wissenschaftlichkeit

Wir erleben in der heutigen Zeit, dass im Meinungsstreit eine oder mehrere Seiten für sich in Anspruch nehmen, "rational" oder "wissenschaftlich" zu sein.

Das Ziel der "Rationalität" und "Wissenschaftlichkeit" ist an sich erstrebenswert, es hat aber in der Praxis die Wirkung, dass andere Meinungen als "unwissenschaftlich" dargestellt und damit ausgegrenzt werden.

Es geht daher um die Frage, ob "Rationalität" wirklich die Methodik und das Ziel beeinflussen, oder ob sie nur ein Kriterium sind, in einer Auseinandersetzung andere Positionen auszuknocken.
 
Denn das vorgebliche Ziel der "Wissenschaftlichkeit" impliziert zwar leicht Begriffe wie "Logik", "Strukturiertheit", "Objektivität", "Richtigkeit" etc.
In der Praxis ist die Wirkung aber oft, dass man seine eigene Position überhöht und die anderer unterbuttert.

Man sollte sich also zuerst fragen, ob Wissenschaftlichkeit wirklich etwas Objektives bzw. intersubjektiv Nachprüfbares ist und auf strengen Methoden aufbaut, oder ob dies nur behauptet wird.

Wir wollen jetzt nicht aus dem Stand heraus den kompletten Wissenschaftsbetrieb der Gegenwart und Vergangenheit als "konstruiert" oder "ausgedacht" hinstellen.
Das wäre vermessen.
 
Es gibt aber auch den (Gegen-)Standpunkt, dass zumindest Teile der angeblich wissenschaftlichen Erkenntnisse "relativ" sind, quasi etwas Subjektives und nicht Objektives.

Man könnte z. B. die Zwischenmeinung vertreten, dass in der Wissenschaft Objektivismen und Subjektivismen koexistieren.
Juristen sprechen da oft von einer vermittelnden Meinung, einige nennen sie polemisch auch "Warmduscherlösung".
 
Doch fangen wir einmal an mit den genaueren Ausführungen.

 
2. Die Einschränkung des Anspruchs auf Rationalität und Wissenschaftlichkeit durch das zugrundeliegende politische System 
 
Ein Beispiel: In Deutschland gab es im 20. Jhd. 5 verschiedene Systeme:
  • das Kaiserreich (II. Reich)
  • das "Weimarer Republik" genannte Deutsche Reich
  • das Nazireich (III. Reich)
  • die Bundesrepublik Deutschland
  • die DDR 
JEDES dieser Systeme hatten Wissenschaftler, die es unterstützten. Ebenso Politiker, Lehrer und Richter.
Sprich: Jedes dieser Systeme hatte RECHT!

Aber wie können z. B. das NS-System und das offiziell Antifaschistische System der DDR gleichermaßen Recht haben?
Sicher kann man einem anderen System vorwerfen, es sei "pseudowissenschaftlich". Aber das andere System mag das auch von unserem eigenen System denken.

Man sieht diese Widersprüche allerdings auch innerhalb eines Systems:
Wer schon einmal ein historisches oder politisches Seminar bei einem SPD-Prof und bei einem CDU-Prof besucht hat, weiß, dass das eigentlich zwei Arten von Geschichts- oder Politikbetrachtungen sind. Noch extremer wird es, wenn man zu einem marxistischen Prof geht.
 

3. weitere Einschränkungen des Anspruchs auf Rationalität und Wissenschaftlichkeit

Es geht hier nicht darum, das Ziel der Wissenschaftlichkeit als etwas Falsches darzustellen.
Man muss die Sache aber genauer betrachten und fragen:
"WAS ist (angeblich) wissenschaftlich?"

Denn häufig steht hinter der (Gesamt-)Rationalität nur eine Teil-Rationalität oder Zweck-Rationalität.

Es stellt sich also nicht nur die Frage, ob der Anspruch der Wissenschaftlichkeit berechtigt ist, sondern auch, auf welchen Bereich er sich erstreckt.

Wir haben also mehrere Arten der Rationalität:
  • eine Gesamt-Rationalität, die global ist, also alles umfasst und - wenn sie eine ethische Intention hat - allen Menschen helfen will
  • eine Teil-Rationalität, die nur aus einer bestimmten Perspektive heraus (räumlich, zeitlich, Interessengruppe) rational sind

Ein Beispiel:

Jemand kann sagen: "Rauchen gefährdet die Gesundheit des Menschen."

Diese Aussage ist zunächst wissenschaftlich korrekt, denn es gibt viele Studien über die vielfältigen Gefahren des Rauchens.

Man muss hier jedoch ein ABER setzen!

Wenn ein Mensch sagt, "Rauchen gefährdet die Gesundheit", dann bezieht sich das NUR auf eben diese Gesundheit.
Ob der Mensch selber (gesamt-)rational vorgeht, lässt sich damit noch nicht sagen.

Was will denn der Mensch mit dieser Aussage?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:
  • er möchte Menschen helfen (positiv, rational)
  • er möchte unter dem Vorwand der Hilfe Menschen auf die Nerven gehen
  • er möchte seinen Alltagsfrust abreagieren
  • er möchte seine Engstirnigkeit ausleben
  • er möchte durch "Kreuzzüglertum" sein Ego pampern
  • er möchte mit Nichtraucherprogrammen Geld verdienen
Von diesen Faktoren können nicht alle Wissenschaftlichkeit (bzw. rationale Begründetheit) für sich beanspruchen. Eigentlich kann das nur der erste Punkt.

