Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
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Freitag, 17. Januar 2014

OUTLAW MOTORCYCLE GANG (OUTLAW MOTORCYCLE CLUB)

Extreme und oft kriminelle Rockerbanden werden international Outlaw Motorcycle Gang oder Outlaw Motorcycle Club genannt und OMG, OMCG oder OMC abgekürzt (hier: OMC). Man spricht international auch von Bikern, nicht von Rockern. Im französischen Sprachraum ist der Begriff Motards geläufig.

Man muss dazu wissen, dass Motorradclubs natürlich nicht generell kriminell sind. Es können sich jedoch aufgrund gewisser Faktoren in diesem Sozialmilieu schnell kriminelle Strukturen entwickeln:

- Motorradclubs ziehen oft Männer jüngeren und mittleren Alters an und versprechen Abenteuer
- Motorradclubs sind schlagkräftig
- MC sind gut vernetzt und mobil, was sie z. B. für den Handel mit illegalen Waren geeignet macht
- nach Kriegen wie dem Zweiten Weltkrieg oder dem Vietnamkrieg suchen ehemalige Soldaten weiter den
  Gruppenzusammenhalt und den Adrenalinkick und haben Schwierigkeiten mit der Reintegration in ziviele
  Strukturen
- einige, aber nicht alle Mitglieder in MC kommen aus prekären Schichten;
  manche stammen aus dem Bürgertum, sind aber von diesem enttäuscht (z. B. in der Hippiezeit)
- MC und gerade OMC vermischen auf seltsame Weise linke Protestwerte mit rechten Werten wie Loyalität
  zu Ethnie und Vaterland und einer positiven Einstellung zum Kapital


BEDEUTENDE OMC


Hells Angels:
  • 2000 - 2500 Mitglieder 
  • Aktivität in mind. 27 Ländern 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Körperverletzung, Geldwäsche, Mord 
  • Tätigkeiten im Drogenhandel: Kokain, Cannabinoide, Heroin, LSD, MDMA, PCP 


Bandidos:

  • 2000 - 2500 Mitglieder
  • Aktivität in mind. 13 Ländern; Schwerpunkte im Westen und Süden der USA 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Gewaltkriminalität
  • Tätigkeiten im Drogenhandel: Kokain, Cannabinoide (Marihuana), Methamphetamin  


Outlaws:
  • ca. 1700 Mitglieder 
  • Aktivität in mind. 13 Ländern; Schwerpunkt bei den Grossen Seen 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Brandstiftung, Körperverletzung, Schutzgelderpressung, Geldwäsche, Mord, Zuhälterei  


Mongols:
  • 800 - 850 Mitglieder 
  • Aktivität v. a. in den USA 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Gewaltkriminalität (besonders intensiv!), Mord 
  • Tätigkeiten im Drogenhandel: Kokain, Marihuana, Methamphetamin 
                                                           


- Vagos:
  • ca. 300 Mitglieder
  • Aktivität im SW und W der USA, einige Chapter sind auch in Mexiko
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Gewaltkriminalität, Versicherungsbetrug, Geldwäsche, Waffen
  • Tätigkeiten im Drogenhandel: Methamphetamin, Cannabinoide 


Sons of Silence
  • 250 - 275 Mitglieder 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Körperverletzung, Schutzgelderpressung, Mord, Zuhälterei, Geldwäsche und Waffenhandel 


- Pagans:
  • 200 - 250 Mitglieder 
  • Aktivität an der mittleren Atlantikküste 
  • Kriminelle Tätigkeiten: Drogenhandel, Gewaltkriminalität, Brandstiftung  
  • Tätigkeiten im Drogenhandel: Kokain, Methamphetamine, Cannabinoide, PCP


- weitere OMC: Black Devils,  Black Pistons, Blue Angels, Bones (ehem.), The Breed, Brother Speed,
  Comancheros, Devils Disciples, Diablos, Gremium, Gypsy Joker, Highwaymen, Rebels,
  Road Runners, Satudarah, Schwarze Schar, Warlocks usw.


LAGE IN DEUTSCHLAND

In Deutschland sind auch einige OMC unterwegs. Beim Nachweis von kriminellen Verwicklungen wurden aus rechtlichen Gründen bislang wenn überhaupt nur einzelne Charter geschlossen. Diese gehörten oft zu den Hells Angels oder den Bandidos, manchmal auch zu den Mongols und zum Gremium.

