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Sonntag, 31. Dezember 2017

AIDS: ZEITLEISTE VON 1900 - 1980

1900 (ca.)
  • Ungefähr zu Beginn des 20. Jhd.s wurde wahrscheinlich eine Form des SIV (Simian Immunodeficiency Virus) in Afrika von Affenarten auf den Menschen übertragen und dann zu HIV (Human Immunodeficiency Virus).
    Man vermutet als Ursprungsort Zentral- oder Westzentralafrika. Dieses Gebiet war gerade damals sehr dicht bewachsen, von vielen Tierarten bewohnt und gleichzeitig sehr heiß und feucht.
    Gleichzeitig war der Kongo damals eine belgische Kolonie mit gerade einsetzender Verstädterung, so dass sich einmal übertragene Viren schnell verbreiten konnten.  
  • Die Affenarten, die SIV auf den Menschen übertragen haben könnten waren Schimpansen und eventuell auch Gorillas. Daraus entstand dann HIV-1.
    Bei der späteren Entstehung von HIV-2 in Westafrika spielten wahrscheinlich Meerkatzen eine Rolle.
    Bei dieser frühen Übertragung ist insbesondere der Virus HIV-1, Gruppe M entscheidend. Er sollte später die AIDS-Pandemie auslösen! Es gibt aber noch weitere gefährliche Gruppen. 
  • Was so eine Übertragung möglich macht, ist umstritten.
    Es ist denkbar, dass schon der bloße Kontakt mit den Tieren eine solche Übertragung ermöglicht haben könnte. Affen werden in einigen Gebieten Afrikas sogar als Haustiere gehalten.
    Eine weitere Möglichkeit ist die Übertragung durch Nahrungsaufnahme ("Bushmeat").
    Weiter werden auch immer wieder diverse Impfkampagnen oder falsche medizinische Behandlungen als Übertragungsfaktor ins Spiel gebracht.
    Weitere Möglichkeiten sind kultische Handlungen mit der Übertragung von Körperflüssigkeiten bis hin zu sexuellen Handlungen.

1920er

  • Forscher vermuten, dass HIV besonders in Kinshasa (Leopoldville) zirkulierte.

1959

  • Die ersten bekannten AIDS-Fälle treten auf. Dass es sich um eine HIV-Infektion handelte, stellte man aber erst bei der nachträglichen Untersuchung von Gewebeproben nach Bekanntwerden der Krankheit in den 80er-Jahren fest.
  • Der erste bislang bekannte HIV-Patient stirbt (an AIDS?): Es ist ein männlicher Kongolese aus Léopoldville. Die Umstände der Infektion konnten nicht 100%-ig erforscht werden. 
  • Ardouin Antonio, ein 49-jähriger Schiffsarbeiter aus Haiti, stirbt am 28 Juni an PCP (Pneumocystis carinii pneumonia), die oft mit einer HIV-Infektion in Zusammenhang steht. Der Arzt Gordon Hennigar empfand die Erkrankung als seltsam und ließ die Lungen konservieren. In zwei Fachzeitschriften wurde damals darüber publiziert.

1960er

  • HIV-1 breitet sich in Zentralafrika immer mehr aus. Von 1960 ist z. B. der Fall einer Frau bekannt, deren Lymphknoten untersucht werden. In der Biopsie fand man viele Jahre später den HI-Virus.
    Durch Wanderarbeiter, Reisende und medizinisches Personal wird HIV-1 weiterverbreitet. 
  • Neben HIV-1 tritt auch HIV-2 auf. Es hat seinen Schwerpunkt in Westafrika. Möglicherweise wurde es in Guinea-Bissau von Rußmangaben, einer Primatenart aus der Familie der Meerkatzenverwandten, übertragen.

1964

  • Jerome Horwitz vom Barbara Ann Karmanos Cancer Institute und der Wayne State University School of Medicine synthetisieren AZT unter Obhut der US National Institutes of Health (NIH). AZT war anfangs als Anti-Krebs-Medikament vorgesehen.

1966
  • Genetische Studien des Virus deuten an, dass es ungefähr um 1966 in (Gesamt-)Amerika ankam. Es wurde wohl zuerst eine Person in Haiti infiziert, wahrscheinlich durch Arbeitsmigration. In der damaligen Zeit arbeiteten viele Haitianer im Kongo.
    Von dort geriet es dann in den Folgejahren in die USA.
    Man muss aber dazu sagen, dass sich dieses Bild erst lange nach 2000 nach umfangreichen Erbgut(entwicklungs)studien des Virus' verfestigte. Lange Zeit ging man davon aus, dass das Virus erst einige Jahre vor seinem "offiziellen" Auftreten 1980/81 in den 70er-Jahren in die USA eingeschleppt wurde. 
  • Die Bedeutung von Haiti als "Zwischenstation" ist nicht nur deshalb so brisant, weil es dorthin Arbeitsmigration gab, sondern auch weil Haiti und insbesondere die Hauptstadt Port-au-Prince in der Karibik als ein Mekka des Sextourismus' galten. Ein Grund für diese tragische Rolle war, dass Havanna auf Kuba durch die Revolution unter Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara nicht mehr als Hauptstadt der Vergnügungssüchtigen in Frage kam (Alkohol, Drogen, Sex, Glücksspiel).