Eine ähnliche Einseitigkeit sieht man beim Kampf gegen Krankheiten, bei der Erziehung von Menschen (Kindern oder Erwachsenen), bei akademischer Tätigkeit oder bei Vorgängen in der Berufswelt.

Immer wieder kommt es vor, dass Wissenschaftlichkeit oder Rationalität mit Dingen vermischt werden, die eben nicht rational sind.

Weitere Beispiele:

Ein Erwachsener bringt einem Kind etwas bei:
  • er will dem Kind helfen
  • er will sich einem Gegenüber überlegen fühlen
  • er will seinen Sadismus ausleben und rationalisieren
  • er will Regeln um ihrer selbst wahrnehmen

Ein Firmenchef sagt, er müsse Mitarbeiter entlassen:

  • die Wirtschaftslage erfordert dies
  • er nutzt die Wirtschaftslage nur als Vorwand, um unliebsame Mitarbeiter zu feuern
  • er will seinen Sadismus oder Sozialdarwinismus ausleben
  • er ist Doppelmoralist und erhöht sein Vermögen (trotz der Wirtschaftslage), während er bei anderen kürzt 

Ein Richter spricht Recht und begründet dies juristisch:

  • weil er die Gerechtigkeit liebt
  • weil er gerne straft (ein Sadist ist) und nur einen Vorwand dafür sucht
  • trotz äußerlich-juristischer Begründung kann es sein, dass der Urteilsspruch beim Pinkeln ausgehandelt wurde (kam schon vor!)
  • trotz äußerlich-juristischer Sprache kann das Strafmaß von der Tagesform oder der Tagesbinnenform des Richters abhängen 

 

4. Der Wissenschaftsbetrieb selber

Der Wissenschaftsbetrieb, also die praktisch ausgeübte "Wissenschaft", beweist bereits, dass es mit der "Wissenschaftlichkeit" nicht so weit her ist.

Äußerlich behauptet man, streng methodisch vorzugehen. Man sollte auch nicht gänzlich sagen, dass so etwas überhaupt nicht möglich sei.
Zum Beispiel kennt die Numismatik (Münzkunde) gewisse Regeln, die relativ verlässlich sind.

Andererseits gibt es Subjektivismen:

  • will ein Professor in einem konservativen Bundesland seine Karriere voranbringen, dann mag er sich mit linken Ansichten schwertun; umgekehrt mag es mit einem konservativen Professor in einem linken Bundesland sein 
  • der Professor mag einer Lehramtsstudentin eine ungerechtfertigt gute Note geben, damit sie ihr Referendariat erhält, weil er mit ihr liiert ist (wir kennen solche Fälle)
    - und später soll sie als Lehrerin objektiv beurteilen?
  • ein Professor hat neben seiner Unitätigkeit noch Tätigkeiten für Firmen, die sein Erkenntnisinteresse beeinflussen ("erkenntnisleitende Interessen")
  • ein Professor merkt, dass ihm ein anderer einen Lehrstuhl wegschnappt:
    plötzlich bricht die Firniss der wissenschaftlich-sachlichen Sprache und er greift zu übelster Polemik, um seinen Konkurrenten zu diffamieren
  • ein Geschichtsprofessor, der die Bundeswehr mag, hat eine völlig andere Haltung zur Militärgeschichte als eine Professorin, die Radikalpazifistin ist
  • auch wenn Professoren sagen, dass man "vorurteilsfrei" und "wissenschaftlich" an Themen herangehen soll, so sind dennoch viele Mitglieder einer Religionsgemeischaft;
    sie haben dafür ein "Vorverständnis", quasi ein "Vortuning", das ihre Interessen leitet
  
Niklas Luhmann (Wikipedia)

5. Die vielen Gesichter der Autopoiesis

Wer sich mit Niklas Luhmanns Systemtheorie auseinandersetzt, der merkt schnell - schon beim Namen der Theorie - dass Luhmann in vielen Bereichen der Gesellschaft "Systeme" am Werk sieht.
Damit sind vereinfacht Regelkreise genannt.
Luhmann war Jurist und Soziologe und hat diese Theorie, beeinflusst auch durch einen Forschungsaufenthalt in den USA, von Talcott Parsons übernommen und modifiziert.
Parsons hatte lange überlegt, ob er Biologe oder Soziologe werden wollte, und war daher als Soziologe vom biologischen Denken beeinflusst.


Vereinfacht sagt die soziologische Systemtheorie also, dass die Gesellschaft ein großes System mit vielen Subsystemen ist.
Für uns wichtig ist aber der Begriff der Autopoiesis. Der fußt auf der Theorie, dass Systeme sich selbst erhalten (oder ausbauen) wollen, also autopoietisch seien.
Interessant ist das für unsere Erkenntnisfragen in sofern, als dass ein System nicht nur seinem "offiziellen Ziel" dient, sondern eben auch autopoietischen Nebenzielen, die seiner Selbsterhaltung dienen.