Viele deutsche Charter gehören zu internationalen Clubs. Es gibt aber auch Gründungen innerhalb Deutschlands, die oft, wenn auch nicht immer auf dort stationierte US-Soldaten zurückgehen.
Inzwischen haben sich aber auch viele von den in Deutschland gegründeten Clubs den internationalen Clubs angeschlossen.
Derzeit ist der Gremium MC einer der letzten starken deutschen Clubs. Das Gremium stammt aus Mannheim und wurde dort u. a. von einem Jurastudenten gegründet. Anfänglich war es ein rein regionaler Club, der 1972 in der ersten Welle der deutschen Rockerclubs gegründet wurde. In den 90er-Jahren wandelte die sich bis dahin eher regional gegliederte deutsche Clublandschaft durch die aggressive Expansionspolitik einiger grosser Clubs massiv. Das Gremium war in der Lage, seine Unabhängigkeit zu bewahren und selber durch eine gute strategische Erweiterungspolitik in Ostdeutschlands und dann ausserhalb Deutschlands Fuss zu fassen. Inzwischen ist das Gremium MC auch in Übersee aktiv.
Ein Unterstützerclub ("Supporter") ist der Bad Seven MC.

Andere Gruppen haben sich, wie oben erwähnt, sich mit der Zeit internationalen Gruppen angeschlossen.
Dazu gehörte der einflussreiche und laut BKA kriminelle Bones MC, der 1999 fast ganz in den Hells Angels aufging.
Der Ghostrider's MC ging 1999 in den Bandidos auf (Gründung in den NL, dann D).
Der Ghost-Riders MC ging 2001 in den Outlaws auf.


POLITISCH-HISTORISCHE EINORDNUNG

Die Geschichte der OMC ist wie bei allen MC naturgemäss kurz. Es gibt erst seit dem 19. Jhd. Motorräder.
Die ersten Motorräder waren noch motorisierte Fahrräder (ursprl.: Motorfahrrad; motorbike), ganz zu Anfang sogar Dampfräder. Einige Experimentalformen hatten noch Stützräder.
Die ersten in Serie gefertigten Benzinmotorräder stammten von der deutschen Firma "Hildebrand & Wolfmüller" (1894) wurden auch Motorrad genannt. Es folgten schnell technische Verbesserungen.
Eine angemessene Verbreitung in Industrieländern fanden Motorräder dann nach dem Ersten Weltkrieg. Heute ist vielen Menschen nicht mehr bewusst, welche Vorteile damals die günstigen und in D wenige Formalitäten erfordernden Motorräder hatten. Gerade Deutschland wurde zum weltweit führenden Motorradland. Auch in den USA waren Motorräder weit verbreitet, wurden aber schneller als in D vom Automobil abgelöst. Daneben wurden auch Motorradgespanne oder kleinere Varianten wie Mofas entwickelt.
Es ist klar, dass sich in diesem Umfeld auch Vereine entwickelten, die sogenannten Motorradclubs. Der deutsche Autoclub ADAC wurde 1903 zuerst als Motorradclub gegründet. In den USA existiert seit 1924 die American Motorcyclist Association. Seit 1932 existiert als erster nachweisbarer US-Club der Gypsy MC.
Die Outlaw-Biker traten erst nach dem Zweiten Weltkrieg offen in Erscheinung. Damals kam es neben den schon bestehenden Konflikten zu zusätzlichen Problemen durch heimkehrende GIs, die Schwierigkeiten hatten, sich wieder in das Zivilleben zu integrieren, während gleichzeitig das Motorrad als Fortbewegungsmittel durch den Wirtschaftsaufschwung immer weiteren Kreisen zur Verfügung stand.
Symbolisch wird der "Hollister Bash" als Entstehungszeitpunkt der OMC genannt:
Am 04.07.1947 fand in Hollister ein grosses Motorradwochenende der AMA statt. Dabei kam es zu Unruhen. Deren Ausmasse sind in der Geschichtsschreibung umstritten.
In der Presse sprach man vom "Hollister Bash" und bediente auch mit gestellten Fotos die Sensationslust.
Auch das Magazin "Life" berichtete darüber.
Die AMA nahm angeblich in die Richtung dazu Stellung, dass 99 % der amerikanischen Biker friedliebend seien. Nur 1 % seien Rauf- und Trunkenbolde. Daraufhin nähten sich einige der wilderen Biker 1%er-Abzeichen auf ihre Kutten. Aus solchen Gruppen entstanden die OMC.