1968
  • Eine Analyse des von HIV-Arten, die in den USA gefunden wurden, aus dem Jahre 2003 ergab das Ergebnis, dass ungefähr um 1968 das Virus in die USA eingeschleppt wurde. Man hat dabei übliche Mutationsraten zugrunde gelegt.
    Die Krankheit entstammte wohl dem Amerikanischen Strang von 1966, aber blieb noch bis 1980/81 unerkannt.
    Allerdings sind diese Erkenntnisse nicht ganz gesichert. Denn Robert Rayford, der im kommenden Jahr sterben sollte, wurde möglicherweise schon deutlich früher infiziert (1959?).
1969
  • Ein Teenager aus St. Louis, als Robert Rayford beschrieben, stirbt an einer Krankheit, die seine Ärzte irritierte. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Krankheiten, an denen er zugrunde ging, durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt wurden. Die Mediziner vermuteten, dass der Junge als Callboy gearbeitet hat, auch wenn er das selber bestritt.
    Von ihm wurden Gewebeproben aufbewahrt.
    18 Jahre später untersuchen Molekularbiologen an der Universität Tulane in New Orleans seine Gewebeproben und finden Indizien für HIV.
    Robert Rayford ist wahrscheinlich ein Pseudonym.
 
1975
  • Die Tochter von Arvid Noe stirbt im Januar 1975. 
  • Arvid Noe ist ein norwegischer Matrose, Arbeiter und LKW-Fahrer, der seit den frühen 60er-Jahren auch um West- und Zentralafrika aktiv war. Dort könnte er sich bei Prostituierten mit dem HI-Virus angesteckt haben. 1961 zog er sich bei seiner ersten Afrika-Reise bereits eine Gonorrhö-Infektion zu.
    Später infizierte er in seiner Heimat auch Frau und Tochter mit HIV, die an der Immunschwäche-Krankheit elendig zugrunde gehen.
    Damals erkannte man den Erreger noch nicht als das, was er war. Außerdem handelt es sich bei diesen frühen AIDS-Fällen in Europa um einen anderen HIV-Subtyp.
    Arvid Noe ist ein Pseudonym. Der Mann hieß in Wirklichkeit Arne Roed.

1976
  • Der norwegische Seemann und Arbeiter Arvid Noe (Pseudonym) stirbt an AIDS, ohne dass die Krankheit schon bekannt wäre.
    Später werden die konservierten Körpergewebe untersucht. Es waren mehrere Tests nötig, weil die frühen HIV-Tests noch nicht so genau waren, so dass man erst 1988 Klarheit hatte: Noe und seine Frau hatten HIV-1, Gruppe O. 
    Man an vermutet, dass sich Arvid Noe in den frühen 1960ern angesteckt hat. Unklar ist, wie seine Frau und seine Tochter infiziert wurden.
  • Auch in den USA verbreitet sich HIV/AIDS unerkannt weiter. Im Jahre 1976 wird die 200-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten gefeiert. Besonders in New York gibt es dafür große Feste. Später wird man bei der Erforschung früher Ansteckungsfälle herausfinden, dass viele der Menschen untereinander Sexualkontakte auf der 200-Jahr-Feier hatten.
    Die ursprüngliche These, dass AIDS erst 1976 in die USA eingeschleppt wurde, ist aber zu verwerfen.
     
1977
  • Die dänische Ärztin Grethe Rask stirbt an einer HIV-Infektion, die sie sich in Afrika zugezogen hat.
  • Eine Prostituierte aus San Francisco gebiert das erste von drei Kindern, die später mit AIDS diagnostiziert werden. Das Blut der Kinder wurde erst nach ihrem Tod auf HIV getestet. Die Mutter starb 1987 an AIDS.
    Testergebnissen zufolge wurde sie spätestens 1977 infiziert.

1978
  • Ein Portugiese namens "Senhor José" (English: Mr. Joseph) stirbt.
    Er wird später als erste Person mit einer HIV-2-Infektion bestätigt werden. Man vermutet, dass er sich die Infektion in Guinea-Bissau im Jahre 1966 zugezogen hat.
1979
  • Ein früher Fall von AIDS in den Vereinigten Staaten, ein in New Jersey im Jahre 1973 oder '74 geborenes Mädchen, stirbt 5-jährig an AIDS.
    Ihre Mutter war eine 16-jährige Fixerin mit wechselnden Sexualpartnern.
    Spätere Gewebeuntersuchungen bestätigen eine HIV-1-Infektion.
  • Auch Herbert Heinrich, ein bisexueller deutscher Konzertviolinist, stirbt 1979. Erst 1989 haben Tests ergeben, dass er HIV-positiv war.
    Es gab auch Spekulationen, dass er von einer Prostituierten infiziert wurde, die ihrerseits von Arvid Noe infiziert war. 
  • Eine 30-jährige Frau aus der Dominikanischen Republik stirbt im Mount Sinai Medical Center in New York Stadt an einer CMV-Infektion (Zytomegalievirus).