Beispiele können das gut erläutern:

Das System Schule:

  • offizielles Ziel: Bildung
  • aber es gibt auch viele weitere Ziele, die vielen Menschen gar nicht so klar sind
  • Lehrer wollen bezahlt werden
  • Verwaltungspersonal will bezahlt werden - an der Schule und in der Verwaltung außerhalb
  • Schulbuchverlage wollen abkassieren, sie geben z. B. Neuauflagen ihrer Lehrbücher heraus, die gar nicht wirklich besser sind, aber Druck auf die Schulen ausüben sollen, ihre alten Bücher gegen neue einzutauschen 

Das System Gesundheit:

  • offizielles Ziel: Erhaltung der Gesundheit der Individuen einer Gesellschaft oder sogar der Weltgesellschaft
  • natürlich gibt es hier auch viele Nebenziele
  • An sich ist es gut, Menschen zu erzählen, wie sie sich gesundheitskonform verhalten können. Andererseits kann man über diesen Vektor auch seinen Belehrungstrieb ausleben.
  • Kommerzielle Interessen: Diese liegen vor bei Ärzten, Pflegepersonal, Gesundheitsverwaltung, Medizinjournalisten, Apothekern und natürlich der Pharmaindustrie.
  • als Beispiel für Manipulation kann man anführen, dass aufgrund bestimmter Interessenlagen sogar Krankheiten erfunden werden! 

Das System Justiz:

  • offizielles Ziel: Gerechtigkeit
  • auch hier werden aber weitere Ziele verfolgt, die nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben
  • Justizpersonal will Geld verdienen, nicht nur die Richter, sondern auch sonstiges Personal
  • Richter und Staatsanwälte wollen sich unter im Namen (Vorwand) der Moral über Menschen erheben (zumindest einige)
  • Fachverlage wollen teure Lehrbücher verkaufen
  • es ist auch auffällig, wie sehr sich die Strafmaße unterscheiden, und zwar:
    • je nach Land
    • je nach Region
    • je nach zeitlichen Moden
    • je nach Persönlichkeitsstruktur des Richters
    • je nach Tageszeit (in manchen "Tiefphasen" fallen Urteile für den Angeklagten härter aus) 

Das System äußere Sicherheit:

  • offizielles Ziel: Sicherheit nach außen, Verteidigungsfähigkeit
  • eine Armee will neben dem - begründeten - Verteidigungsaspekt natürlich sich selber nähren
  • sie gibt also einerseits vor, auf eine äußere Bedrohung zu reagieren, ist aber heimlich froh, wenn es solche Bedrohungen überhaupt gibt, damit sie ihre Planstellen rechtfertigen kann
  • die Motive von Armeeangehörigen sind nicht nur die Landesverteidigung, sondern auch Dominanz, Lust am Kriegsspiel und Lust an Technik
  • ein gutes Beispiel für die Doppelbödigkeit der Thematik ist der Kalte Krieg:
    • hier hat sich das westlich-liberale System als stärker erwiesen als das östlich-sozialistische System
    • teilweise ist das auch gut so, denn dem Kommunismus kann man viele Verbrechen nach weisen
    • allerdings ist die Lage nicht ganz so klar, wie sie manchen scheint...
    • der Westliche Block hat z. B. bei mehreren Gelegenheiten mit der Organisierten Kriminalität zusammengearbeitet, um Gegner zu bekämpfen - und die steht immerhin für Schwerstkriminalität mit der Bereitschaft zum Mord (!);
      die USA und Teile der NATO haben z. B. mit der italienischen Mafia zusammengearbeitet und den mittelamerikanischen Contras gestattet, einen florierenden Drogenhandel zu ihrer Finanzierung zu betreiben (sogar mit den USA als Absatzmarkt!)
    • außerdem hat der Westen Stay-Behind-Strukturen (in Italien: Gladio) aufgebaut, die sehr bald als Gladio nero (inoffizielle Bezeichnung) ihr kriminelles Eigenleben führten 
  •  es gilt frei nach Volker Pispers: Wenn du ein Feindbild hast, dann hat der Tach Struktur!


FAZIT:

Machen wir es kurz: Man sollte nicht den ganzen Wissenschaftsbetrieb "in die Tonne kloppen" oder in Selbstüberschätzung Koryphäen der Wissenschaft als Nullen bezeichnen.
Es ist aber auch schnell klar, dass in der WissenschaftsPRAXIS nicht nur die Rationalität regiert.




LINUX & BSD: 2025 - LINUX IN ZEITEN VON WINDOWS 11 (PODCAST)

05.06.2025 (ca.) - 18.12.2025


IT-POOL


TEIL 1: DIE AUSGANGSLAGE


Sehr geehrte Damen und Herren!

Im Oktober 2025 läuft der Support für Windows 10 aus. Diese Kunde geht dieses Jahr durch die Länder.

Einige steigen ganz normal auf Windows 11 um, das es schon seit Oktober 2021 gibt, andere zögern. Vielleicht ist ihre Hardware zu schwach, vielleicht sind sie generell unzufrieden und schauen sich nach einem anderen Betriebssystem um.
Doch welche Alternativen gibt es?

1. Kritik an Windows - besonders an Windows 11

Es gibt verschiedene Bedenken gegenüber Windows 11:

  • ist es wirklich so innovativ, wie es tut?
  • läuft es überhaupt auf meiner Hardware?
  • ist es sicher?
  • wie ist es mit den Vorwürfen, dass Windows 11 spioniert?
  • ist z. B. "Copilot", der Chatbot mit Assistenzfunktion, abstellbar oder wird er aufgezwungen?
  • drängt Microsoft die Nutzer in seine Produkt-Peripherie?
  • zwingt Microsoft die Nutzer immer mehr in seine Cloud? 
  • sind die EU-Beschränkungen gegenüber Microsoft wirksam? 

Einige Fragen müssen kritisch bzw. negativ beantwortet werden.