Die politische Einordnung solcher OMC fällt schwer, wenn sie überhaupt möglich ist.
Einerseits rebellieren die OMC gegen die bürgerliche Gesellschaft und wären demnach anti-konservativ, andererseits vertreten sie aber rechte Werte wie ostentative Stärke, hierarchisches Denken und Loyalität zu Eigengruppen bis hin zum Vaterland. Wirtschaftlich stehen sie dem Gelderwerb positiv gegenüber und handeln gerne mit illegalen Substanzen und könnten diesbezüglich eher als rechts verortet werden.
Die Gründung der meisten OMC erfolgte (s. o.) schrittweise nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine früher OMC sind die Hells Angels. Sie sind wohl benannt nach einem gleichnamigen Film von 1930, in dem es um Kampfflieger im Ersten Weltkrieg geht.
Der Club wurde am 17.03.1948 in Fontana (Kalifornien) gegründet, wobei es zu einigen Unstimmigkeiten bezüglich des Namens und der Symbole kam. Ihr Anführer Ralph "Sonny" Barger sorgte 1957 für den Zusammenschluss weiterer Clubs unter dem Label der Hells Angels. In den 1960er-Jahren dehnte sich die Gruppe den über die USA und schliesslich über mehrere Kontinente aus. In Europa treten die Angels seit 1969 auf.
Berühmt ist das Auftreten der OMC in den politisch bewegten 60er-Jahren, als sie zwischen Gegenkultur und Mehrheitsgesellschaft standen.
Die OMC versorgten die aufkommenden Alternativ- und Subkulturen (wie die Hippies) mit Drogen und traten für diese als Enforcer bei Streitigkeiten ein. Sie mochten auch deren rebellische Haltung und den Musikgeschmack der Zeit. Gleichzeitig verachteten sie die Hippies für ihren "weichen" Habitus und ihre unpatriotische Haltung zum eigenen Land.
Damals kreuzten sich auch beide Gruppen, Alternative und OMC mehrfach: Die Manson Family orientierte sich zunächst am Lifestyle der Hippies, handelte dann aber auf ihren Wüsten-Ranches über durchfahrende Bikergangs mit Drogen und passte sich ihnen schliesslich auch kleidungstechnisch an.
Bei den damals zahlreichen Konzerten der Gegenkultur wurden manchmal OMC als Ordnungskräfte eingesetzt. Beim berühmten Open-Air-Konzert in Altamont kame es zu Schlägereien zwischen ordnenden Hells Angels und Festbesuchern, die zu einer tödlichen Messerattacke führten.

Ein wichtiger Konkurrenzclub der Hells Angels sind die Bandidos. Der Bandidos MC wurde 1966 in Houston (Texas) gegründet. Ihr Anführer war zunächst Donald Eugene Chambers, dann Ronnie Hodge. Ronnie Hodge übernahm den Club, nachdem Chambers für den Mord an zwei "unzuverlässigen" Drogendealern eine lebenslängliche Freiheitsstrafe bekam. Er hatte mit Komplizen die beiden dazu gezwungen, ihr eigenes Grab zu schaufeln.
Die ersten Anhänger des Clubs (darunter auch die beiden genannten Anführer) waren ehemalige Vietnam-Veteranen. Einige waren auch abgewiesene Bewerber der Hells Angels. Ronnie Hodge setzte das von Chambers begonnene Werk mit voller Intensität fort und expandierte den Club über die Vereinigten Staaten und dann weltweit. Seit 1989 gibt es die Bandidos auch in Europa.

Ähnlich interessante Entstehungsgeschichten sieht man auch bei den anderen OMC, nur können hier aus Platzgründen nicht alle wiedergegeben werden.