1980er
  • Die 1980er sind das Jahrzehnt, in dem HIV und AIDS der Weltöffentlichkeit zu Bewusstsein kommen. Am Anfang der Dekade muss erstmal der Virus identifiziert werden, wobei es zu einem Wettrennen verschiedener Labore und zu einem Streit zwischen den USA und Frankreich kommt.
  • Der Name für AIDS war übrigens am Anfang GRID und wurde dann geändert.
  • Es wird schnell klar, dass es bei AIDS gewisse Risikogruppen gibt.
    Dazu zählen vor allem:
    1. homosexuelle Männer
    2. Bluter
    3. Fixer
    4. Menschen (auch heterosexuelle) mit häufig wechselnden Partnern
  • Über diese neu entdeckte Krankheit entbrennen schnell politische Kämpfe, auch aber nicht nur durch die Hauptrisikogruppe der homosexuellen Männer.
    Konservative Gruppen machen die Lockerung der Sitten durch die sog. sexuelle Befreiung der späten 60er-Jahre für die Epidemie/Pandemie verantwortlich. Der häufige Partnertausch sei immer mehr toleriert worden und habe der schnellen Verbreitung von Erregern (auch Hepatitis und andere) Vorschub geleistet. Außerdem hätten Homosexuelle sich früher oft im Untergrund herumgetrieben und sich höchstens heimlich in Wohngebäuden, auf Toiletten und in Parks getroffen. Durch die Legalisierung homosexueller Handlungen seien Schwule dann immer offener aufgetreten und hätten sich sogar in schwulen Badehäusern getroffen, wo es dann zu einer Massenübertragung der neuen Erreger gekommen ist.
    Liberale Gruppen warfen dagegen der Reagan-Regierung vor, durch ihr Dogma der Sozialkürzungen die CDC "heruntergerüstet" zu haben, so dass sie nicht mehr schnell und entschieden genug agieren konnte.
    Gleichzeitig sei die Reaktion auf die neu entdeckte Krankheit viel zu langsam verlaufen, einmal durch Bürokratismus und dann durch bewusste Verzögerung aus Angst, mit dem Thema Homosexualität ein Tabuthema anzupacken.
    In der Tat wurden erst spät Bekämpfungsmaßnahmen koordiniert und Blutkonserven auf HIV getestet. In der Öffentlichkeit schob erst der Tod des Schauspielers Rock Hudson 1985 das Thema AIDS richtig an. 

1980
  • Am 24. April wurde der in San Francisco lebende Ken Horne dem Center for Disease Control mit dem Kaposi-Sarkom (KS) gemeldet. Horne leidete auch an Cryptococcus.
    Im Jahre 1981 wird die CDC ihn nachträglich als ersten AIDS-Patienten in den USA definieren.  
  • Ein 36-jähriger homosexueller Dänischer Mann stirbt im Reichshospital in Kopenhagen an Pneumocystis pneumonia. 
  • Am 31. Oktober besucht der homosexuelle franko-kanadische Steward Gaetan Dugas zum ersten Mal nachgewiesen ein New Yorker Badehaus. 
    Dugas sollte in der Debatte um die frühe Ausbreitung von AIDS eine große Rolle spielen. Da er im Cluster der frühren HIV-Fälle eine zentrale Bedeutung halt, hielt man ihn eine Zeit lang für den "Patient Zero".
    Die Vermutung, dass er HIV in die USA eingeschleppt hat, konnte sich nicht beweisen. Auf jeden Fall hat er aber durch seine enorme sexuelle Aktivität und seinen mobilen Beruf sehr viele Menschen.
    Bei der Nachforschung nach frühen Fällen von HIV soll herausgekommen sein, dass Dugas auch nach der Aufklärung über die Ansteckungswege der neu entdeckten Krankheit nachlässig handelte und sogar wissentlich Menschen infizierte.
    Sein Fall spielte eine große Rolle im Buch "And the Band Played On. Politics, People, and the AIDS Epidemic" (1987) von Randy Shilts, das später verfilmt wurde.
  • Am 23. Dezember stirbt Rick Wellikoff, ein Lehrer aus Brooklyn, in New York Stadt an AIDS. Er ist offiziell der 4. US-Amerikaner, der an AIDS starb. 
  • Ende 1980 stirbt eine Frau aus Zaire (Kongo) an Pneumocystis Pneumonia (PCP) im Claude Bernard Krankenhaus in Paris.


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