  • Windows 11 ist sehr effekthascherisch, so ist sein Startmenü z. B. in der Mitte und nicht links (auch wenn man das anders einstellen kann);
    außerdem werden dem Nutzer ständig reizüberflutende Nachrichten präsentiert
  • wahre Innovationen sind selten 
  • auf vielen PCs läuft Windows 11 leider nicht, was die Frage nach einer Systemalternative aufwirft, wenn man nicht seine Hardware entsorgen will
  • die Sicherheit von Microsoft Windows wird seit jeher kritisch  gesehen
  • ob Windows 11 selber spioniert, ist schwer nachzuweisen, aber anzunehmen;
    Chatbots wie "Copilot" sollten aber höchstens optional, also auf Wunsch des Nutzers, zum Einsatz kommen
  • es ist bekannt, dass Microsoft die Nutzer seiner Produkte in seiner Produkt-Peripherie halten will, d. h. dass die Nutzer nicht nur Windows 11 nutzen sollen, sondern gleichzeitig auch noch die Suchmaschine Bing, die XBox, die Cloud von Microsoft usw.;
    dies tun allerdings auch Firmen wie Apple
  • Microsoft will die Nutzer v. a. dazu bringen, Abos abzuschließen und immer mehr die Cloud-Angebote der Firma zu nutzen;
    so sind Umsatz und Gewinn für Microsoft höher und konstanter;
    denn das reine Geschäft mit einem Betriebssystem ist in einer sich schnell wandelnden digitalen Welt unsicher
  • die EU hat Microsofts Geschäftsgebaren in einigen Punkten Schranken gegenübergestellt; trotzdem versucht Microsoft, durch immer neues Vorgehen und immer neue Wege diese Schranken zu umgehen
     

2. Die Alternativen

Es stellt sich also die Frage nach Alternativen.
Diese Frage ist nicht so schwer zu beantworten, wie es scheint:
Bei den Desktop-Betriebssystemen gibt es hauptsächlich 3 Pferde im Rennen:

  • Microsoft Windows
  • macOS von Apple
  • Linux (auch GNU/Linux genannt) 

Will man also von Microsoft Windows weg, kann man sich entweder an Apple-Produkte halten, die insgesamt als zuverlässiger und besser aufeinander abgestimmt gelten. Dann muss man aber noch mehr bezahlen als bei Microsoft und hat weiterhin eine kommerzielle Überwachung und Einbindung.

Oder man wechselt zu Linux. 
Kompliziertere Alternativen wie FreeBSD oder andere BSDs lassen wir hier weg.

Das Betriebssystem Linux oder besser GNU/Linux ist das dritte OS im Rennen.
Kurz erklärt: Warum nennt man es auch GNU/Linux?
Das liegt daran, dass das 1983 initiierte GNU-Projekt von Richard Stallman wichtige Grundlagen geschaffen hat, damit später aus dem Kernel (also dem Betriebssystemkern) Linux auch ein einsatzfähiges Betriebssystem werden konnte.

Linux hat auf dem Desktopmarkt zwar weltweit nur einen Marktanteil von 2 - 3 %, wobei der Anteil in fortschrittlichen Regionen auch 4 % und mehr sein mag, auf dem Servermarkt liegt es dafür vorne. Hinzu kommt, dass Linux Ähnlichkeiten mit dem mobilen Betriebssystem Android aufweist.
Genauer gesagt basiert Android auf dem Linux-Kernel, es wurden aber deutliche Änderungen vorgenommen:

  • an den Bibliotheken: als C-Bibliothek dient Bionic statt glibc
  • Architektur: Java-Laufzeitumgebung (virtuelle Maschine: Dalvik/ART) und Touch-Bedienung statt Desktop-Server-Elementen wie Xorg (X11) und Wayland
  • Systemkomponenten: viele Bibliotheken, GNU-Tools und eine Shell (Bash) fehlen meist
  • Nutzerverwaltung: Android ist meist Single User, Linux Multi User
  • Dateisystem: Android verwendet meist YAFFS (NAND-Flash-Speicher) und Linux ext4, BtrFS oder andere Dateisysteme 

Android ist daher üblicherweise nicht POSIX-kompatibel und kann keine Linux-Programme ausführen. Es gibt in einigen der genannten Punkte aber auch Ausnahmen von der Regel.

Aber wie sieht es mit dem Marktanteil von Windows und macOS aus?
Microsoft Windows hält 2025 einen Marktanteil um 71 - 72 %. Es ist wohl zwischen 2022 und 2023 unter die 75 %-Marke gefallen (vgl. statista.com, statcounter.com). So genau kann man die Werte aber nicht bestimmen.
Damit ist Windows bei den Desktop-Systemen immer noch weit führend, aber es hat schon lange nicht mehr über 90 % wie noch 2010 und 2011.
Apples macOS liegt bei unter 15 %.

Immer wenn Microsoft irgendwelche Fehler machte, gab das einen kleinen Schub für Linux.
Der Durchbruch im Desktop-Bereich blieb aber bislang aus. Manche finden das aber auch gut, weil es dann weniger Schadsoftware gibt, die für speziell für/gegen Linux entwickelt wird.

Es gibt allerdings auch Probleme mit Linux, die nicht verschwiegen werden sollten:

  • Wenn man ein Windows-Programm unbedingt braucht, insbesondere beruflich, und dieses partout nicht auf Linux laufen will, dann wird der Umstieg vorerst unmöglich.
    • Künftig kann es aber sein, dass Containersysteme wie Winboat auch da aushilfen können. 
  • Für den Austausch von Textverarbeitungsdateien kann das Format .DOCX problematisch sein, weil das zu Anzeigenproblemen führen kann;
    mit einem Open-Document-Format, bei der Textverarbeitung .ODT, passiert das seltener, kommt aber dennoch ab und an vor. 