HALTUNG ZUR KRIMINALITÄT

OMC haben häufig eine deutliche Nähe zur Organisierten Kriminalität, sind manchmal sogar mit ihr identisch. In den USA werden sie besonders von FBI und Polizei überwacht. Bei den Strafverfolgungsbehörden gelten sie als Gefahr für die öffentliche Sicherheit, insbesondere durch Gewaltverbrechen, Drogen- und Menschenhandel.
Sie sind in mehrfacher Weise kriminell. Erst einmal sind sie gewaltbereit und setzen sich gegen Gruppen ein, die ihr Treiben zu stören scheinen. Diese Gewaltbereitschaft wird auch für die Türsteherszene eingesetzt, wobei vielen Gastronomieunternehmern Türsteher regelrecht aufgezwungen werden, so dass es eigentlich um verdeckte Schutzgelderpressung geht.
Zweitens sind sie in den illegalen Handel mit verschiedenen Waren verwickelt. Dazu gehören der Drogenhandel, der Waffenhandel und der Menschenhandel. Für den Drogenhandel sind die international agierenden Bikergruppen besonders geeignet, weil sie Drogen auch über Staatsgrenzen hinweg schmuggeln und dabei gleichzeitig Kontakte zu Drogensyndikaten nutzen können.
Weiter gibt es bei OMC kriminelle Handlungen wie Diebstahl und Hehlerei.

Bis 2010 gab es in den USA 300 bis > 500 OMC (je nach Kategorie) mit über 20.000 Mitgliedern, wenn man auch lokal aktive Gruppen hinzurechnet. Grosse, international agierende Gruppen zählen dagegen nur ungefähr ein Dutzend.
OMC haben oft eine relativ zentrale Führungsstruktur mit Niederlassungen (Hauptquartieren) in verschiedenen Regionen, die man Chapter oder Charter nennt. Ausserdem haben OMC meistens einen klaren Verhaltenskodex, der mehr oder weniger genau überwacht wird. Dazu gehören auch Vorschriften bezüglich der Kleidung, v. a. der sogenannten "Kutten".


ROCKERKRIEGE

Zwischen OMC ("Rockerbanden") kommt es fast ständig zu Konfliken. Manchmal eskalieren diese Auseinandersetzungen aber zu regelrechten Kriegen, an denen mehrere hundert Bandenmitglieder teilnehmen und bei denen nicht nur Fäuste, Messer, Knüppel und Faustfeuerwaffen eingesetzt werden, sondern auch Sturmgewehre, Scharfschützengewehre und panzerbrechende Waffen.

Berühmt waren besonders die Rockerkriege in Quebec und Skandinavien in den 90er-Jahren, es gab aber noch mehrere.


1. Rockerkrieg in Quebec:
  • 1994 - 2002, mit Ursprüngen in den 80er-Jahren
  • Der aus Kalifornien stammende Hells Angels MC gründete erst ab 1977 Chapter in Kanada. Zuerst gab es eines in Montreal, dann folgen bis 1985 zwei Charter in Quebec. Die Hells Angels erlangten recht früh Kontrolle über den Drogenmarkt in den betreffenden Regionen.
  • 1984 warfen Charter aus Quebec und Nova Scotio dem Charter in Laval vor, Drogengelder veruntreut zu haben. Der Anführer Yves Trudeau und einige weitere Mitglieder sollten ermordet werden.
  • Am 24.03.1984 kam es zum "Massaker von Lennoxville". Dabei wurden bei einem vereinbarten Treffen in einem Clubhaus von Lennoxville fünf Rocker in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. 
  • Trudeau konnte wegen einer Entgiftungskur nicht teilnehmen. Als Folge des Massakers lief er über und informierte die Polizei. Er gestand viele Morde und brachte 43 Hells Angels hinter Gitter.
  • Zur gleichen Zeit waren Maurice "Mom" Boucher und Salvatore Cazzetta Mitglieder des MC SS in Montreal. Es handelte sich dabei um einen White-Supremacist-MC. Beide wollten sich den Hells Angels anschliessen. Sie unterschieden sich jedoch darin, dass sie die Rechtmässigkeit der Morde am sog. Lennoxville-Massaker unterschiedlich beurteilten. Boucher trat Ende 1987 den Hells Angels bei und machte dort Karriere, Cazzetta blieb nach dem Massaker auf Distanz und gründete mit abtrünnigen Angels 1986 The Rock Machine M.C.. 
Ein optimistischer Mom Boucher.
  • 1993 arrangierte Cazzetta den Import von angeblich 10.000 kg Kokains aus Kolumbien über die Vereinigten Staaten. 1994 wurde er beim Schmuggeln von 200 kg über die Grenze nach Kanada erwischt und vier Jahre später sogar nach Florida ausgeliefert. Seine zwölfjährige Haftstrafe schwächte Rock Machine und stärkte "Mom" Boucher.
  • Mom Boucher wollte jetzt gnadenlos ein Drogenmonopol der Hells Angels durchsetzen und drohte allen bisher unabhängigen Drogenhändlern bei Zuwiderhandlung Konsequenzen an. Bei mehr als 40 Gangs gelang das bis 1998. Die Rock Machine und andere Gruppen reagierten mit der Gründung von "The Alliance", die auch über Verbindungen zur kanadischen Mafia verfügte. So wollte man die Hells Angels in die Schranken weisen. 
  • Aber auch die die Hells Angels schliefen nicht und begannen mit der Gründung sog. "Puppet-Clubs". Das waren aggressive Unterorganisationen, die die Rock Machine angreifen und schwächen sollten. 
  • Am 13.07.1994 wurde Pierre Daoust von den mit den Angels verbündeten Dead Riders in seiner Werkstatt angegriffen und mit 15 Kugeln niedergeschossen. Im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen. Der Rockerkrieg hatte endgültig begonnen. 
  • Am 19.10.1994 wurde Maurice Lavoie in Repentigny erschossen. Er wollte seine Drogen von den Hells Angels beziehen statt von der Pelletier-Familie (aus der "Allianz"). 
  • Mom Boucher wollte aus Rache Sylvain Pelletier töten und liess ihn am 28.10.1994 durch eine Autobombe ermorden. 
  • Die Allianz wollte sich nun an Boucher rächen und legte für ihn eine Bombe aus. Doch dieser entkam dem Tötungsversuch. 
  • Am 09.08.1995 kam es zu einem Autobombenanschlag in Montreal. Der Anschlag galt Marc Dubé, der auch sofort tot war. Als "Kollateralschaden" starb jedoch auch Daniel Desrochers, der auf der anderen Seite der Strasse von Schrapnellsplittern getroffen wurde. 
  • Im September starb das erste Vollmitglied der Hells Angels. Zur Vergeltung wurden neun Bomben gezündet. 
  • Bei dem sich entspinnenden Rockerkrieg war das 1995 gegründete Nomads-Charter unter Mom Boucher besonders stark involviert. 
  • Die Öffentlichkeit war durch die Eskalation entsetzt und forderte ein härteres Vorgehen. Doch der Krieg ging noch viele Jahre weiter. 
  • Robert Perrault, der Minister für öffentliche Sicherheit in Quebec, musste 1997 die öffentliche "Krisensituation" eingestehen und drängte die Regierung zu einer stärkeren Anti-Gang-Gesetzgebung nach US-Vorbild. 
  • Maurice Boucher beschloss nun, den Krieg auch gegen den Staat zu führen. Er wollte exemplarisch Staatsbedienstete töten, um seine Macht zu demonstrieren. Er gab die Ermordung der Gefängnisaufseher Diane Lavigne und Pierre Rondeau in Auftrag. 
  • 1998 wurde Maurice Boucher nach einem aufsehenerregenden Prozess von der Jury freigesprochen! Ihm war zur Last gelegt worden, ein Jahr zuvor die Ermordung der erwähnten Gefängnisaufseher in Auftrag gegeben zu haben. 
  • Im Juli 2000 erschossen zwei maskierte Männer Robert Savard, einen Freund Bouchers, in einem Restaurant. Bei der Schiesserei wurde ein Freund Savards, Normand Descoteaux, schwer verletzt und eine Kellnerin von einer Kugel am Bein getroffen. 
  • Schon in der darauffolgenden Woche wurde der mit der Rock Machine verbündete Martin Bourget in Grandby in einem Park erschossen. In der Nähe fand man ein zerstörtes Sturmgewehr und einen ausgebrannten Jeep. 
  • 2001 wurde Rock Machine bei einem Patch Over Teil der Bandidos. Da aber nicht alle als Vollmitglieder übernommen wurden, liefen viele zu ihrem Erzfeind, den Hells Angels, über. 
  • In der Folgezeit kam es zu weiteren Schiessereien und Bombenanschlägen. Der Krieg dauerte insgesamt bis 2002. Schon bis 1997 zählte man 88 Bombenanschläge. Viele Anschläge wurden gegen Bars einer verfeindeten Gruppe durchgeführt.
  • 2000 wurde der Freispruch für Maurice Boucher in einem Revisionsverfahren wieder aufgehoben.
  • 2002 wurde er im Mai zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen zweifachen Mordes und einfachen versuchten Mordes verurteilt. Damit endete der Rockerkrieg schliesslich.
  • Die Auseinandersetzungen hatten insgesamt über 150 Tote gefordert. Die Schätzungen variieren in den Quellen etwas, Der Spiegel schreibt von 125 Toten von 1995 - 2000, Julian Rubinstein von 162 Toten und High Times von 160 Toten und 15 dauerhaft Verschwundenen.
    Der Sachschaden ist schwer zu beziffern. Die Milieumorde an sich gingen aber weiter. 