Man kann auch Kompromisse eingehen, z. B. Windows und Linux als "Dual Boot" auf einer Platte installieren. Besser ist es aber, wenn man Windows und Linux auf getrennten Platten installiert.

Wie aber installiert man Linux?

  • Man lädt sich zunächst eine populäre Linux-Distribution wie Linux Mint, Ubuntu, Fedora oder openSUSE als ISO-Datei herunter (es gibt auch andere Wege, aber dieser ist einfach).
  • Dann macht man mit einer kostenlosen Software wie Etcher oder Rufus einen handelsüblichen USB-Stick bootfähig und lädt die ISO-Datei darauf.
  • Dann richtet man das Boot-Menü seines Computers (je nach Hersteller mit F1, F2 oder einer anderen F-Taste) so ein, dass zuerst vom USB-Stick gebootet wird. 
  • Dann startet man den Computer neu und folgt den Anweisungen des grafischen Installationsprogrammes.


3. Ein kurzer Abriss der historischen Hintergründe


Wenn man Betriebssysteme historisch und systematisch einordnen will, muss man wissen, dass ein sehr großer Durchbruch durch das ab 1969 von Dennis Ritchie, Ken Thompson u. a. entwickelte netzwerkfähige Betriebssystem Unix (anfangs: Unics) gelang.
Ursprünglich sollte als Großprojekt ein Betriebssystem namens Multics entwickelt werden (Multiplexed Information and Computing Service; aber auch lat. "multi" - viele), das für Großrechner gedacht war.
Der Ansatz war zwar nicht schlecht, aber das Projekt zu groß und die Interessen der beteiligten Akteure (MIT, General Electrics, Bell Labs) zu verschieden. Einige Beteiligte des Multics-Projektes wollten aber die guten Ideen bewahren, nur auf einer bescheideneren Ebene: So wurde aus Multics Unics (Unix), wobei die Namen nicht nur für Abkürzungen standen, sondern auch an die lateinischen Begriffe "multi" (viele) und "unus" (einer) erinnerten.
Das neue Projekt Unix/Unics nahm bei Bell Labs seinen Lauf und man entwickelte extra dafür die Programmiersprache C, die heute noch von Bedeutung ist.

Anfangs war der Quellcode von Unix noch frei. Es gab damals in den 1970er-Jahren auch noch keinen Grund, ihn zu kommerzialisieren, weil die Anzahl der Computer noch sehr gering war.
Computer waren damals riesige Rechenmaschinen, die in Zentren von Industrieländern in großen Behörden, Universitäten, Firmen oder beim Militär standen.

Das änderte sich mit der Wende zu den 1980er-Jahren, als Computer immer zahlreicher und kommerziell interessanter wurden. Der Unix-Code wurde nicht nur durch private Firmen geschützt, sondern es entbrannten auch Streitigkeiten zwischen verschiedenen Unix-Versionen, die untereinander kaum noch kompatibel waren. Diese technischen und juristischen Streitereien nannte man auch "Unix Wars". Es gab damals z. B. AIX von IBM, HP-UX von Hewlett-Packard, SunOS/Solaris von Sun, BSD (Berkeley Software Distribution) von der Universität Berkeley und SINIX von Siemens.

In diese Lücke stießen bei dem steigenen Wettbewerb dann neue Akteure: Man denke an Steve Jobs und Steve Wozniak mit Apple, Commodore und später Atari mit ihren v. a. in den 1980er-Jahren berühmten Heimcomputern und - später mit durchschlagendem Erfolg - Bill Gates mit Microsoft DOS und später Windows.
Die großen PCs waren damals noch recht teuer und wurden nur in größeren Firmen und Behörden eingesetzt, waren aber schon ein Fortschritt zu den "Schränken" früherer Zeiten.

Sofern sie mit einer Unix-Version liefen, gab es folgende Probleme:

  • Rechner mit (altem) Unix wirkten hardwaretechnisch "seelenlos" und waren softwaretechnisch für Laien schwer zu bedienen
  • die Unix-Wars mit vielen verschiedenen und kaum mehr kompatiblen Versionen schwächten das ganze Unix-Projekt
  • insbesondere fehlte es Unix lange an einer brauchbaren graphischen Benutzeroberfläche
  • erst seit 1993 stand CDE (Common Desktop Environment) zur Verfügung, das zwar ein Fortschritt war und Motif als Grafik-Toolkit einsetzte, aber an den divergierenden Anforderungen seiner Entwickler und Sponsoren litt
  • immerhin war CDE (Common Desktop Environment) eine Blaupause für spätere freie Desktops wie KDE (Plasma) und Xfce, sowie dem aus KDE hervorgegangenen Gnome;
    anfangs konnte man den Desktop-Umgebungen noch ihre Verwandtschaft deutlich ansehen 

=> In diese Lücken stießen andere Anbieter, die Computer von Seiten der Hardware und der Software "flotter" und einsteigerfreundlicher anbieten wollten und konnten.

Gleichzeitig war aber die Unix-Fangemeinde inzwischen so groß, dass man wieder ein relativ einheitliches Unix oder unixoides (unix-ähnliches) Betriebssystem haben wollte, dessen Quellcode dazu noch frei verfügbar war.

Einen Schritt dahin tat Richard Stallman 1983/84 mit seinem GNU-Projekt.
Einen anderen Linus Torvalds 1991 mit seiner Ankündigung, einen freien Kernel zu entwickeln, der dann Linux heißen sollte (anfangs gab es mehrere Namensalternativen).
Beide verschmolzen zu GNU/Linux, das der Einfachheit halber aber meist Linux genannt wird, obwohl Linux eigentlich nur der Betriebssystemkern (Kernel) ist, der erst durch die Distribution zum Betriebssystem wird.
Linux ist übrigens eher als unixoides System denn als 100 %-iges Unix anzusehen, weil es an das Betriebssystem MINIX (ein Unix) von Andrew Tanenbaum "nur" angelehnt ist. Die Bewertung, ob Linux nun ein Unix oder unix-ähnlich ist, ist aber umstritten.

Nicht übersehen darf man aber, dass es neben GNU/Linux noch zwei weitere Ansätze gibt, die aber nicht zu einer so großen Breitenwirkung fanden. Auf beiden kann man heute aber die meisten Linux-Programme auch ausführen, weil ihre eigene Entwicklergemeinschaft für einen völlig eigenen "Betriebssystem-Kosmos" zu klein wäre.

  • BSD: Berkeley Software Distribution (oder Berkeley Unix) wurde in den 1990er-Jahren nach harten juristischen Kämpfen frei;
    daraus entstanden: 
    • FreeBSD (am weitesten verbreitet, gerade als Serverystem)
    • OpenBSD (hat den Anspruch, besonders sicher zu sein)
    • NetBSD (hat den Anspruch, auf vielen Plattformen zu laufen)
    • DragonFlyBSD (entstand aus FreeBSD)
    • erwähnenswert: auch macOS (über NextStep > OpenStep > Darwin) enthält viel BSD-Code, v. a. von FreeBSD, sein Kernel ist aber ein Mach-3-Kernel (XNU)
  • OpenSolaris/OpenIndiana: OpenIndiana basiert auf dem Illumos-Projekt und hat sich schrittweise von OpenSolaris fortentwickelt;
    seine Entwicklergemeinde ist aber noch kleiner als die von BSD



TEIL 2: DIE OPTIONEN


1. Die Distribution: z. B. Linux Mint oder openSUSE

Wenn man Sich die Lage von Linux ansieht, dann fallen einem hunderte Distributionen auf.
Das verwirrt den geneigten Umsteiger. Auf der Seite DistroWatch.com werden viele aufgezählt.
Dort gibt es neben Beschreibungen auch ein Ranking der Distributionen.
Auch wenn die Erfassung der Distro-Beliebtheit umstritten ist, so bietet Distrowatch.com doch eine grobe Orientierungshilfe.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass man Linux in wenige "Großfamilien" gliedern kann.
Davon seien hier einmal fünf genannt, von denen nur die ersten drei wirklich stark sind.
Viele Distributionen lassen sich in diese einordnen:

  • Debian Linux: Debian, Ubuntu, Mint, MX, Pop!_OS, Zorin, elementary, KDE neon ...
  • RedHat Linux: Fedora, Nobara, Alma Linux, CentOS, OpenMandriva Lx, RHEL (für Unternehmen) ...
  • Arch Linux: Arch, Cachy OS, EndeavourOS, Manjaro, Garuda, BlueStar, ...


Auch unter diesen drei Großfamilien muss man nicht allzu lange suchen.

Für Einsteiger kann man es dem Kanal "LinuxGuides" gleichtun und einfach Linux Mint empfehlen. Dann hat man Klarheit.
Wenn jemand mit Linux Mint nicht zufrieden ist, dann mag er ein anderes populäres Debian-Linux nehmen wie MX Linux, Ubuntu oder eines der Ubuntu-Derivate wie Kubuntu oder Xubuntu.

Möchte man etwas anderes probieren, empfehlen wir Fedora Linux oder openSUSE Linux.
Beide Distributionen sind schon sehr lange am Start und haben eine starke Struktur hinter sich.

Fedora ist deshalb gut, weil es sehr innovativ ist und ungefähr jedes halbe Jahr eine neue Version herausgibt.
Damit kann man sich sicher sein, dass die Software relativ neu ist, hat aber andererseits keine Rolling Release, die permanent modernisiert wird.
Ein permanentes Aktuellhalten der ganzen Distribution mit ihren Softwarepaketen klingt zwar an sich sehr positiv, kann aber Probleme machen, wenn die Software zu neu ist, man als Laie vor die Wahl gestellt wird, welche Version man davon haben will oder wenn man ein Betriebssystem eine Zeit lang nicht updatet/upgradet und dann plötzlich mit weit über 1.000 Paketen fertig werden muss.
Allerdings muss man sagen, dass es inzwischen relativ gute Vorkehrungen gegen Systemabstürzte von Rolling Releases gibt.