2. Rockerkrieg in Skandinavien:

Jörn Jönke Nielsen
  • Bei dem Rockerkrieg in Skandinavien ging es im Kern darum, dass die Hells Angels, die vorher schon in langjährige Auseinandersetzungen verwickelt waren, in den 1990er-Jahren Konkurrenz durch die neu auftretenden Bandidos fürchteten und vorsorglich losschlagen wollten. In Finnland waren auch die Outlaws in die Auseinandersetzungen involviert. 
  • In Kopenhagen (Dänemark) wurde Anfang 1980 von Jörn "Jönke" Nielsen ein Hells-Angels-Charter gegründet. Der Club bekämpfte zunächst erfolgreich den Bullshit MC und nahm dann den 1984 gegründeten Morticians MC ins Visier. In der Folge gründeten sich noch weitere MC.
  • 1992 gerieten dann die Hells Angels mit den ursprünglich verbündeten Morticians in Konflikt. Diese gaben sich darauf den Namen Undertakers MC und wurden Verbündete der international aktiven Bandidos, die allerdings bislang nur über Marseille in Europa vertreten waren.
  • Der Undertakers MC wurde zu MC Denmark.
  • 1994 versuchten die Hells Angels zu verhindern, dass sich der Morbids MC in Schweden zu einem grossen Club entwickelt. Die Morbids wandten sich ihrerseits (wieder) an die Bandidos.
  • Als sich schliesslich auch der Outlaws MC in Norwegen mit den Bandidos anfreundete, war die Eskalation des Streites zum Rockerkrieg besiegelt.
  • Die im Krieg aktiven Gruppen kämpften um den gesamten skandinavischen Drogenmarkt, besonders aber auch um den der Freistadt Christiania in Kopenhagen. Dabei gab es viele Tote.
  • Am 26.01.1994 kam es im Clubhaus des Morbids MC in Helsingborg zu einer Schiesserei, bei der niemand verletzt wurde.
  • Im Februar 1994 kam bei einer weiteren Schiesserei in Helsingborg der Hells Angel Joakim Boman ums Leben. Kurz darauf wurde das Angels Place mit einer Panzerabwehrrakete beschossen.
  • Als Gegenaktion wurde am 22.06.1994 der Präsident des Klan MC, ein Verbündeter der Bandidos in Finnland, von den Hells Angels erschossen.
  • Anfang 1995 erreichte die Auseinandersetzung Oslo, wo es am 19.02.1995 zu einer Schiesserei zwischen den Hells Angels und den Bandidos kam, bei der ein Rocker verletzt wurde.
  • Am 17.07.1995 wurde Michael "Joe" Ljunggren, Präsident der Bandidos MC Sweden, ermordet. Ljunggren war auf einem Weg zurück von einem Besuch bei den finnischen MC Undertakers. Der ihn begleitende ehem. Hells Angel Jan Jensen blieb unterwegs nach einer Panne zurück (Zufall?). Auf dem weiteren Weg wurde er von einem Scharfschützen beschossen und verlor die Kontrolle über sein Motorrad. Die Kugel hatte seine Schutzweste durchschlagen. Jensen wurde noch ins Krankenhaus gebracht, dort aber falsch behandelt und verstarb.
Mutter Inger Ljunggren mit Bild des Sohnes Michael
  • Auch hier liess der Gegenschlag nicht lange auf sich warten: Die Bandidos rächten sich neun Tage später mit Angriffen auf Clubhäuser verschiedener Prospect-Clubs in Helsinki und Helsingborg, bei denen sie Panzerabwehrraketen benutzten.
  • Diesmal reagierte die Polizei und verurteilte zwei Bandidos zu Haftstrafen: Kai Tapio Blom bekam sechs Jahre und Antti Tauno Tapani vier Jahre. Der finnische Präsident der Bandidos, der den Prozess vor Ort verfolgen wollte, wurde von Hells Angels attackiert.
  • Im Gegenschlag wurde ein Tatooladen der Hells Angels zerstört.
  • Weihnachten 1995 wurden zwei Hells Angels in einem Kopenhagener Nachtclub von mehreren Bandidos verprügelt. Die Auseinandersetzung griff damit nach Dänemark über. 
  • Im Januar 1996 wurden in Norwegen mehrere Bombenanschläge auf Clubhäuser der Hells Angels in Oslo und der Screwdrivers (Prospect) in Hamar verübt.
    In Helsinki wurde die Kneipe eines Hells Angels Opfer eines Bombenanschlags. 
  • Am 01.03.1996 griffen die Hells Angels ein Clubhaus der Bandidos in Helsinki an. Dabei wurden zwei Mitglieder der Bandidos durch Schüsse schwer verletzt. Einer von ihnen war der finnische Vizepräsident Jarkko Kokko, der 16 Tage später seinen Verletzungen erlag. Angeklagt wurden dafür Ilkka Ukkonen (Prospect) und Jussi Penttinen (Prospect), die zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden (12 und 6 J.). 
  • Am 16.03.1996 wurden Bandidos an Flughäfen von Dänemark und Norwegen angegriffen. Am Flughafen Oslo-Fornebu wurden mehrere Bandidos verletzt. Am Flughafen Kopenhagen-Kastrup wurde ein Bandido erschossen und drei weitere verletzt. Die Bandidos kamen gerade von einem Wochenende in Helsinki zurück. Dafür wurden Sechs Hells Angels und ihre Verbündeten zu einer Gesamtstrafe von 53 Jahren verurteilt. 
  • Im April und im Mai 1996 wurden weitere Bombenanschläge auf Clubhäuser der Hells Angels und ihrer Supporter in Helsingborg (Süd-Dänemark) verübt.
  • Im Gegenzug wurde der Bandido Jan "Face" Krogh Jensen am 15.07.1996 in Drammen (Norwegen) erschossen. Sechs Tage später wurde ein Prospect der Hells Angels in Oslo erschossen. Im gleichen Monat wurden zwei Hells Angels in Malmö (Schweden) und im Gefängnis Jyderup (Dänemark) verletzt. Am 28.08. wurde ein Attentag auf den Hells-Angels-Vizepräsidenten in Schweden verübt, wobei dieser verletzt wurde.
  • Im Oktober 1996 gab es drei Angriffe auf Clubhäuser der Angels. Am 03.10. wurden zwölf Unschuldige bei einer Explosion in Malmö verletzt. Am 06.10. wurde während einer Hells-Angels-Party das Clubhaus in Kopenhagen mit einem Raketenwerfer beschossen. Dabei wurden ein Hells Angel und ein Gast getötet. Der Bandidos-Prospekt Niels Poulsen wurde dafür zu lebenslänglicher Haft verurteilt. 
  • Am 30.10. explodierte eine Autobombe vor einem Clubhaus in Oslo. 
  • Ende 1996 gab es zwei Schiessereien in Horsens und Aalborg in Dänemark. 
  • Anfang 1997 wurde der Hells Angel Kim Thrysoe Svendsen ermordet. Thore "Henki" Holm, der Präsident des Outlaws MC und ein französischer Rocker werden von einem Mitglied des Untouchables MC angeschossen. In Amager und Köge (Dänemark) wurden mehrere Bandidos verwundet. Im Gegenzug wurden in Frederiksberg Hells Angels beschossen. 
  • Am 04.06.1997 explodierte vor einem Clubhaus der Bandidos in Drammen (Norwegen) eine Autobombe. Bei der Explosion wurde die unbeteiligte Irene Astrid Bäkkevold getötet, die gerade vorbeifuhr. 
  • 2002 wurde ein Mitglied der Hells Angels verurteilt. Drei Tage später wurde Björn Gudmandsen getötet und drei weitere Bandidos bei einer Schiesserei in Leseleje (Dänemark) verletzt. Der Hells Angel Vagn Smith erhielt dafür lebenslänglich.
  • Am 11.06. wurde das Clubhaus der Baandidos in Dalby (Dänemark) vermint vorgefunden. 
  • Am 25.09.1997 wurde der Krieg offiziell für beendet erklärt, indem sich "Big" Jim Tinndahn, der europäische Präsident der Bandidos und Bent "Blondie" Nielsen, der Präsident der Hells Angels im dänischen Fernsehen die Hände reichten.
  • Die Bilanz des Rockerkrieges waren 11 Morde, 74 versuchte Morde und 96 Verletzte. Beide Clubs unterzeichneten danach eine Art Friedensvertrag, der Charterbildungen in Skandinavien bis Ende der 1990er untersagte. Einige Biker wurden aber vertragsbrüchig.
    Die Regierung wollte den Motorradclubs den Ankauf von Land verbieten, was aber verfassungsrechtlich keinen Bestand hatte.
    Später behaupteten beide Clubs in einem Interview mit der dänischen Zeitschrift "Faklen", dass der Konflikt ursprünglich nur zwischen wenigen Mitgliedern existiert habe und dann von Polizei und Medien absichtlich eskaliert und verlängert worden sei.
    Die Auseinandersetzung belastete die Beziehungen zwischen beiden Clubs weltweit und beeinträchtigte deren Ansehen.
    In Deutschland kam es 2010 zu einem ähnlichen Friedensschluss zwischen den Hells Angels um Frank Hanebuth und den Bandidos um Vize Peter Maczollek, die sich medienwirksam in der Kanzlei von Götz von Fromberg (Coll. von Gerhard Schröder) die Hand reichten. 