SUSE bzw. openSUSE gelten eigentlich als Distributionen für Fortgeschrittene und Entwickler.
Inzwischen ist openSUSE aber auch für Anfänger recht verständlich, hat viele Desktopumgebungen im Angebot und bietet neben eigenen Softwarepaketen durch distributionsübergreifende Pakete wie die von Flatpak eine umfangreiche Softwaresammlung.

openSUSE bietet außerdem die Auswahl, ob man es als Point Release ("Leap") oder Rolling Release ("Tumbleweed") haben will. Point Releases kennt man von Windows, also Windows 7, 8, 10, 11... 
Bei einer Rolling Release werden die Softwarepakete dagegen regelmäßig aktualisiert, so dass man immer ein "frisches" System hat. Die Nachteile wurden bereits angesprochen:
Ein Nachteil kann sein, dass man bei nicht ausgetesteter Software das System zurückstufen muss, was Anfängern schwer fallen kann, ein anderer kann sein, dass man bei der Auswahl zwischen Softwarepaketen nicht weiß, welches man nehmen soll und ein weiterer Nachteil kann sein, dass man "abgehängt wird", wenn man seinen Computer über längere Zeit überhaupt nicht updatet/upgradet.

openSUSE bietet neben Leap und Tumbleweed noch weitere "Sub-Distributionen":

  • Slowroll ist ein Kompromiss zwischen Point Release und Rolling Release (eher RR)
  • Immutable Systeme wieMicro OS oder Aeon/Kalpa, die auf dem Prinzip der Unveränderlichkeit beruhen; bei diesen Systemen können Daten, Objekte und Infrastrukturkomponenten nicht mehr so einfach verändert werden, was das Ziel hat, dass Hacker oder einfach unachtsame Nutzer nicht mehr so viel zerstören können; gleichzeitig kann man sich sein System dann aber nicht mehr so "passend machen";
    Anwendungen werden oft in (abtrennenden) Containern ausgeführt

Man darf aber bei all den Linux-Distributionen nicht vergessen: Der Kernel ist immer ein Linux!
Mit etwas Erfahrung kann man eine Distribution auch so modifizieren, dass sie die Hauptaufgaben einer anderen Distribution erfüllen kann.


2. Der Desktop (= Desktopumgebung): z. B. KDE Plasma oder Xfce

Bei Linux ist nicht nur die Distribution wichtig, sondern auch die Desktopumgebung oder kurz:
Der Desktop.

Da stehen auch einige zur Auswahl, wenn auch bei weitem nicht so viele wie es Distributionen gibt.

Auch hier machen wir es uns einfach:
Ein Desktop sollte für Umsteiger auf Linux in etwa so aussehen, wie man es von Windows gewohnt ist.
Sprich: Unten sei eine Fußleiste und links darin das Start-Menü.
Wenn man sich etwas eingearbeitet hat, kann man sich die Leiste bzw. Paneele natürlich auch nach links oder oben schieben und das Start-Menü kann man auch ansiedeln, wo man will.

Wir empfehlen folgende Desktops für Umsteiger (und auch für Fortgeschrittene):

  • KDE Plasma: KDE Plasma (früher nur: KDE) galt als relativ windowsnah und enthält viele Einstellungsoptionen - für manche allerdings auch ZU viele;
    KDE Plasma basiert auf Qt-Bibliotheken
  • Xfce: Xfce ist etwas einfacher strukturiert und gilt als sehr stabil;
    er ist für die Leute, die es weniger "barock" haben wollen, obwohl man auch dies mit Zusatzeinstellungen erreichen kann
  • Mate: Mate ist ähnlich wie Xfce etwas einfacher gebaut, enthält aber die wesentlichen Fähigkeiten und er ist ähnlich wie Xfce erweiterbar
  • Cinnamon: Cinnamon wurde extra von den Linux-Mint-Entwicklern geschaffen, um Windows recht nahe zu kommen; er ist opulenter als Xfce und Mate, stützt sich aber wie diese - und anders als KDE Plasma (mit Qt) - auf GTK-Bibliotheken 


3. Software

Viele Windows-Umsteiger fragen gerne: "Läuft mein Programm XY auch auf Linux?"

Nun, man kann z. B. mit Wine oder anderen Hilfsmitteln auch einige Windows-Programme auf Linux laufen lassen. Üblicherweise geht man aber anders vor:
Linux hat eigene Pferde im Stall!

Jede Linux-Distribution verfügt über eine Vielzahl von Programm-Paketen. Durch distributionsübergreifende Lösungen wie...

  • Flatpak
  • Snap
  • AppImg

 ... ist heute die Programmauswahl riesengroß!

Wer natürlich beruflich eine bestimmte Software braucht, die es für Linux nicht gibt, hat mit dem Umstieg sicher ein Problem.

Aber wir wollen anhand von Beispielen zeigen, was das Angebot bereithält:

  • Browser: Firefox, Chromium, Vivaldi, Opera, ggf. Brave 
  • Mail: Thunderbird oder Evolution, ggf. Claws Mail 
  • Media Player: VLC, Celluloid/MPV 
  • Internetradio: Shortwave 
  • Grafikanzeige: Gwenview, Okular, XnView 
  • Photobearbeitung: Darktable, Raw Therapee 
  • Pixelgrafik: Krita, GIMP 
  • Vektorgrafik: Inkscape 
  • Videoschnitt: Shotcut, OpenShot, Pitivi, Kdenlive, DaVinci Resolve (nur teilweise frei)
  • Musikbearbeitung: LMMS, Rosegarden

Mit dieser immensen Software-Auswahl und noch viel mehr lässt sich sicher Vieles machen.


4. Weitere Informationen

Für weitere Informatione blicke man in Computerzeitschriften wie die "c't", einschlägige Buchveröffentlichungen, auf Artikel/Podcasts von Novatlan/Atlanton TV oder auf IT- und Linux-Kanäle auf Youtube.