... to be continued!


QUELLEN:

Eigene Recherchen
Wikipedia
diverse Lexika
einschlägige Literatur


LITERATUR:

Nichols, Dave/Kim Peterson: One Percenter. The Legend of the Outlaw Biker; 2010
Wolf, Daniel R.: The Rebels : A Brotherhood of Outlaw Bikers; Toronto 1991


FILME:

Der Wilde (The Wild One, USA 1953); Darsteller: Marlon Brando
Hell’s Angels on Wheels (USA 1967); Darsteller: Adam Roarke, Jack Nicholson, Oakland Hell’s Angels
Die wilden Engel (The Wild Angels, USA 1966); Darsteller: Peter Fonda, Nancy Sinatra
Easy Rider (USA 1969); Darsteller: Dennis Hopper, Peter Fonda, Jack Nicholson, Luke Askew, Phil Spector
Hell’s Angels ’70 (USA 1969); Darsteller: Tom Stern, Jeremy Slate, Sonny Barger, Terry The Tramp and The Oakland Hell’s Angels
C.C. and Company (USA 1970); Darsteller: Joe Namath, Ann-Margret
Rocker (D 1972); Regie/Drehbuch: Klaus Lemke
Quadrophenia (GB 1979); Verfilmung der Rockoper von The Who; Regie: Franc Roddam; mit Sting in einer Nebenrolle.
Stone (Australien 1984); Darsteller: Sandy Harbutt, Ken Shorter, Deryck Barnes, Hugh Keays-Byrne
Stone Cold (USA 1991); Darsteller: Brian Bosworth, Lance Henriksen, William Forsythe
Made of Steel (USA 1992); Darsteller: Charlie Sheen
Lone Hero (USA 2002); Darsteller: Lou Diamond Phillips, Sean Patrick Flanery, Robert Forster
Hell Ride (USA 2008) von Larry Bishop (Regie und Drehbuch); Darsteller: Larry Bishop, Michael Madsen, David Carradine, Dennis Hopper, Vinnie Jones; produziert von Quentin Tarantino und Larry Bishop




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