  • LinuxGuides: https://www.youtube.com/@LinuxGuides
  • fosstopia (früher: MichlFranken): https://www.youtube.com/@fosstopia
  • Pinguin TV: https://www.youtube.com/@Pinguin-TV
  • Nicht der Weisheit letzter Schluss: https://www.youtube.com/@nichtderweisheit
  • So'n Typ im Internet: https://www.youtube.com/@SonTypimInternet


Sonntag, 13. April 2025

DER ZERBROCHNE KRUG...

Stilleben mit Krug (pixabay.com) 



Ein Schulprüfer will feststellen, ob die Bildung der heutigen Schüler wirklich so schlecht ist, wie es in den Medien heißt. Deshalb geht er zur S.-Schule (Name von der Red. geändert) und will die dortigen Schüle auf ihrer Kenntnisse in "Der zerbrochne Krug" von Heinrich von Kleist prüfen.

Schulprüfer: "Was wisst Ihr über "Der zerbrochne Krug"?"
Fritzchen: "Ich war's nicht!"

Der Schulprüfer ist ganz entsetzt und wendet sich an den Lehrer.
Lehrer: "Für den Schüler kann ich meine Hand ins Feuer legen. Der hat den Krug bestimmt nicht zerbrochen!"

Völlig unter Schock geht der Schulprüfer zum Schulrektor und erzählt ihm vom Unwissen von Schülern und Lehrer.
Rektor: "Also was Sie da immer für ein Theater machen...
Hier haben Sie 20 €uro, kaufen Sie sich einfach einen neuen Krug!"

Verzweifelt wendet sich der Schulprüfer an den Kultusminister und erzählt ihm von den Missständen in seinem Länd.
Minister: "Lassen Sie uns die Sache mal ganz logisch angehen:
Der Schüler war's nicht und der Lehrer war's auch nicht. Aber der Rektor, der war's!"

Schulprüfer: "Wieso das denn?"
Minister: "Sonst hätte er Ihnen nicht die 20 €uro gegeben!"

Freitag, 14. Februar 2025

GROẞE DENKER UND MACHER - COMPENDIUM

The Thinker Rodin · Free photo on Pixabay
Der Denker/Le Penseur (Auguste Rodin)


Wir haben in diesem Blog schon mehrere Listen über Große Denker aus verschiedenen Wissensbereichen aufgeführt.
 
Darüber hinaus haben wir über viele dieser Denker und ihr Werk Artikel geschrieben und weitere Verweise angegeben, damit man sich intensiver mit ihnen beschäftigen kann.
 
Was wir weniger gemacht haben, ist, eine knackige Zusammenfassung ("Kompendium") der unserer Ansicht nach wichtigsten und prägnantesten Denker aufzustellen.
 
Man denke dabei an das LSR-Projekt von Holger Laska über die Denker LaMettrie - Stirner - Reich. Dieses existiert schon seit den Anfängen des WWW, als es hier noch nicht so voll war und wir haben dessen Seite immer wieder besucht.
 
 
Louis Althusser (1918 - 1990):
  • in seiner Autobiographie "L'avenir dure longtemps" (dt.: Die Zukunft hat Zeit), die mit dem Erwürgen seiner Frau im November 1980 beginnt, versucht Althusser rückblickend seine Autobiographie entlang von Pathologien in der eigenen Familie und Zeitströmungen des 20. Jhd.s zu entwickeln
  • zynisch, aber in einigen Punkten auch erhellend 

Julian Jaynes (1920 - 1997):
  • Jaynes verbindet Psychologie und Geschichte (mindestens diese beiden Fächer)
  • in seiner Theorie, dass das moderne (Ich-)Bewusstsein erst mit der Zeit entstanden ist - und zwar durch den Zusammenbruch der "bikameralen Psyche", versucht er zu zeigen, dass die Menschen vorher ein Zwei-Kammern-Bewusstsein mit einem göttlichen und einem menschlichen Anteil hatten
  • Jaynes wurde für diesen Ansatz leider gemobbt und früh krank

LaMettrie, Julien Offray (1709 - 1751):
  • LaMettrie gilt als Radikalaufklärer, für einige auch als Stiefkind der Aufklärung
  • LaMettrie war (biologischer) Materialist und Atheist und stützte sich als Arzt auf die medizinischen Erkenntnisse seiner Zeit
  • LaMettrie floh ähnlich wie Voltaire aus Frankreich nach Preußen, beide konnten sich aber nicht besonders leiden

Theodore Roszak (1933 - 2011):
  • Roszak war Historiker und beschäftigte sich mit vielen wichtigen Themen, wie z. B. der Gegenkultur/Counter Culture der 1960er-Jahre (der Begriff soll von ihm stammen), den Nebenwirkungen des Computerzeitalters, der amerikanischen Rechten (und ihrer Fraktionen) und der Ökopsychologie
  • daneben schrieb er auch Romane
 
Immanuel Wallerstein (1930 - 2019):
  • Marxist und Weltsystemtheoretiker
  • er versuchte sich in seiner Weltsystemtheorie an einer Makrotheorie zu einer Zeit, in der diesen zunehmend mit Skepsis betrachtet wurden
  • der Dependenztheoretiker Andre Frank schloss sich spät auch den Weltsystemtheoretikern an
  • Wallerstein hat zu Lebzeiten in seinen "Commentaries" auch aufsatzartig das aktuelle Zeitgeschehen kommentiert 
 
Weitere große Denker:
  • Buddha
  • Chomsky, Noam
  • Epikur
  • Hentschel, Stefan 
  • Sokrates
  • Themistokles
  • Thukydides
  • Webb, Gary (1955 - 2004)